Beigeordneter für Kultur, Schule und Sport "Magdeburg braucht mehr Humor bei der Bewerbung zur Kulturhauptstadt"

Das Ende kommt denkbar ungünstig: Mitten in der entscheidenden Bewerbungsphase vom Magdeburg zu Europas Kulturhauptstadt 2025 geht der "Kulturminister" von Magdeburg, Mattias Puhle, in Rente. Deshalb ist an Füße hochlegen für ihn noch nicht zu denken. Welche Aufgaben vor ihm und dem neuen Kultur-Beigeordneten liegen.

Matthias Puhle Kulturbeigeordneter der Stadt Magdeburg
Bis zum 30.06.2020 ist Matthias Puhle noch Beigeordneter für Kultur, Schule und Sport. Bildrechte: IMAGO

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Es sind anstrengende letzte Monate für Matthias Puhle, den Beigeordneten für Kultur, Schule und Sport in Magdeburg. Ende Juni geht er in Rente, eine Nachfolge wird bereits gesucht. Bis zum Mai muss zumindest thematisch feststehen, wie das neue Bewerbungsbuch in Sachen Kulturhauptstadt aussehen soll.

Und die Anforderungen sind hoch. So hätte die Jury vor allem bemängelt, dass die Bewerbung ein wenig humorlos daherkomme, so Puhle. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir diese Kritiken und Anregungen jetzt einarbeiten in das neue Bewerbungsbuch."

KULTUR

Das ist wirklich eine große Aufgabe, die jetzt vor uns liegt.

Matthias Puhle über Magdeburgs Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025

Jetzt gilt es also, das Postive herauszustellen und mehr Humor im Text auftauchen zu lassen. "Die Jury hat uns gesagt, wir sollten selbstironischer sein. Dicke alte Männer von hinten zu zeigen, um die Überalterung darzustellen, sei ein Anfang, davon brauche es aber mehr." Außerdem müsse die Landeshauptstadt die Frage beantworten: Wo will die Stadt kulturell hin und wie soll das geschehen? Laut Jury muss Magdeburg auch viel stärker herausstellen, was bringt diese Kulturhauptstadt-Bewerbung und am Ende für Europa?

Wir müssen auch über unser generelles Thema nochmal nachdenken, raus aus der Lehre, aus dem Vakuum. Das findet die Jury zwar interessant, aber auch ein bisschen zu negativ.

Matthias Puhle

Technikmuseum und Musikakademie

Auch die Weiterentwicklung des Technikmuseums liegt Puhle am Herzen. Das wolle er noch vor seiner Pensionierung hinbekommen, sagt er. Ein neues Konzept liege auf dem Tisch, dieses müsse nun dem Stadtrat vorgelegt werden.

Seit Jahren fehlt es in Sachsen-Anhalt an Musiklehrern. Magdeburg will deshalb eine Musikakademie gründen. Es gibt einen Grundsatzbeschluss, jetzt muss ein Konzept vorgelegt werden. "Das soll eine Ausbildungsstätte werden und wir brauchen einen Standort", so Puhle. Zusammen mit Hochschulen, Theater, Konservatorium, Ballettschule und Puppentheater sollen in Magdeburg künftig darstellende Künstler und Musiklehrer ausgebildet werden.

SCHULE

Wir haben Schulen in Magdeburg, die haben keine einziges Kind mit Migrationshintergrund. Warum sollte man das nicht besser über die ganze Stadt verteilen, um zu verhindern, dass sich dann Problembezirke herausstellen?

Matthias Puhle

Wichtig ist Puhle, der als Beigeordneter auch für den Bereich Schule zuständig ist, auch die Integration von ausländischen Kindern in den Magdeburger Schulen. Er warnt davor, vor allem Sprachlehrer nur dort einzusetzen, wo es ohnehin schon viele Kinder von Migranten gibt. Da dürfe nicht immer nur das Geld entscheiden. Wichtig sei es deshalb, Sprachlehrer auch über die Stadt zu verteilen und nicht nur in bestimmten Schulen einzusetzen.

Schwierige Suche nach Standort für neue Grundschule

Grundschülerinnen sind in einem Kinderhort beschäftigt.
Bis Kinder in der neuen Grundschule in Magdeburg Cracau lernen können, wird es noch dauern. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Außerdem muss ein Standort für eine neue Grundschule auf der Ostseite der Elbe gefunden werden. Ursprünglich sollte diese auf dem Heumarkt entstehen, doch das hat nicht geklappt.

Über die Notwendigkeit einer neuen Grundschule sind sich nach Aussage von Puhle alle einig. "Aber wenn es darum geht, wo soll die denn hin? Dann heißt es, also die Kleingärten dürfen auf keinen Fall angefasst werden. Oder: Schule ja, aber doch nicht vor meiner Tür." Da sei noch ein dickes Brett zu bohren, so Puhle. Er ist aber zuversichtlich, das hinzubekommen.

Herausforderung: Digitalisierung der Schulen

Langfristig, sagt Puhle, müsse sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin auch darüber nachdenken, wie die Gemeinschaftsschulen weiterqualifiziert werden könnten. Puhle ist der Ansicht, dass die Gemeinschaftsschulen ihr Profil schärfen und dieses den Eltern auch besser vermitteln sollten. Ihm sei bisher nicht klar, welchen Unterschied es zwischen Gemeinschaftsschulen und integrierten Gesamtschulen gebe.

Hauptaufgabe der nächsten Jahre sei auch die Digitalisierung der Schulen, so Puhle. Durch den Digitalpakt des Bundes gebe es fünf Milliarden Euro – Geld, das auch in Magdeburg ankommen soll. Das müsse auf alle Schulen verteilt werden und in den nächsten vier Jahren umgesetzt werden, erklärt Puhle. Also bis Ende 2024. Eine Herausforderung, schließlich müssten alle Schulen in Magdeburg erst einmal an das digitale Netz angeschlossen werden und die Infrastruktur so eingerichtet werden, dass die Schulen auch international konkurrenzfähig sind.

SPORT

In anderen Städten werden Bäder geschlossen, aus finanziellen Gründen. Wir sanieren sie, unterhalten sie und öffnen sie und halten sie auch geöffnet für die Bevölkerung.

Matthias Puhle
Der Barleber See mit grünlicher Trübung
Der Barleber See ist in den vergangenen Jahren umfangreich saniert worden. Jetzt soll es keine Probleme mehr mit Blaualgen geben. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Hoch erfreut ist Puhle darüber, dass der Barleber See saniert werden kann. Mehr als fünf Millionen  Euro sollen dort verbaut werden. "Die eigentliche Badequalität ist ja endlich wieder da", sagt er. Das sei eine große Aktion gewesen und auch teuer. Jetzt brauche man auch eine Infrastruktur, damit die Magdeburger und Gäste dort gerne Zeit verbringen.

Auch für die Sanierung des Carl Miller Bades wird es Geld geben, worauf Puhle stolz ist.

Puhle freut sich auch darüber, dass die Fußball-Fans im Stadion wieder hüpfen können und verweist noch einmal darauf, dass der Umbau zehn Millionen Euro gekostet hat. Im sportlichen Bereich brauche Magdeburg eine neue Großsporthalle, weil die Herrmann Gieseler Halle bald geschlossen werden müsse. Geplant ist, eine neue, moderne Halle an anderer Stelle zu bauen. Diese soll am Lorenzweg entstehen und gleichzeitig für größere Sportveranstaltungen auch die Sporthalle des Editha-Gymnasiums sein.

Puhle über seinen Nachfolger

Soll es jetzt jemand sein, der mehr aus im Schul- oder aus dem Kulturbereich kommt? Es gibt wenige Persönlichkeiten, die beides abdecken – und Sport auch noch.

Matthias Puhle

Puhle selbst ist Historiker. Er sah sich stets der Kritik ausgesetzt, immer nur die Kultur im Auge zu haben. Er selbst ist aber der Ansicht, dass er sich die anderen Bereiche ebenfalls gut angeeignet hat.

Puhle freut sich darauf, ab 1. Juli 2020 Verantwortung abzugeben. "Ich bin jetzt gut 40 Jahre ununterbrochen im Beruf und seit 30 Jahren immer in sogenannten Führungspositionen. Das ist schön, das macht Spaß – ist aber auch anstrengend." In Zukunft will er sich wieder mehr mit historischen Dingen auseinandersetzten. Er sei dafür schon angefragt worden, habe sich aber noch nicht entschieden, was er genau machen will.

Quelle: MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 11. Februar 2020 | 09:30 Uhr

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