Serie über digitale Einzelkämpfer Arbeiten wie im Rausch: Warum Mika Garau seinen Job so gern macht

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Geld verdienen mit dem Internet – das klang früher oft wahnwitzig und unglaubwürdig. Aber mittlerweile mischen auch Sachsen-Anhalter dabei mit. MDR SACHSEN-ANHALT stellt drei von ihnen vor. Mika Garau konzipiert und produziert in Magdeburg Filme, Webseiten und Fotos. Der dritte und letzte Teil unserer Reihe über digitale Einzelkämpfer.

Ein Mann blickt über die Schulter
Mika Gradau hat sich selbstständig gemacht. Es läuft gut für ihn. Bildrechte: Mika Garau

Wer sich mit Mika Garau unterhält, landet schnell bei Grundsätzlichem. Ihn interessiert, was die Welt im Inneren zusammenhält. "Ich bin ein Kopfmensch. Ich will wissen, wie funktioniert die Gesellschaft, woher kommen Kultur und Inspiration." Mika ist 41 Jahre alt und kam mit 21 nach Magdeburg. Er hat hier angefangen, Soziologie zu studieren. "Irgendwann ging das Geld aus und ich musste mich entscheiden, ob ich im Seminar Kundenanrufe annehmen wollte." Wollte er nicht und so hat er sich unter dem Namen COGGY Kommunikation selbständig gemacht.

Der Name ist an Kognition angelehnt – für das Erkennen und Verstehen der Welt. Und für Mika bedeutet es, auch zu verstehen, was seine Auftraggeber umtreibt, was sie erreichen und kommunizieren wollen. COGGY Kommunikation hat zum Beispiel den aktuellen Film für den Landtag von Sachsen-Anhalt entwickelt und produziert.

Filme, Apps, Virtual Reality

Seine weiteren Kunden sind zum Beispiel die Magdeburger Software-Firma SelectLine, für die er gerade einen Film entwickelt hat, der zeigen soll, was die Software-Firma herstellt. Ein kompliziertes Unterfangen: "Anders als in einer Fabrik kann man ja kein Produkt zum Anfassen zeigen", sagt Mika. Auch für die Stadt Dessau-Roßlau hat er den aktuellen Image-Film entwickelt und produziert und für die Virtual Reality-Anwendung "Magdeburg & der Dom" hat er gleich drei Jobs inne: Storytelling, Dramaturgie und Regie. Für die Piratenpartei hat er zur Bundestagswahl 2009 einen Wahlwerbespot produziert, der mehr als eine halbe Million Mal angesehen wurde. Zur Zeit treibt ihn vor allem ein Projekt um: Er koordiniert die Entwicklung einer Web-App, mit der Firmen innovativer werden sollen.

Über Mika Garau Mika Garau ist 41 Jahre alt und hat sich vor achtzehn Jahren in Magdeburg selbständig gemacht. Unter dem Namen COGGY Kommunikation produziert er Filme, Webseiten und Fotos und berät seine Auftraggeber in Kommunikationsfragen. Zu seinen Kunden zählt der Landtag von Sachsen-Anhalt, die Stadt Dessau-Roßlau, das IQ Netzwerk Sachsen-Anhalt, die Kulturstiftung Kaiser Otto und viele verschiedene weitere Firmen und Institutionen. Als digitaler Einzelkämpfer sieht er sich nicht, weil er mitunter Projekte mit bis zu 20 Menschen koordiniert. Er hat eine Ausbildung abgeschlossen und Soziologie sowie vorderasiatische Archäologie studiert.

Auch wenn überall COGGY drauf steht – Mika arbeitet mit anderen Freiberuflern zusammen, sowohl aus Sachsen-Anhalt als auch aus ganz Deutschland. "Ich habe zum Beispiel eine Grafikerin in Hannover und einen Illustrator in Hessen. In manchen Projekten sind wir bis zu 20 Leute." Eine Menge organisatorischer Aufwand, der sich nur durch das Internet verwirklichen lässt: Mika muss mitunter Daten in Gigabyte-Größe verschicken und empfangen. Und durch das Internet kann er auch mit Menschen arbeiten, die ihn begeistern. "Ich habe zum Beispiel mit den beiden wichtigsten Synchronstimmen aus 'Matrix' zusammengearbeitet", sagt er. Für zwei Filme hat er Aufnahmen mit den Synchronsprechern von zwei Hollywoodstars gemacht: Benjamin Völz, der Keanu Reeves und seinem Neo die Stimme in "Matrix" gibt und Tom Vogt, der Laurence Fishburne und seinen Morpheus synchronisiert. "Das sind tolle Typen, mit denen konnte man super arbeiten und sich inspirieren lassen."

Mika versteht sich als digitaler Künstler und digitaler Entrepreneur, also Unternehmer und Firmengründer. Aufgewachsen ist er in Sachsen, war dort am Ende der DDR-Zeit Kandidat für eine Sportschule, weil er ein großes Biathlon-Talent war. Nach dem Abi machte er eine dreijährige Ausbildung in einer Medienproduktionsfirma und lehnte danach einen festen Job dort ab. "Das hat mir nicht gereicht. Ich dachte, das kann nicht alles sein. Ich wollte mehr." Er beginnt ein Studium für vorderasiatische Archäologie in Freiburg und will eine ausgestorbene Sprache aus dem Zweistromland lernen. "Ich wollte verstehen, wie die Schrift entsteht, wie Worte, Gesetzestexte, Kultur und Hochtechnologie sich entwickeln." Weil aber an der Uni Kurse gestrichen werden, kommt er zurück nach Magdeburg.

Ich habe zwar manchmal 16-Stunden-Tage, aber ich bin dann wie im Rausch und es ist großartig, die Energie zu spüren, wenn man etwas kreiert. Es fühlt sich dann an, als würde ich mit der Welt verschmelzen.

Mika Garau über seinen Job

Mika Garau ist Vater einer Tochter und mit seiner Selbständigkeit glücklich. Seit sechs Jahren verdient er gut, macht jährlich einen sechsstelligen Umsatz. Mika ist mit seiner Selbständigkeit glücklich, auch wenn es oft ein harter Kampf ist: "Ich habe eine Planungssicherheit von zirka sechs bis acht Monaten. Für viele hört sich das nach wenig an. Für Selbständige ist das geradezu Luxus." Für die Zukunft kann sich Mika Garau auch vorstellen, sich auf ein Projekt zu konzentrieren: "Von der Dienstleistung, hin zum Produkt. Wenn die Innovations-App richtig durchstartet, konzentriere ich mich vielleicht darauf, dann kann ich mir auch vorstellen, zusammen mit anderen ein neues, superkreatives Unternehmen zu gründen."

Die Arbeit ist für ihn wie ein Hobby

Seine Arbeit sei wie ein Hobby, sagt er: "Ich habe zwar manchmal 16-Stunden-Tage, aber ich bin dann wie im Rausch und es ist großartig, die Energie zu spüren, wenn man etwas kreiert. Es fühlt sich dann an, als würde ich mit der Welt verschmelzen."

Zur Zeit will er der Gesellschaft etwas zurückgeben: Ehrenamtlich engagiert er sich beim "wirtschaftBOOOM", einer neuen Veranstaltung für die Region Magdeburg, die zum ersten Mal Anfang September Industrie, Handel, Handwerk und Kreativwirtschaft zusammengebracht hat. Dort soll es um Mikas Lieblingsfragen gehen – die ganz großen nämlich: Was tun wir für die Gesellschaft, was können wir für eine Region wie Magdeburg tun, wie gestalten wir gesellschaftlichen Wohlstand, während sich die Welt tiefgreifend verändert? "Dabei müssen richtig die Köpfe rauchen. Und alle können etwas tun. Es geht darum, die Menschen auch zu inspirieren und dazu zu motivieren, mitzumachen."

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir. Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. August 2019 | 13:40 Uhr

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