Nach dem Vorentscheid Kulturhauptstadt-Bewerbung: So geht es jetzt in Magdeburg weiter

Magdeburg steht im Finale um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025". Jetzt kommt es darauf an, die ganze Stadt für das Vorhaben zu begeistern, meint Oberbürgermeister Lutz Trümper. MDR SACHSEN-ANHALT erklärt, was nun geplant ist.

Bewerbungsbuch mit der Vision und den Themen für den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025
Ende 2020 entscheidet sich endgültig, ob Magdeburg den Titel bekommt. Bildrechte: dpa

Wie geht es nach dem geglückten Vorentscheid für Magdeburg weiter?

Das Bewerbungsteam Magdeburg2025 muss sich jetzt direkt an das zweite Bewerbungsbuch setzen. Das bisherige Konzept ist 60 Seiten lang und beantwortet 38 von der EU vorgegebene Fragen, zum Beispiel zu Langzeitstrategien und zur Finanzierung. Um konkrete Projekte geht es bisher weniger, das erste Bewerbungsbuch ist kein Programmbuch.

Im zweiten Bewerbungsbuch sollen 44 Fragen auf 100 Seiten beantwortet werden. Abgabetermin ist der 31. Juli 2020, das Manuskript will das Team schon im Mai fertigstellen. Die bisherigen Ideen sollen im neuen Buch konkreter werden. Nach Angaben des Bewerbungsbüroleiters Tamás Szalay muss nun auch stärker die europäische Dimension erklärt werden – etwa mit welchen Aktionen Magdeburg internationales Publikum ansprechen möchte und wie unterschiedliche Kulturen zusammengebracht werden können.

Die verbliebenen Bewerberstädte bekommen außerdem alle Besuch von der europäischen Jury. Im Herbst 2020 wird dann die Stadt bestimmt, die für Deutschland im Jahr 2025 eine der beiden Kulturhauptstädte Europas sein soll. Die zweite Kulturhauptstadt in dem Jahr stellt Slowenien.

Wie soll die Bevölkerung für die Bewerbung begeistert werden?

Magdeburg2025-Chef Szalay sagt, dass sein Team weitere Impulse aus der Bevölkerung braucht, um die Inhalte für die Bewerbung weiterzuentwickeln. In der Vergangenheit habe es bereits Einwohnerumfragen und Gesprächsrunden im Veranstaltungsraum Kubus gegeben. Nun wolle man aber raus in die Stadtteile und dort zu Gesprächen laden.

Außenansicht des Bewerbungsbüros zur Kulturhauptstadt in Magdeburg.
Im Kubus finden regelmäßig Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt-Bewerbung statt. Bildrechte: MDR/Lisa Felgendreff

"Für uns ist es sehr wichtig, dass wir Menschen ansprechen und ihre Meinungen und Visionen einholen", so Szalay. Zu den Kubus-Gesprächen seien allerdings vor allem die Leute gekommen, die sowieso für das Projekt brennen.

Aber wir möchten jetzt auch andere Stimmen holen – auch von denjenigen, die allein nicht in den Kubus kommen, um über Kultur zu sprechen.

Bewerbungsbüroleiter Tamás Szalay

Szalay kündigte außerdem an, die Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken. Dies hält auch Oliver Scharfbier aus dem Bewerbungsteam für wichtig. Er wisse aber nicht, ob dafür genügend Kapazitäten vorhanden seien. Das Team müsse sich vor allem auf das zweite Bewerbungsbuch konzentrieren. Andererseits bekomme jede Kandidatenstadt ja Besuch von der Jury.

Und wenn dann die Bevölkerung nichts davon weiß, ist das nicht besonders positiv.

Oliver Scharfbier, künstlerischer Leiter im Kubus

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) erklärte am Freitag, die Begeisterung müsse jetzt in die Bevölkerung getragen werden. Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) meint ebenfalls: "Der Spirit muss in ganz Magdeburg verankert sein." Robra machte außerdem noch einmal deutlich, dass das Land die Bewerbung unterstützt.

Wie kann man sich in die Bewerbung einbringen?

In der ersten Bewerbungsphase hatte das Kulturhauptstadtbüro dazu aufgerufen, sich mit Projekten in die Bewerbung einzubringen. Es gingen 109 Anträge ein, 13 Projekte der freien Kulturszene wurden mit insgesamt 75.000 Euro unterstützt. Darunter war zum Beispiel die syrische Kulturschule, ein Straßentheaterprojekt und das Uniradio der Magdeburger Universität.

Szalay sagte, man habe so einen Aufruf auch in der zweiten Bewerbungsphase vor. Einzelheiten sollen demnach bald öffentlich gemacht werden.

Worauf setzen die verbliebenen Konkurrenten Magdeburgs?

  • Chemnitz präsentiert sich als Stadt der Aufbrüche. Es geht um Identität, Zugehörigkeit und Umgang mit Veränderung.


  • Hannovers zentrale Idee bei der Bewerbung ist ein öffentlicher Ort, an dem man sich versammeln und debattieren kann. Geplant sind Studios, Ateliers, Werkstätten, Restaurants und Bars. Außerdem setzt Hannover auf Musik als universelle Sprache.


  • Hildesheim bewirbt sich als historische Kulturstadt mit einer innovativen Szene für junge Gegenwartskultur. Auch das landwirtschaftlich geprägte Umfeld der Stadt steht im Fokus. Gerade weil man Provinz sei, wolle man Kulturhauptstadt werden.


  • Nürnbergs Motto lautet "Past Forward". Die Stadt will Konsequenzen aus dem Nationalsozialismus für das heutige Leben ziehen.

Wer ist der stärkste Konkurrent?

Oliver Scharfbier aus dem Bewerbungsteam blickt bei dieser Frage vor allem nach Sachsen. "Wir haben ein ähnliches Profil wie Chemnitz, die Narben in den Städten sind ähnlich, die Arbeitslosigkeiten, die Leerstände, die Traumata“, so Scharfbier.  

Szalay kann sich dagegen nicht festlegen. Es sei bei der Jury nicht eindeutig, welche Aspekte besonders wichtig seien. Alle Städte in der zweiten Runde seien sehr stark. "Wir müssen unsere Stärken noch mehr zuspitzen und glaubwürdig zeigen, wie wir die Dinge umsetzen wollen – auch über 2025 hinaus."

Es wird wichtig, die Stärken der anderen zu analysieren und sich von ihnen wegzuprofilieren.

Magdeburg2025-Chef Tamás Szalay

Wie ist das Budget für das Kulturhauptstadtjahr?

Für die Jahre 2021 bis 2026 sind 60 Millionen Euro veranschlagt. Die Bundesregierung hat noch keine feste Summe zugesagt, die in der Tabelle genannte Zahl ist der Betrag, mit dem das Kulturhauptstadtbüro rechnet.

  Euro Prozent
Stadt 20.000.000 33,2
Land Sachsen-Anhalt 20.000.000 33,2
Bund 20.000.000 33,2
EU 250.000 0,4
Insgesamt 60.250.000 100

Was plant Magdeburg, falls die Stadt den Titel am Ende nicht bekommt?

Oberbürgermeister Trümper zufolge sollen bestimmte Projekte auch dann umgesetzt werden, wenn es mit dem Titel am Ende doch nichts wird – auch wenn er darüber nach eigenen Angaben momentan nicht wirklich nachdenken will.

Jetzt geht es erstmal darum, nach dem ersten Teilerfolg den zweiten einzufahren. Das ist das A und O, um das es jetzt geht.

Oberbürgermeister Lutz Trümper
Magdeburgs Bürgermeister Lutz Trümper steht vor dem Bewerbungsbüro mit dem Katalog zur Bewerbung zur Kulturhauptstadt.
Trümper und neun weitere Magdeburger hatten die Bewerbung in dieser Woche in Berlin einer Jury präsentiert. Bildrechte: MDR/Lisa Felgendreff

Zu den Projekten, die in Magdeburg auf jeden Fall umgesetzt werden sollen, gehört zum Beispiel die geplante Akademie für Musik und Darstellende Kunst, in der unter anderem Musiker, Musiklehrer, Regisseure und Tanzlehrer ausgebildet werden sollen.

Wie es mit den Kulturangeboten in der Stadt in den nächsten Jahren weitergeht, wird momentan auch unabhängig von der Kulturhauptstadtbewerbung erarbeitet – in einer Kulturstrategie bis 2030. Im kommenden Frühjahr soll der Entwurf für die neue Kulturstrategie im Stadtrat vorgelegt werden.

Auch Slowenien wird 2025 eine Kulturhauptstadt haben.
Welche Städte wollen es dort werden?  

Das Bewerbungsverfahren für Slowenien ist noch nicht ganz so weit wie in Deutschland. Bis zum 31. Dezember 2019 müssen die Interessenten ihre Bewerbungen offiziell abgeben. Erst dann steht fest, wer tatsächlich im Rennen ist. Im Gespräch ist zum Beispiel die Hauptstadt Ljubljana, aber auch kleinere Städte wie Ptuj mit rund 20.000 Einwohnern.

Quelle: MDR/kb, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Dezember 2019 | 05:30 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/8221e3f0-a679-461f-89be-1630745ba891 was not found on this server.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt