Feuergefährliche Getreideernte "Der Mähdrescher brennt!"

Annette Schneider-Solis
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Der Sommer gibt sein Bestes. Regen? In den nächsten Tagen nicht. Wälder und Felder sind staubtrocken. Überall werden Vorsichtsmaßnahmen getroffen und Brandschneisen angelegt. Wie sich Landwirtschaftsbetriebe vor Feldbränden schützen, wollte unsere Reporterin in Zerben recherchieren. Dann brannte das Getreide vor ihren Augen.

Flammen lodern am Rand eines abgebrannten Feldstückes, im Hintergrund steht ein Mähdrescher
Bei der Ernte kommt es immer wieder zu Bränden. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Gemeinsam fahren wir auf einen Schlag mit Weizen. Der Mähdrescher dreht auf dem 20 Hektar großen Feld bei Zerben im Jerichower Land seine Runden, zieht eine Wolke aus Staub und Stroh hinter sich her. Gerade zeigt uns Geschäftsführer Daniel Ladwig die verkümmerten Getreidekörner, die wegen des Regens nicht wachsen konnten, als er sich schlagartig selbst unterbricht: "Der Mähdrescher brennt!"

Gelbrote Flammen fressen sich durchs Stroh

Kniehohe Flammen fressen sich über ein abgemähtes Feld
Feuer am Feld: Die Ernte eines Jahres ist bedroht. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Unsere Blicke folgen seinen an den gegenüberliegenden Feldrand. Dort lodern gelbrote Flammen, die schnell größer werden. Dahinter der Mähdrescher. Sofort hat Daniel Ladwig das Telefon in der Hand, wählt den Notruf, beschreibt den Brandort, springt in sein Auto und rast über den Streifen, der schon abgeerntet ist. Als wir uns den Flammen nähern, sehen wir, dass nicht der Mähdrescher brennt, sondern nur das Stroh, das in breiten Schwaden auf dem Feld liegt.

"Ingo, zurück!", ruft er den Männern zu, die mit dem Feuerlöscher versuchen, den Brand zu bekämpfen. "Ich hol die Scheibenegge, das Wasserfass!" Egge und Tankwagen stehen bereit für solche Fälle. Zu DDR-Zeiten mussten sie bei Erntearbeiten immer neben dem Feld stehen. Heute ist es ein Problem, den Tankwagen zu befüllen. In vielen Landkreisen darf kein Wasser aus öffentlichen Brunnen, Seen oder Kanälen entnommen werden – Wasser ist knapp. Der Tankwagen der Zerbener Agrar GmbH hat ein Güllegemisch im Bauch.

Zwischen Weizenähren ragt eine einzelne Kornblume hervor
Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Die Flammen springen auf das trockene Getreide über, sie lodern. Geistesgegenwärtig fährt der Mähdrescherfahrer sein Gefährt zurück ins Getreide, zieht eine Schneise zwischen dem beginnenden Feldbrand und dem Rest des riesigen Schlags. Inzwischen trifft das erste Löschfahrzeug ein, weitere drei folgen innerhalb weniger Minuten. Feuerwehrleute bekämpfen den Brand mit Wasser, Schaum und Feuerpatschen. Ein weiterer Tankwagen von einem Nachbarbetrieb trifft ein.

Die Helfer können aufatmen – dieses Feuer konnte erstickt werden, bevor es sich ausbreiten konnte. "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen", weiß Daniel Ladwig. "Hätte der Wind etwas anders gestanden, wäre das ganz anders ausgegangen." Ohne die schnelle Hilfe, auch durch die Feuerwehren der Nachbargemeinden, hätte der Betrieb 20 Hektar reifes Getreide verloren, die Arbeit eines Jahres. Die Einheitsgemeinde Elbe-Parey hat mehrere Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr im Bauhof angestellt. So steht ein ganzer Zug bei Alarm sofort bereit. Auch das ist ein Grund, dass die Feuerwehr so schnell vor Ort war.

Ein Feuerwehrmann schlägt mit einer Feuerpatsche Flamen auf einem Stoppelfeld aus
Mit Feuerpatschen, Wasser und Schaum kämpfen die Feuerwehrmänner gegen die Flammen auf dem Feld. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Feuerwehr war gut vorbereitet

Daniel Ladwig, selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, kennt die Gefahren nur zu gut. Vor vier Jahren hat er den Stoppelacker in seinem Betrieb bereitgestellt für Übungen.

Ein Traktor zieht ein mit brauner Brühe gefülltes Fass über ein brennendes Feld, während Feuerwehrmänner beim Löschen helfen
Mit Güllegemisch und Wasser werden die Helfer Herr der Flammen. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Damals trainierten die Feuerwehrleute den Umgang mit Feuerpatschen und Wasserrucksäcken. Das half ihnen heute, den Brand so schnell zu besiegen. Der Tankwagen und die Egge stehen während der Erntearbeiten immer bereit. Wenn die Mähdrescher aufs Feld fahren, schickt Daniel Ladwig den Standort per App an die Leitstelle der Feuerwehr. Dass trotz aller Vorsorge die Brandgefahr immer mitfährt, weiß Ladwig. Und hat einen wachen Blick. Heute wird es wohl ein winziger Stein gewesen sein, hochgeschleudert beim Mähen, irgendwo ans Metall geflogen. Ein winziger Funke, der genügt, um zu einem großen Flächenbrand zu werden und der in diesem Fall auch den benachbarten Kiefernwald und Wohnhäuser bedroht hätte.

Blick auf ein abgemähtes Weizenfeld mit Strohballen
Ernte bei Hitze und Trockenheit ist ein besonderes Risiko. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. Juli 2019 | 19:00 Uhr

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2 Kommentare

24.07.2019 22:07 Flo 2

@1 Das hat den Landwirten auch niemand verboten. Im Landkreis JL ist meinem Wissen nach allgemein die Entnahme von Wasser aus Oberflächengewässern verboten (in den meisten ist ja eh nichts mehr zum entnehmen drin). Bei Gefahr im Verzug, bspw. bei einem Brand, gilt das meiner Rechtsauffassung nach selbstverständlich nicht. Wobei die meisten Agrargenossenschaften Wasser ohnehin nicht aus Oberflächengewässern sondern aus dem Grundwasser entnehmen. Wie ist unsere Zeit denn gezeichnet?

24.07.2019 15:31 Hensel Wolfgang 1

Wer den Bauern verbietet ihre Wasserfàsser für die Brandbekämpfung aus Seen und Flüsse zu befüllen hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Zusätzlich Gülle auf den Acker hat wohl auch nichts mit Umweltschutz zu tun.

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