Diskussionsrunde Die Rückkehr des Wolfes in den Harz – Wanderer in Gefahr?

Über den Wolf wird viel und kontrovers diskutiert. Im Gegensatz zu vielen Teilen Sachsen-Anhalts ist er im Harz noch nicht heimisch. Aber auch hier macht man sich Gedanken um die Auswirkungen, wenn er denn käme. "Wanderer in Gefahr?": Unter diesem Motto stand eine Veranstaltung des Harzklubs im Kurhaus des Städtchens St. Andreasberg.

Ein neugieriger Grauwolf sucht an einem Seeufer nach Futter.
In Sachsen-Anhalt leben insgesamt knapp 100 Wölfe. Bildrechte: imago/alimdi

Was tun, wenn man einem Wolf begegnet? Wie argumentiert man mit ängstlichen Harzgästen? Werden Wölfe den Tourismus beeinflussen? Um solche Fragen ging es bei der von rund 80 Gästen besuchten Veranstaltung. In einer Podiumsdiskussion standen Vertreter von Tourismus, Landwirtschaft und Naturschutz Rede und Antwort.

Doch ist der Wolf überhaupt ein Thema im Harz? Derzeit sei das nicht der Fall, machte Carola Schmidt deutlich, die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes. "Der Wolf ist im Moment unser kleinstes Problem", sagte sie mit Blick auf die großflächigen Waldschäden, die durch Trockenheit und Borkenkäfer entstanden sind. 

Bedenken, wenn im Winter das Futter knapp wird

Ein dreieckiges Schild mit der Aufschrift "Harzklub 1886" und einem Baum steht auf einem Tisch.
Der Harzklub hatte zur Veranstaltung geladen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Kein Thema ist es wahrscheinlich auch, weil noch keine Wölfe im Harz leben. Trotzdem machen sich viele Gedanken, was passiert, wenn es soweit ist. Bärbel Meier aus Magdeburg lebt zeitweise auch in Wernigerode und ist Wanderführerin beim Harzklub. Der pflegt mit seinen 13.000 Mitgliedern rund 10.000 Kilometer Wanderwege, versteht sich als Anwalt der Wanderer und naturliebenden Harztouristen.

Der Harzklub hatte die Veranstaltung organisiert, weil offensichtlich Diskussionsbedarf besteht. Und tatsächlich macht sich Bärbel Meyer so ihre Gedanken. "Im Großen und Ganzen stehe man dem Wolf sehr positiv gegenüber", sagt sie, doch: "Mich besorgt der Gedanke an Wolfsrudel, dass im Winter, wenn das Futter knapp ist, einzelne Wanderer angegriffen werden könnten. Da habe ich Bedenken".

Experte: Wölfe bedrohen Menschen nicht

Solche Ängste versucht Andreas Berbig zu zerstreuen. Der Leiter des Wolfskompetenzzentrums Sachsen-Anhalt sagt:

Seit zwanzig Jahren haben wir Wölfe in Deutschland. Es gibt wirklich keinen Fall, in dem von Wölfen aktiv Menschen bedroht waren.

Wolfsexperte Andreas Berbig

Kein Wanderer müsse sich fürchten, sagt Berbig, und gibt auf Nachfrage sogar Tipps für das richtige Verhalten bei einer Begegnung mit einem Wolf: Abstand halten und das Tier gegebenenfalls lautstark vertreiben. Doch Andreas Berbig sagt auch so Sachen wie: "Wölfe sind mobil und auch am Tage mal zu sehen". Oder: "Um von A nach B zu ziehen, gehen Wölfe auch mal durch eine Ortschaft". Das beruhigt nicht, spielt aber im Moment noch keine Rolle, weil ja im Harz noch keine Wölfe leben.

Mehr Schutzzäune nötig

Jürgen Hirschfeld ist Kreislandwirt im Landkreis Goslar im Westharz und befürchtet, die Harzkühe könnten von den Weiden verschwinden. Wegen der Berglagen würden Schutzzäune kaum etwas bringen, erklärt er. Obendrein müssten davon mehr gebaut werden, weil die Weideflächen pro Tier wegen des kargen Futterangebots im Harz größer seien als im Flachland.

Die große Sorge sei weniger, dass Wölfe viele Rinder reißen würden, sondern dass eine Rinderherde bei Wolfskontakt ausbrechen und Schaden anrichten könnte. Sein Fazit deshalb: "Wenn wir die Weidehaltung im Harz erhalten wollen, müssen wir dem Wolf das Fürchten lehren". Er plädiert für Obergrenzen bei der Zahl der Wölfe im Harz, wenn sie denn da seien.

Wölfe bleiben bisher nicht

Doch bisher wurden nur durchziehende Einzeltiere gesichtet, zum Beispiel im Ostharz bei Ballenstedt oder bei Rhüden im Westen. Im Jahr 2010 hatte an gleicher Stelle in St. Andreasberg eine große Fachtagung zum Thema Wolf stattgefunden. Damals hatten hier Fachleute die baldige Ansiedlung des Wolfs im Harz vorhergesagt.

Menschen stehen auf einer Bühne.
Auf der Podiumsdiskussion konnten sich alle Seiten austauschen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

War doch der letzte Wolf im Harz 1798 unterhalb des Brockens erlegt worden und wurde allgemein eingeschätzt, dass der Harz gute Bedingungen böte. Doch bis heute ist das nicht geschehen. Warum ist der Wolf noch nicht im Harz?

Wolfsexperte Andreas Berbig kann da nur mutmaßen. "Unsere Wölfe stammen aus Westpolen, das ist Flachland. Es könnte sein, dass sie sich mit Vorliebe dort ansiedeln, was sie von ihrer Herkunft kennen". Allerdings versichert er: "Es wird so sein, dass Wölfe auch im Harz auftauchen werden".

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. August 2019 | 17:40 Uhr

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