Prävention Mehr Geld für Herdenschutz bei Wolfsangriffen

Mehr als 170 Nutztiere sind 2018 von Wölfen getötet worden. Für Zäune und Schutzhunde bekommen Tierhalter Geld vom Land. Die Förderung wurde jetzt ausgeweitet – weitere Schritte sind in den kommenden Jahren in Planung.

Ein Schäfer mit seinen Herdenschutzhunden
Künftig soll es vom Land mehr Fördergeld für Besitzer von Herdenschutzhunden geben. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt hat die Unterstützung für Nutztierhalter zum Schutz ihrer Herden vor Wolfsangriffen verbessert. Wie Umweltministerin Claudia Dalbert sagte, gibt es Fördergeld für Zäune oder Hunde ab sofort auch für Rinder- und Pferdehalter. Bislang zahlte das Land nur für Schafe und Gehegewild. Zudem fällt die Deckelung der Summe weg, bislang gab es maximal 15.000 Euro innerhalb von drei Jahren. Dritte Änderung: Statt wie bislang nur zwei bestimmte Rassen, können künftig auch weitere Rassen von Schutzhunden gefördert werden. Die Richtlinie sei entsprechend angepasst worden, sagte Dalbert.

Zäune oder Hunde künftig komplett gefördert

Ein weiterer Schritt sei zudem bereits in die Wege geleitet: Die Tierhalter bekommen die Anschaffung von Zäunen oder Hunden künftig komplett erstattet. Bislang erlaubte die EU nur eine Förderung von 80 Prozent. Diese Grenze wurde nun angehoben. Die Umsetzung habe Sachsen-Anhalt in Brüssel bereits angemeldet, sagte Dalbert.

2018 zahlte das Land für die Präventionsmaßnahmen bis Mitte November rund 67.000 Euro an die Tierhalter, 2017 waren es insgesamt 136.000 Euro. Fast immer wird dabei die Anschaffung von Zäunen finanziert. Die Förderung von Herdenschutzhunden wird dagegen kaum nachgefragt.

Auch Förderung für Unterhalt geplant

Auch nach der Erweiterung auf mehr als zwei geförderte Rassen werde sich daran wohl wenig ändern, sagte Dalbert. Grund dürfte vor allem sein, dass die Landwirte zwar Geld für die Anschaffung der Hunde bekommen, den Unterhalt der Tiere müssen sie aber allein zahlen.

Claudia Dalbert
Will sich für mehr Unterhalt von Herdenschutzhunden einsetzen: Umweltministerin Claudia Dalbert. Bildrechte: IMAGO

Nach dem Willen Dalberts soll sich das ändern – allerdings erst in einigen Jahren, wenn 2021 die neue Förderperiode der EU beginnt. "Als Land können wir natürlich nicht Hundefutter oder Tierarztbesuche fördern", sagte die Ministerin. Sie könne sich aber einen Aufschlag für Landwirte vorstellen, die Hunde zum Schutz ihrer Herden einsetzen. "Da müssen wir ran, das ist völlig klar."

Das gilt aus Sicht der Grünen-Politikerin auch mit Blick auf die Zäune. Die funktionieren nur dann gut, wenn sie regelmäßig freigeschnitten werden, damit der Stromfluss sichergestellt ist. Die EU-Regeln erlaubten es dem Land bislang nicht, dafür Fördergeld zu zahlen, sagte Dalbert. Sie werde sich für Änderungen  in der nächsten Förderperiode einsetzen.

Hunderte tote Tiere durch Wolfsangriffe

Die Ausbreitung des Wolfs wird immer wieder emotional diskutiert, weil regelmäßig Nutztiere angegriffen werden. 2018 wurden nach vorläufigen Zahlen 52 Übergriffe gezählt, denen 170 Tiere zum Opfer fielen. Im Jahr 2017 weist die Statistik 72 Angriffe und 193 getötete Tiere aus.

Laut Monitoring-Bericht für das Wolfsjahr 2017/2018 sind derzeit 92 Wölfe in Sachsen-Anhalt unterwegs, ein Jahr zuvor waren es 85 Tiere. Sie leben in elf Rudeln. Dazu kommen ein grenzüberschreitendes Rudel, das auch in Brandenburg lebt, sowie zwei Wolfspaare, die ebenso über Landesgrenzen hinweg in Niedersachsen und Sachsen unterwegs sind.

Landesbauernverband kritisiert Wolfsbestand

Zuletzt hatte der Bauernverbandes Sachsen-Anhalt gefordert, dass der Wolfsbestand stark eingeschränkt werden muss. Präsident Olaf Feuerborn sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das Territorium in Deutschland sei für den Wolf viel zu klein. Er gehöre in die freie Natur, wo es abgeschieden sei. 92 Tiere in Sachsen-Anhalt seien viel zu viel, 20 würden reichen. Die Wölfe müssten sich in Gebieten aufhalten können, wo sie Menschen, Haustieren und Tierhaltern nicht zu nahe kommen.

Quelle: MDR/agz, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. Januar 2019 | 13:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

9 Kommentare

05.01.2019 18:01 Leser 9

@7. So hat eben jeder seine Meinung. Werde auch auf Staatskosten einen Hütehund beantragen, falls mal Einbrecher kommen. Nehmen ist besser als Geben.

05.01.2019 15:43 Ekkehard Kohfeld 8

@ Leser 6 Hier gilt offenbar nicht: Eigentum verpflichtet. Jeder Schäfer muss seine Hütehunde, meist Schäferhunde, auch selbst bezahlen.##

Ach ja wenn ich ihnen die Haustür eintrete sind sie auch selber schuld,sie hätten ja eine aus Stahl statt aus Holz einbauen können,was für eine verdrehte Logik.Irgend wo gibt es da auch eine Grenze was man alles selber tun muß.

05.01.2019 15:39 Ekkehard Kohfeld 7

@ Leser 6 Hier gilt offenbar nicht: Eigentum verpflichtet. Jeder Schäfer muss seine Hütehunde, meist Schäferhunde, auch selbst bezahlen. Wofür kommt denn dieser Staat noch alles auf? Und ja : Wölfe abschießen. Die Menschheit wird immer bekloppter. Schießen ist in Mode gekommen.#
Ach schießen ist was neues?
---
Der Wolf erfüllt sowohl auf globaler wie auch europ.
Ebene nicht einmal annähernd eines der Kriterien einer bedrohten Art.
Den sog. günstigen Erhaltungszustand für derart mobile
Arten schätzt man inzw. auf 250 Tiere und dieser ist bei
der deutsch-polnisch-baltischen Population mit vielen
Tausend Tieren seit Jahren übererfüllt. Der aktuelle
Schutzstatus mit Anhang 4 der FFH-Richtlinie hat keine
reale Grundlage und muss geändert werden. Ansonsten wird
die Vermischung mit Hunden in den europ.
Ländern die Art Wolf auf längere Sicht für immer genetisch
zerstören. Die Forensiker können schon jetzt nur schwer Unterschiede finden (Quelle: Bundestagsanhörung 2018)

Mehr aus Sachsen-Anhalt