Macher der "Wolfszone" Friedrich Noltenius – der "Wolfsversteher" und Blogger

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Friedrich Noltenius beschäftigt sich schon lange mit dem Wolf. 1997 hat er nach eigenen Worten zum ersten Mal Spuren einzelner Wölfe in seinem Jagdrevier in Sachsen entdeckt. Viele Jahre später macht er als Blogger von sich reden, der sich besonders um den Schutz der Weidetiere sorgt – und offizielle Zahlen des Wolfsbestands für zu alt und unvollständig hält.

So richtig einig werden die, die Friedrich Noltenius kennen, sich nicht. "Manche", erzählt er, "finden meine Positionen zum Wolf zu lasch. Andere bezeichnen mich als Wolfshasser." Mit beidem kann er nicht wirklich etwas anfangen. "Ich sehe mich als Wolfsversteher", sagt Noltenius und schmunzelt.

Noltenius ist Jäger, außerdem Wildtierbeauftragter in Sachsen. Und er ist Blogger. Sechs Jahre ist es nun her, dass er die Wolfszone ins Leben gerufen hat – eine Website, auf der der Besucher unter anderem eine Wolfskarte findet. Auf der interaktiven Deutschlandkarte sind Wolfssichtungen, Nutztierrisse und das Lebensumfeld nachgewiesener Wolfsrudel zu sehen – einerseits selbst gesammelt, andererseits auf Basis von Medienveröffentlichungen oder Hinweisen von Jägern. Das Ergebnis: Die Karte wimmelt nur so von kleinen, bunten Kreisen. Jeder Kreis steht für eine Sichtung. Ein Rudel. Oder einen Riss.

Zahlen zum Wolfsbestand "zu alt"

Friedrich Noltenius mit Hund vor Wand aus Holzscheiden
Friedrich Noltenius bloggt auf seiner Seite Wolfszone.de Bildrechte: Friedrich Noltenius

"Wolf und Naturschutz aus anderer Sicht" steht auf der Seite. Und dass die "Wolfszone" ein unabhängiges Informationsangebot sei. Friedrich Noltenius hat sich mit seiner Seite von dem abgesetzt, was Behörden veröffentlichen. Die sogenannten Monitoringberichte, wie sie auch in Sachsen-Anhalt einmal pro Jahr veröffentlicht werden, hält Noltenius schlicht für zu alt. "Wir werden regelmäßig mit Zahlen konfrontiert, die zwei Jahre alt sind."

Was das bedeutet? Noltenius sagt: "Wenn wir uns die Zahlen ansehen, die vom Bundesamt für Naturschutz im November für das vorangegangene Monitoringjahr 2017/2018 herausgegeben werden, dann zeigen die die Bestände des Sommers 2017." Im Frühjahr und im Sommer aber vermehre sich der Wolf. Nur, so Noltenius: "Im letzten Drittel des Monitoringjahres von Januar bis April werden nur die Wölfe dazu gezählt, die beim Monitoring festgestellt werden. Diese Wölfe haben aber bereits im Mai und Juni in Deutschland gelebt und den Lebensraum beansprucht." Will sagen: Die herausgegebenen Zahlen sind nach Meinung von Friedrich Noltenius nicht vollständig. "Mit solchen Kalkulationen kann man nicht arbeiten. Das geht nicht."

Wer sich mit Friedrich Noltenius unterhält, hört einem Mann zu, der allem Ärger zum Trotz unaufgeregt über das spricht, was ihn antreibt – und wo er dringenden Handlungsbedarf sieht. Die Diskussion über den Umgang mit dem Wolf wird schnell emotional. Das weiß auch Noltenius, der aber der Meinung ist, dass das nichts bringt. Eine Versachlichung der Debatte wird immer wieder gefordert. Noltenius hält das für den richtigen Weg.

Nachts mit Kindern in den Wald? Jetzt nicht mehr.

Und trotzdem ist er besorgt darüber, wie in Deutschland mit dem Wolf umgegangen wird. Als Noltenius noch Jäger in seinem Revier am westlichen Rand der Königsbrücker Heide war, da war er oft mit Hortkindern im Wald unterwegs. Noltenius bot Nachtwanderungen an, entlang des Naturschutzgebiets. Auf diese Idee würde er heute nicht mehr kommen, sagt er. "Diese Verantwortung würde ich nicht mehr übernehmen – in dem Wissen, dass das ansässige Wolfsrudel Futter für die Welpen sucht."

Es waren all die Bedenken, die Friedrich Noltenius 2013 dazu bewegt haben, Blogger zu werden und die "Wolfszone" online zu stellen. Und das offenbar mit Erfolg: Allein die Wolfskarte wurde nach Angaben des Gründers in den vergangenen Jahren mehr als 70.000 Mal angesehen. Mit seinen kritischen Gedanken, so viel ist sechs Jahre später klar, ist Friedrich Noltenius also nicht allein.

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Luca Deutschländer arbeitet seit Januar 2016 bei MDR SACHSEN-ANHALT – in der Online-Redaktion und im Hörfunk. Seine Schwerpunkte sind Themen aus Politik und Gesellschaft. Bevor er zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat der gebürtige Hesse bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine in Kassel gearbeitet. Während des Journalistik-Studiums in Magdeburg Praktika bei dpa, Hessischem Rundfunk, Süddeutsche.de und dem Kindermagazin "Dein Spiegel". Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Schleinufer in Magdeburg und der Saaleradweg – besonders rund um Naumburg. In seiner Freizeit steht er mit Leidenschaft auf der Theaterbühne.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | FAKT IST! aus Magdeburg | 29. April 2019 | 22:05 Uhr

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