Schutz vor Wölfen Keine Anträge auf Herdenschutzhunde

In Sachsen-Anhalt gibt es immer wieder Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere. Das Umweltministerium will gegensteuern und an die Schäfer Geld für Herdenschutzhunde vergeben. Doch die Anträge bleiben aus.

Ein Herdenschutzhund der Rasse Pyrenäenberghund sitzt auf einer Wiese und passt auf eine Schafherde auf
Bildrechte: dpa

Ein ambitioniertes Förderprogramm zum Schutz vor Wölfen stößt in Sachsen-Anhalt momentan nicht auf Resonanz. Das Umweltministerium erklärte auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, dass bisher kein einziger Antrag zur Förderung eines Herdenschutzhundes eingereicht wurde. Gründe für das Desinteresse sind noch nicht bekannt. Das Ministerium hat aber inzwischen die Antragsfrist bis Ende September 2017 verlängert.

Im April 2017 war das Projekt mit großem Tamtam gestartet worden. Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) hatte die Kampagne in Gang gesetzt. "Wir fördern nicht mehr nur Zäune und Gehege, sondern auch Helfer auf vier Pfoten, die den nötigen Schutz bieten. Ich habe große Erwartungen in die Herdenschutzhunde", sagte die Ministerin damals in einem MDR-Interview.

Abwehr von Wölfen und Bären

Zu den zertifizierten Hunderassen gehören der "Pyrenäen-Berghund" oder der "Maremmano-Abruzzese" – das sind Hunde, die in anderen Ländern erfolgreich eingesetzt werden, um Wölfe, aber auch Bären zu vertreiben. In Skandinavien aber auch in Italien und in Spanien werden die nerven-und kampfstarken Tiere schon lange auf Raubtiere losgelassen. Die Kosten für die Anschaffung dieser ausgebildeten Herdenschutzhunde werden in Sachsen-Anhalt zu 80 Prozent vom Land getragen. Sie liegen nach MDR-Recherchen bei 1.000 Euro für einen Welpen und bis zu 5.000 Euro für einen ausgebildeten Hund.

Warum es derzeit in Sachsen-Anhalt keinerlei Resonanz auf das Angebot gibt, Herdenschutzhunde gefördert zu bekommen, ist für die Mitarbeiter im Umweltministerium noch ein Rätsel. Besitzer von Schaf-oder Ziegenherden hatten immer beklagt, dass sich Wölfe von Zäunen nicht aufhalten lassen, wenn sie Beute wittern. Deshalb war eigentlich mit einer großen Nachfrage nach den Schutzhunden gerechnet worden.

Zu komplizierte Antragstellung?

Allerdings könnte die Zurückhaltung mit der aufwendigen wie komplizierten Antragstellung zu tun haben. Nach Ansicht des freiberuflichen Hundeausbilders Frank Möbius aus Bad Schmiedeberg ist das Regelwerk vorbildlich aber eben auch anspruchsvoll.

Wer Herdenschutzhunde gefördert haben möchte, bekommt sie nur im Doppelpack, da die Hunde im Team arbeiten sollen: Zwei Hunde bedeuten aber doppelt so hohe Kosten. Außerdem muss der Antragsteller mindestens 100 Schafe oder Ziegen besitzen, das Gelände muss eingezäunt sein und er muss eine Schulung absolvieren. Dieser doch erhebliche Aufwand scheint abzuschrecken.

Politischer Streit um den Wolf

Seit ungefähr zehn Jahren leben wieder Wölfe in Sachsen-Anhalt. Nach vermehrten Übergriffen auf Nutztiere gibt es auch politischen Streit um die Frage, ob der Wolf gejagt werden darf.

Die Leitlinie des grünen Umweltministeriums sieht vor, Tiere mit "kritischem" Verhalten zum Abschuss freizugeben. Damit sind Wölfe gemeint, die aggressiv auf Menschen und Hunde reagieren oder vermehrt Nutztiere angegriffen haben. Die Jäger fordern dagegen einfachere Entscheidungs-Richtlinien für den Umgang mit verhaltensauffälligen Tieren.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19.07.2017 | 5:00 Uhr

Quelle: MDR/as

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19 Kommentare

21.07.2017 08:02 Rotkäppchen 19

Also ich habe Angst noch alleine durch den Wald zu Oma zu gehen. Wo ist der Held der mich vor dem bösen Wolf in Schutz nimmt?

20.07.2017 22:32 Chris 18

Ein weiterer Aspekt, der die Schäfer abhalten könnte, diese exorbitant teuren Hunde fördern zu lassen, ist der, dass die de minimis-Regelung für Fördergelder auf 15.000,- in drei Jahren beschränkt ist - bei einem erwachsenen HSH und einem Welpen, sind davon schon 6.000,- auf einen Schlag weg.

Dass die Förderung nicht angenommen wird, heisst nicht, dass die Schäfer keine HSH einsetzen. Aber auch andere Züchter haben gute Hunde, zu einem normalen Preis.

20.07.2017 16:15 leachmipo 17

"Wer Herdenschutzhunde gefördert haben möchte, bekommt sie nur im Doppelpack Außerdem muss der Antragsteller mindestens 100 Schafe oder Ziegen besitzen, das Gelände muss eingezäunt sein und er muss eine Schulung absolvieren. " - mal ein richtig vernünftiger Beschluss. Als langjähriger HSH-HALTER KANN ICH SO ETWAS NUR BEGRÜSSEN. Diese ganze Jammerei wg des Wolfes ist doch hanebüchen. Mensch muss halt wieder lernen mit Tieren anständig um zu gehen - es wird niemals eine WOLFS-vertreibe-App geben. ......

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