Ein Jahr Hängebrücke "Titan RT" Wer profitiert eigentlich alles?

Stefan und Maik Berke haben die Hängebrücke "Titan RT" an der Rappbodetalsperre erschaffen und betreiben sie seit fast einem Jahr. Natürlich sind sie mit den "Harzdrenalin"-Angeboten auf der Brücke, wie dem Gigaswing, die Hauptprofiteure. Es gibt aber auch einige andere Akteure, die ebenfalls einen positiven Nutzen haben.

eine Grafik: Stadt Oberharz am Brocken
Die Region und die Stadt Oberharz am Brocken profitieren von der Hängebrücke. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass andere von ihrer Brücke profitieren, wissen die Betreiber und freuen sich darüber, wie Stefan Berke, einer der beiden Inhaber, erklärt: "Wir hören sehr viel, dass es drumherum, ob es Hoteliers, Gaststätten und so weiter sind, dass die davon profitieren. Das freut uns. Schlimmer wäre es, wenn sie sagen würden, das ist blöd, dass ihr das aufgemacht habt. Die engste Region hier hat einen riesigen Vorteil davon – und wir auch von der Region."

Diesen regionalen Vorteil hat beispielsweise die Stadt Oberharz am Brocken, da sich dort die Brücke befindet. "Durch das Marketing der Berke-Brüder mit dem Name "Stadt Oberharz" als Örtlichkeit, rückt diese in das Bewusstsein der Menschen", sagt ihr Bürgermeister Frank Damsch. Außerdem verweist er auf die ansteigende Zahl der Tagestouristen, die sich seit Eröffnung der Brücke um einen zweistelligen Prozentsatz erhöht hat. 2016 waren laut der Statistik der Stadt 82.147 Tagestouristen vor Ort, 2017 gab es einen Anstieg von 12 Prozent auf 92.008 Personen. "Das liegt neben der hohen Attraktivität der Tagesausflugsziele, wie PullmanCity in Hasselfelde, Tropfsteinhöhle in Rübeland und der Hängebrücke an der Rappbodetalsperre, auch an der geänderten Vermarktungsstrategie für die Tourismusregion Oberharz am Brocken", sagt Markus Mende vom Tourismusbetrieb der Stadt.

Attraktionen und Bekanntheit der Region

Nicht alle Besucher lassen sich auf die Hängebrücke zurückführen. Da besonders Tagestouristen mehrere Ziele ansteuern, profitieren alle Attraktionen der Region vom Anstieg. "Nicht nur die Beherbergungsbetriebe in unmittelbarer Nähe profitieren, sondern die Gäste sind im ganzen Harz unterwegs. Die Brücke ist eine Sehenswürdigkeit mit großer Ausstrahlungskraft für den gesamten Einzugsbereich", sagt Carola Schmidt, Geschäftsführerin vom Harzer Tourismusverband.

Die Brücke trägt beispielsweise auch zur deutschlandweiten Bekanntheit der Region bei: "Da wir den Harz nach außen vermarkten, sind wir auf Messen, wie auf der ITB Berlin vor kurzem oder in Leipzig. Da wurden wir auch erst wieder auf die lange Hängebrücke angesprochen", sagt Schmidt. Betreiber Stefan Berke erweitert die Dimension: "Wir haben letztes Jahr Umfragen gestartet. Wir sind auf über 70 Nationen gekommen, die uns letztes Jahr besucht haben. Amerika, Brasilien, Polen, Russland, Asien – aus allen Regionen, kamen viele Leute sogar."

Busunternehmen und Gastronomen

Neben den Übernachtungsunterkünften und den Attraktionen profitieren beispielsweise auch die Harzer Verkehrsbetriebe (HVB). Die Parkplatz-Situation bei der Brücke ist derzeit nicht optimal, weshalb viele Besucher auf die öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen sind. Die HVB-Linie 265 hält bei der Station "Talsperre Rübeland" – direkt bei der Brücke. In dem Jahr vor der Eröffnung der "Titan RT" fuhren 1.942 Personen damit. Danach waren es bis März 2018 bereits 7.527. Das sind fast viermal mehr Fahrgäste, als ohne die Hängebrücke. Entweder werden die HVB oder ein anderes Busunternehmen zukünftig zusätzlich mitprofitieren, da die Betreiber in Verhandlungen für Shuttle-Busse sind, um die Parkplatz-Problematik zu lösen.

Außerdem planen die Berke-Brüder die Gastronomie an der Brücke zu erweitern. Bisher wird dort in extra Buden Gegrilltes verkauft, auch das Unternehmen CoffeeBike steht mit einem ihrer Fahrräder direkt neben der Brücke und bietet Kaffee an. "Uns ist sehr daran gelegen, hier eine gehobene Gastronomie anzubieten, wo man auch abends einkehren kann. Da sind wir dran. Wir werden selber aber keine Gastronomie betreiben", erklärt Stefan Berke. So wird auch hier ein weiterer Betreiber gesucht, der zukünftig von der Brücke profitieren kann.

Privatleute: Gegen Angst und für die Liebe

Auch Privatleute machen sich die neue Brücke zu nutzen: So gab es laut Berke dort bereits erste Heiratsanträge und Personen, die gefragt haben, ob sie eine Dauerkarte für die Brücke bekommen können, um ihre Höhenangst zu bekämpfen. "Tatsächlich erleben wir Leute, die das richtig als Training nutzen. Dann gehen sie ein Stück, dann wieder zurück. Dann wieder ein weiteres Stück. Dann verbringen sie eine Stunde auf der Brücke", beschreibt Stefan Berke.

Außerdem waren Studierende der Tourismusstudiengänge der Hochschule Harz vor Ort. "Die haben tolle Analysen für uns gemacht und natürlich auch die Leute gefragt, was wünscht ihr euch in Zukunft und so weiter. Da können wir sehr gut mit arbeiten", sagt er und fügt zu seinem Beobachten hinzu: "Im Sommer könnte man eigentlich den ganzen Tag auf der Brücke sein und man würde sich nicht einmal langweilen."

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01.05.2018 | 19:00 Uhr
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Quelle: MDR/jd

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