Vier Monate nach Anschlag Neuer Angriff auf Kiez-Döner in Halle?

Der Kiez-Döner in Halle, in dem beim Anschlag im Oktober ein Mann getötet wurde, stand monatelang im Blickpunkt. Nach der Sanierung sollte Ruhe einkehren. Doch nun wurde ein neues Loch in der Scheibe entdeckt. Weil in letzter Zeit an mehreren Gebäuden in der halleschen Innenstadt Löcher gefunden wurden, hat die Polizei eine Ermittlungsgruppe gegründet.

Kriminaltechniker der Polizei sichern Spuren an einer Fensterscheibe
Ein Polizist untersucht das neue Loch an der Scheibe des Kiez-Döners. Bildrechte: dpa

Gut vier Monate nach dem Anschlag von Halle ist an der Scheibe des Kiez-Döners – einem Imbiss, der damals angegriffen wurde – ein neues Loch entdeckt worden. Ob es sich um ein Einschussloch handelt, muss noch geklärt werden. Die Polizei bestätigte diese Vermutung am Mittwoch zunächst nicht. Ein Projektil wurde nach Angaben eines Sprechers nicht gefunden. Das Loch wurde demnach schon vor zwei Wochen festgestellt. Es sei allerdings erst jetzt angezeigt worden. Den Angaben zufolge wird zunächst wegen Sachbeschädigung ermittelt.

Über das Loch hatte zunächst die Mitteldeutsche Zeitung berichtet. Der frühere Besitzer des Ladens, Izzet Cagac, forderte bei Facebook eine Lockerung des Datenschutzes, damit am Laden eine Überwachungskamera angebracht werden könne.

Einstiger Laden-Inhaber fordert bessere Überwachung 

Beschädigte Scheibe eines Imbisses.
Die beschädigte Scheibe des Kiezdöners. Bildrechte: dpa

Der Kiez-Döner war am 9. Oktober in der Nähe der halleschen Synagoge zum Tatort geworden. Der Täter beschoss den Laden und tötete einen Gast, nachdem er nicht in die Synagoge eindringen konnte und bereits eine Passantin erschossen hatte. In der Folge wurde der Laden saniert und umgestaltet. Inhaber Cagac schenkte den Imbiss anschließend seinen Mitarbeitern, die den Anschlag aus nächster Nähe miterlebt hatten.

Der 27 Jahre alte Tatverdächtige des Anschlags sitzt in Untersuchungshaft, eine Anklage wird zeitnah erwartet.

Polizei gründet Ermittlungsgruppe

Seit Mitte Januar sind in Halle mehrfach vermeintliche Einschusslöcher an Gebäuden entdeckt worden. So zum Beispiel am Büro des Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby oder am Justizzentrum. Insgesamt liegen der Polizei bisher Anzeigen zu neun verschiedenen Tatorten vor. Was die Motivation des Täters sein könnte, sei bisher nicht bekannt. Die Auswertung der Spuren sei noch nicht abgeschlossen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen geht die Polizei aber davon aus, dass keine scharfe Schusswaffe genutzt wurde. Das Aussehen der Einschusslöcher lasse diesen Rückschluss zu. Zudem sei an keinem Tatort ein Projektil gefunden worden, das von einer Schusswaffe stammen könnte. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe gegründet, um die Taten aufzuklären.

Quelle: dpa, MDR/olei,kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Februar 2020 | 16:30 Uhr

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