Serie über digitale Einzelkämpfer Martin Menz: Aus dem Kinderzimmer zum "Online-König" von Halle

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Geld verdienen mit dem Internet – das klang früher oft wahnwitzig und unglaubwürdig. Aber mittlerweile mischen auch Sachsen-Anhalter dabei mit. MDR SACHSEN-ANHALT stellt drei von ihnen vor. Martin Menz hat von seinem Kinderzimmer aus einen erfolgreichen Online-Handel aufgebaut. Teil 2 unserer Reihe über digitale Einzelkämpfer.

Ein Mann mit weißem Shirt steht vor einer grauen Betonwand und lächelt in die Kamera.
In Halle hat Martin Menz einen riesigen Online-Handel mit 240 Mitarbeitern aufgebaut. Bildrechte: MDR/Marcel Roth

"Nein, ich bin kein Millionär. Und das ist auch nicht mehr wichtig." Vor 13 Jahren hätte Martin Menz das wohl noch anders gesehen. Seinen Eltern verkündete er damals sein Lebensziel: Millionär werden. Heute sagt er: "Mehr Geld erfüllt mich nicht. Ich kann mir alle meine Wünsche leisten. Aber danach kommt nicht mehr Glück durch mehr Geld."

Martin Menz wird auch schon mal "Halles Online-König" genannt. Er ist Inhaber der Relaxdays GmbH, einem Unternehmen mit 240 Mitarbeitern. Von Halle aus verkauft es europaweit Produkte aus dem Haus-, Garten- und Freizeitbereich. Von Gartenstühlen und Lampen bis zu Sektkühlern und Wäschekörben. Relaxdays verkauft sowohl direkt an Konsumenten, beliefert aber auch andere Unternehmen, macht 2019 um die 50 Millionen Euro Umsatz und ist in den vergangenen Jahren jeweils um 50 Prozent gewachsen. "Es kann gut sein, dass wir in ähnlichem Tempo weiter skalieren", sagt Martin.

Mit einem Kopfmassagegerät fing alles an

Angefangen hat alles in Martins Kinderzimmer – auch wenn er das nicht so gern hört: "Jugendzimmer klingt besser, aber am Ende war es natürlich das Kinderzimmer", sagt er und grinst. Vom Kinderzimmer aus verkauft er Sachen bei eBay. Er überzeugt sogar seinen Bruder, ihm 2.000 Euro zu leihen. Den ersten Erfolg hat Martin bei eBay mit einem Kopfmassagegerät. Manche nennen es auch Kopfkrake, ein schneebesenartiges Gestänge, das ein wohliges Gefühl auf Kopf und Nacken erzeugt. Bei Martin erzeugt das Kopfmassagegerät vor allem die Begeisterung für den Onlinehandel: "Es gab nur zwei andere Händler, die das damals in Deutschland verkauft haben. Das ging total ab." Auch eine große Versicherung orderte bei ihm mehrere hundert Stück als Werbegeschenke. Noch heute kann man sie bei Relaxdays kaufen.

Über Martin Menz Martin Menz ist 1985 in Halle geboren, macht sein Abitur und beginnt nach dem Zivildienst dort ein BWL-Studium. Noch als Schüler verkauft er von Zuhause aus Produkte bei eBay. Das erste Produkt ist ein Kopfmassagegerät – der Grundstein von Relaxdays. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 240 Mitarbeiter, macht 2019 einen Umsatz von 50 Millionen Euro und ist in den vergangenen drei Jahren um 50 Prozent gewachsen. Relaxdays führt 5000 Produkte, hat mehr als drei Millionen Kunden und verschickt bis zu 10.000 Pakete pro Tag.

Seinen Zivildienst macht Martin in der Küche eines Altenheimes, fängt mit 20 Jahren ein BWL-Studium an der Martin-Luther-Universität an, aber sein Geld verdient er mit dem Onlinehandel. "Das war auch Stress, ich musste mich immer nach neuen Produkten umschauen, habe auch Fehler gemacht, aber am Ende ist es immer gut gegangen." Walking-Stöcke sind ein weiterer Renner und bald ist auch seine Mutter – eine Grundschullehrerin – überzeugt und Martin lässt das Studium sausen.

Investitionen in die Weiterbildung seiner Mitarbeiter

2006 gründet er die Relaxdays GmbH in Halle. Später stellt er erste Mitarbeiter ein, nicht immer ohne Probleme: "Der erste Mitarbeiter wollte 1.200 Euro für 40 Stunden. Das klang gut, aber am Ende habe ich doch alles Wichtige selbst gemacht." Heute, sagt Martin, investiert er unbegrenzt in die Weiterbildung und Schulung seiner Mitarbeiter. So habe sich Relaxdays ein Know-how aufgebaut: "Wir haben unsere Lagerverwaltungssoftware selbst programmiert und beschäftigen 40 Software-Entwickler." Vor kurzem habe man in Dresden ein Büro eröffnet, das ausschließlich Software für den Webshop entwickelt. "Standardsoftware erfüllt bei uns schon lange nicht mehr den Zweck. Wir programmieren die wichtigen Dinge selber, sodass sie sitzen wie ein Maßanzug."

In nur 13 Jahren ist Martin vom eBay-Verkäufer zum größten Online-Händler Sachsen-Anhalts geworden, hat neben dem 14.000 Quadratmeter großen Hauptsitz noch Lager in Könnern und Queis (insgesamt 45.000 Quadratmeter). Trotzdem sieht er sich nach wie vor als digitaler Einzelkämpfer. Nicht, weil er allein eine Firma leitet, sondern weil er mit dieser Art Firma in Sachsen-Anhalt allein ist. "Ich habe niemanden, mit dem ich mich auf Augenhöhe austauschen kann. Es fehlen weitere Erfolgsbeispiele die in unserer Liga oder darüber spielen. Nur so finde auch ich Austausch und Reibung." Auch das schnelle Wachstum wirft Fragen auf. Fragen, über die sich ein einzelner Selbständiger keine Gedanken machen muss. Zumal viele Selbständige auch scheuen, eine eigene Firma zu gründen, Büros anzumieten und Personalverantwortung zu übernehmen. Aber da ist Martin ein Macher: "„Es hätte immer gegen den Baum gehen können. Und logisch, ich bin viel Risiko eingegangen, aber ohne Mut wären viele Dinge heute nicht da wo sie sind."

Ich habe niemanden, mit dem ich mich auf Augenhöhe austauschen kann. Es fehlen weitere Erfolgsbeispiele die in unserer Liga oder darüber spielen. Nur so finde auch ich Austausch und Reibung.

Martin Menz

2011, Relaxdays hat damals fast 50 Mitarbeiter, importiert Martin zum ersten Mal Ware selbst – ein Riesenschritt. Seit Jahren kommen täglich mehr Container aus Asien bei Relaxdays an. Bis zu zehntausend Pakete verschickt die Firma jeden Tag. "Wir geben unsere Produkte weltweit, vor allem in Asien in Produktion, diese werden exklusiv für uns angefertigt und geliefert." Und Relaxdays verkauft sie weiter. Etwa 50 Prozent des Umsatzes machen Verkäufe an Endkunden aus, 50 Prozent kommt durch Verkäufe an andere Händler zustande, zum Beispiel Karstadt oder Wayfair.

Wie beim Fußball: Ordnung in die Dynamik bringen

Wenn Martin nicht mit Kumpels Fußball spielt oder in den Bergen wandert, macht er sich Gedanken über die Zukunft. Nicht nur die von Relaxdays: "Wir müssen viel mutiger werden in Deutschland. Wer heute den Wohlstand einer Firma oder eines Landes sichern will, kann das nicht machen, indem alles bleibt wie es ist." Um sich für die Zukunft zu wappnen, sei eine der wichtigsten Fragen für ihn heute, warum die Gesellschaft Relaxdays noch in zehn bis zwanzig Jahren brauche. Man müsse – wie beim Fußball – Ordnung in die Dynamik bringen, sagt Martin. Und man müsse auch Fehler zulassen. "Auch bei mir sind nur acht von zehn Entscheidungen richtig. Aber alles richtig zu machen, gibt es nicht."

Seine Entscheidungen haben sich bislang ausgezahlt: Relaxdays wächst schneller als der Wettbewerb und könnte jährlich 100 Mitarbeiter einstellen.

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir. Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

Mehr zum Thema

Digital leben, Digitalpodcast Logo
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Podcast | Digitalisierung in Sachsen-Anhalt Digital leben

Digital leben

27 Audios

Audios

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. August 2019 | 13:40 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/037df2e3-5e0e-410c-9385-5733a465a5c2 was not found on this server.

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt