Viele Infektionen in Pflegeheim Coronavirus: Jessen und Schweinitz unter Quarantäne

Wegen vieler Infektionen mit dem Coronavirus stehen Jessen und Schweinitz nun unter Quarantäne. Zufahrten wurden abgeriegelt, die Orte dürfen nicht verlassen werden. Was das für die rund 8.000 Anwohner bedeutet.

Ein Polizeifahrzeug steht hinter einer Straßensperrung.
Jessen und Schweinitz stehen ab sofort unter Quarantäne. Alle Zufahrten werden am Donnerstagmorgen abgeriegelt. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/André Damm

Weil die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus besonders hoch ist, stehen zwei Ortsteile der Stadt Jessen (Elster) seit Donnerstagmorgen unter Quarantäne: Jessen und Schweinitz. Der Landrat des Landkreises Wittenberg hat eine Allgemeinverfügung zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 erlassen, teilte ein Sprecher des Kreises am Mittwochabend mit.

Um die Verordnung durchzusetzen, kontrollieren Feuerwehrleute und Polizisten seit Donnerstagmorgen die Zufahrtsstraßen. Insgesamt seien etwa 100 Einsatzkräfte vor Ort, hieß es vom Kreis. Der Landkreis Wittenberg hat ein Infotelefon für Anwohner geschaltet, das unter 03491 479 479 erreichbar ist.

Was Anwohner noch dürfen – und was nicht

Laut Allgemeinverfügung des Landkreises Wittenberg dürfen sich Menschen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Jessen und Schweinitz nur noch in ihrer Wohnung bzw. auf ihrem Grundstück aufhalten. Wer sich mit Lebensmitteln eindecken muss, darf das "auf kürzestem Wege" tun – allerdings nur, wenn keine Erkältungssymptome bestehen. Im Anschluss an den Einkauf verlangt der Landkreis, dass Anwohner sich wieder in Quarantäne begeben.

Weitere Regeln im Überblick:

  • Wer innerhalb der vergangenen 14 Tage in Jessen oder Schweinitz war und dort seinen Haupt- oder Nebenwohnsitz war, muss sich in häusliche Quarantäne begeben. Wer Erkältungssymptome aufweist, muss sich "unverzüglich" telefonisch beim Hausarzt oder beim kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 melden.
  • Alle Menschen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz sind verpflichtet, den direkten Kontakt mit anderen Personen einzustellen. Der Kontakt mit Menschen, die im Haus leben, ist demnach auf "das absolut notwendige Minimum" zu reduzieren.

Krisenstab einigt sich in Jessen auf Virustests

Ein Krisenstab berät am Donnerstag in Wittenberg die Maßnahmen und die medizinische Lage in Jessen und Schweinitz. Demnach sollen sich die Einwohner von Jessen jetzt vor Ort auf das Corona-Virus testen lassen können. In der Stadt soll es ein Zentrum geben, in dem Abstriche genommen werden können. Zudem wird die Stadt Unterstützung von Experten des Robert-Koch-Institutes bekommen

Zum Krisenstab gehören unter anderem Jessens Bürgermeister Michael Jahn, Landrat Jürgen Dannenberg sowie Vertreter der Polizei und Ärzte. Nach bisherigen Erkenntnissen habe sich laut Landkreis-Sprecher Ronald Gauert jemand bei einer Reise in Österreich mit dem Virus infiziert.

Infektionen in einem Pflegeheim haben sich gehäuft

Seit Donnerstag, 7 Uhr, sind die Stadtteile gesperrt. Personen ist nach Angaben des Landkreises der Zutritt oder die Zufahrt nur gestattet, wenn sie dort ihren Haupt- oder Nebenwohnsitz haben und sich "unverzüglich" in die häusliche Quarantäne begeben. "Das Haus verlassen darf man, um sich auf kürzestem Wege etwas zu Essen zu holen oder in die Apotheke zu gehen", sagte der Sprecher des Landkreises.

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.
In einem Pflegeheim ist die Zahl der Infizierten seit Wochenbeginn stark gestiegen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Anlass für die Verfügung sei die kritische Entwicklung in einem Pflegeheim gewesen. Seit Anfang der Woche seien elf Bewohner und fünf Mitarbeiter des Seniorenheims positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Drei infizierte Bewohner mussten demnach ins Krankenhaus.

Zufahrten seit Donnerstagmorgen gesperrt

Die Ortsteile Jessen und Schweinitz sind seit Donnerstagmorgen, 7 Uhr, abgeriegelt. Das gilt laut Landkreis Wittenberg für folgende Aus- und Zufahrten:

  • B 187 außerhalb der Ortschaft Jessen, ab Jessen Ortslage bis Ortslage Schweinitz (Abzweig Mönchenhöfe)
  • L37 aus Richtung Seyda kommend vor OL Jessen
  • L 113 ab Abzweig Klossa - OL Schweinitz bis Abzweig Lindwerder
  • L 114 OT Grabo vor Brücke in Richtung Jessen
  • L 116 ab Abzweig Gertrudshof in Richtung Jessen
  • K 2221 aus Richtung Kleinkorga kommend nach Einfahrt Kommunalentsorgung in Richtung Schweinitz
  • K 2230 ab Ortsausgang Gerbisbach Abzweig Gertrudshof in Richtung Jessen
  • K 2235 nach Ortsausgang Arnsdorf in Richtung Jessen

In den beiden Stadtteilen gebe es insgesamt 41 Corona-Infizierte – das ist die Mehrzahl der insgesamt 53 Fälle im Landkreis Wittenberg. In dem Pflegeheim sei die Krankheit Covid-19 Anfang der Woche bei einem Bewohner mehr oder weniger zufällig festgestellt worden, als er aus einem anderen Grund in ein Krankenhaus gebracht wurde, hieß es.

Ausnahmen von der Quarantäne Von der Quarantäne ausgenommen sind nach Angaben des Landkreises Mitarbeiter der medizinischen Pflege, Rettungsdienste sowie der Bayerischen Milchindustrie, MEG Jessen, Jütro Tiefkühlkost, Feintool System Parts, Jessener Personennahverkehrsgesellschaft und des Bleck- und Technologiezentrums Linda.

Patienten in stabilem Zustand

Als der Test bei dem Senioren positiv ausfiel, wurden seine Kontaktpersonen in der Belegschaft und unter den Bewohnern ebenfalls getestet.

Nicht bei allen Bewohnern gebe es einen so schweren Verlauf wie bei den drei im Krankenhaus aufgenommenen Senioren. Der Landkreis tue daher alles, damit die restlichen Bewohner des Heims dort bleiben können. Für die Infizierten mit leichteren Verläufen wurde ein Quarantäne-Bereich eingerichtet, der nur von Personal in Schutzkleidung betreten werden darf.

Der Landkreis-Sprecher Ronald Gauert teilte am Donnerstagvormittag mit, dass keiner der Patienten, die wegen einer Coronavirus-Infektion in Jessen im Krankenhaus liegen, auf der Intensivstation sei. Die Patienten seien in stabilem Zustand. Da es sich um ältere Menschen handele, seien sie vorsichtshalber und zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht worden. Ronald Gauert sprach von sechs Patienten, die im Krankenhaus wegen einer Corona-Infektion behandelt werden.

Ansturm auf Supermärkte

Der Bürgermeister der Stadt Jessen, Michael Jahn, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Einwohner seien von der Quarantäne total überrascht worden. Die Supermärkte in der Stadt seien am Donnerstagvormittag gestürmt worden. Damit habe es am ersten Tag der Quarantäne leider nicht funktioniert, soziale Kontakte zu vermeiden, so Jahn. Er hoffe aber, dass die Einwohner von nun an in ihren eigenen Häusern und Wohnungen bleiben und dass man es so schafft, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Von der Quarantäne der Ortsteile sind rund 8.000 Einwohner betroffen. Nicht alle Bürger seien mit den Maßnahmen einverstanden, sagte Ronald Gauert am Donnerstag.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikel war zu lesen, dass der Auslöser für die Corona-Infektionen in Jessen und Schweinitz auf eine Feier in einem Autohaus zurückzuführen sei. Diese Information stellte sich als nicht gesichert heraus.

Quelle: dpa, MDR/ld,jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. März 2020 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2020, 06:48 Uhr

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