Bundesweite Aktion Bauernprotest: mit Trecker-Blockaden gegen Agrarpaket

Sachsen-Anhalts Bauern machen mobil. Mit ihren Traktoren sind sie am Freitag nach Magdeburg, Halle und Dessau gefahren, um gegen das Agrarpaket der Bundesregierung zu demonstrieren. Wegen der Proteste kam es fast überall zu Verkehrsbehinderungen.

Traktoren stehen in Halle in der Gerberstraße am Rundfunkhaus des MDR
Protest der Bauern am Freitag vor dem MDR in Halle Bildrechte: MDR/Martin Paul

Hunderte Bauern aus ganz Sachsen-Anhalt haben sich am Freitag mit ihren Traktoren auf den Weg nach Magdeburg, Halle und Dessau gemacht, um gegen die Agrar-Reform der Bundesregierung zu demonstrieren. Ziel waren verschiedene Stationen in den Innenstädten.

Positionspapier übergeben

In Magdeburg und Dessau kamen Landwirte der Initiative "Land schafft Verbindung" zusammen. Diese ist gegen neue Düngevorschriften und steht für faire Lebensmittelpreise. Die Landwirte steuerten verschiedene Parteizentralen und das Umweltbundesamt an und wollten mit Verbrauchern ins Gespräch kommen.

Boudewijn Tonkens vom Bauernverband Sachsen-Anhalt spricht von 400 bis 500 Traktoren, die an der Kundgebung in Magdeburg teilnahmen. Tonkens sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man sei von der Bundeskanzlerin aufgefordert worden, eine Zukunftskommission zu bilden. Dafür hätten die Verbände auf Bundesebene ein Positionspapier zusammengestellt, das an die Parteien und Medien übergeben werden solle.

Magdeburg, Halle, Dessau Bauern protestieren und legen Innenstädte lahm

Traktoren blockieren Straße
Bauernproteste anlässlich der Grünen Woche in Berlin: Nach Magdeburg kamen hunderte Landwirte mit ihren rund 400 Traktoren. Bildrechte: MDR/Michael Gerdes
Traktoren blockieren Straße
Bauernproteste anlässlich der Grünen Woche in Berlin: Nach Magdeburg kamen hunderte Landwirte mit ihren rund 400 Traktoren. Bildrechte: MDR/Michael Gerdes
Traktoren stehen auf dem Schleinufer in Magdeburg
Autofahrer mussten sich seit dem Morgen auf Behinderungen einstellen. Bildrechte: MDR/Matthias Lindner
Menschenauflauf und Traktoren vor Gebäude
Die Landwirte demonstrieren gegen das Agrarpaket der Bundesregierung und die geplante Verschärfung der Düngeverordnung. Bildrechte: MDR/Michael Gerdes
Traktor mit Protestschild
Zudem werben sie für ein besseres Ansehen der Landwirtschaft in der Gesellschaft. Bildrechte: MDR/Michael Gerdes
Menschenauflauf und Traktoren vor Gebäude
Ein gemeinsam ausgearbeitetes Positionspapier übergaben sie an verschiedene Parteizentralen und die Medien. Bildrechte: MDR/Michael Gerdes
Traktoren stehen in Halle in der Gerberstraße am Rundfunkhaus des MDR
Auch in der Innenstadt von Halle gab es Verkehrsbehinderungen. Die Bauern kamen mit 150 Traktoren über die Bundesstraßen 80,  91 und 100 in die Stadt. Bildrechte: MDR/Martin Paul
Traktoren stehen in Halle in der Gerberstraße am Rundfunkhaus des MDR
Treffpunkte für die Kundgebungen waren unter anderem der Hallmarkt und der MDR. Bildrechte: MDR/Martin Paul
Bauern und Traktoren auf dem Hallmarkt in Halle.
Blick auf den bevölkerten Hallmarkt in der Innenstadt Bildrechte: MDR/Stefan Bringezu
Traktoren stehen in Halle in der Gerberstraße am Rundfunkhaus des MDR
Am Leipziger Turm ist die Abschlusskundgebung geplant. Danach wollen die Traktoren Richtung Berlin weiterfahren. Bildrechte: MDR/Martin Paul
Traktoren auf dem Dessauer Marktplatz
Protest auch in Dessau: Auf dem Marktplatz wurden rund 20 Traktoren gezählt.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Januar 2020 | 12:00 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
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Auch in Halle wurde gegen die aktuelle Agrarpolitik der Bundesregierung demonstriert. Ziele waren unter anderem der Hallmarkt und der MDR. In der Saalestadt rief zum einen das Bündnis "Wir haben es satt" Ökobauern, Klima- und Tierschützer auf, für eine umweltfreundlichere Agrarpolitik zu protestieren. Die Initiative "Land schafft Verbindung" war ebenfalls zahlreich vertreten. Sie legte ein Positionspapier über Zukunft der Landwirtschaft vor, unter dem Motto: "Redet mit uns, nicht über uns". Darin kritisieren die Bauern das Tempo der Agrarwende gerade im Hinblick auf die letzten Dürrejahre und fordern gemeinsame Gespräche.

Agrarland Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt bewirtschaften nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund 4.200 Betriebe eine landwirtschaftliche Nutzfläche von insgesamt 1.162.400 Hektar. Das ist mehr als die Hälfte der gesamten Landesfläche. Der Großteil der Agrarflächen (rund 85 Prozent) ist mit 985.900 Hektar in Sachsen-Anhalt Ackerland. Zudem gibt es Wiesen und Weiden, Obst- und Gemüse- sowie Weinanbauflächen.

2019 waren rund 14.790 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Agrarwirtschaft des Landes beschäftigt. Angebaut wurden hierzulande vor allem Winterweizen (333.500 Hektar), Wintergerste (108.700 Hektar) und Silomais (154.300 Hektar). Zum Tierbestand zählten (Stand November 2019) rund 313.000 Rinder, darunter 113.000 Milchkühe. Im Land wurden zudem rund 1,1 Million Schweine, 67.000 Schafe und 1,8 Millionen Legehennen gehalten.

Den Landesbauernverband wissen die Landwirte bei ihrem Protest hinter sich. Verbandschef Olaf Feuerborn sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Bauern müssten der Bevölkerung wieder ins Gedächtnis rufen, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung und Ernährungssicherheit leisten. "Wir haben kein Interesse, Krawalle zu machen. Wir wollen aufklären und dass man unsere Themen ernst nimmt", sagte Feuerborn.

Dalbert fordert neue Agrarpolitik

Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie in Sachsen-Anhalt, sitzt vor dem Start einer Demonstration von Bauern auf einem Traktor.
Landwirtschaftsministerin Dalbert bei der Demo am Freitag – auch sie wirbt für ein gemeinsames Zukunftskonzept. Bildrechte: dpa

Unterdessen fordert Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Grüne) eine Neuausrichtung der Agrarpolitik in Deutschland. Dalbert sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Rande der Bauernproteste am Freitag, Berlin mache immer noch eine Politik "die nach hinten guckt und alte Verteidigungskämpfe führt. Das nützt aber den Bauern nichts. Wir brauchen ein gemeinsames Konzept, wie die Landwirtschaft in zehn und in zwanzig Jahren aussehen soll – und wie wir das zusammen hinbekommen, dass die Bauern auch leben können."

Verkehrsbehinderungen im ganzen Land

Wegen der Bauern-Proteste am Freitag mussten Autofahrer mit Verkehrsbehinderungen in und um Magdeburg, Halle und Dessau rechnen. Die Proteste sollten bis zum Nachmittag dauern und sind Teil einer bundesweiten Aktion. Auch in Berlin ist zum Beginn der "Grünen Woche" eine große Kundgebung geplant. Bereits im Oktober hatten bundesweite Traktor-Demonstrationen für Aufsehen, aber auch für Verkehrsbehinderungen gesorgt.

Das Agrarpaket der Bundesregierung

Das Agrar-Paket der Bundesregierung hat im Wesentlichen die folgenden Schwerpunkte:

Insektenschutzprogramm
Es umfasst unter anderem die schrittweise Begrenzung und den Ausstieg aus der Glyphosat-Nutzung sowie den Schutz von Streuobstwiesen. Außerdem sieht es einen Mindestabstand zu Gewässern von zehn Metern bei Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vor. Ab 2021 sollen Herbizide und bestimmte Insektizide in Schutzgebieten verboten werden.

Tierwohllabel
Ein Tierwohllabel soll Standards garantieren, die über dem gesetzlichen Minimum liegen. Seine Verwendung ist freiwillig.

Umschichtung der Direktzahlungen
Aus dem Budget der Direktzahlungen an Landwirte sollen im Jahr 2020 sechs Prozent in Subventionen, die an Agrarumweltprogramme gekoppelt sind, umgeschichtet werden.

Mehr als 20 Veranstaltungen in Magdeburg

Neben den Bauern-Protesten finden in Magdeburg am Nachmittag und Abend noch weitere Demonstrationen und Mahnwachen statt. Die Polizei zählt mehr als 20 Veranstaltungen. Unter anderem hat Fridays for Future zu einer Demo unter dem Motto "Solidarisches Klima für Alle" aufgerufen. Hintergrund ist ein rechter Aufmarsch wegen der Bombardierung Magdeburgs vor 75 Jahren

Quelle: dpa, MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Januar 2020 | 12:00 Uhr

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