Coronavirus Kosmetikerin in der Corona-Krise

Zigtausende kleine Unternehmer zahlen in der Corona-Krise einen hohen Preis. Messebauer können nicht mehr produzieren, weil die Messen ausfallen. Restaurants sind zwangsweise dicht. Viele Ladenbesitzer verkaufen fast nichts mehr. Am Mittwoch hat der Bundestag ein Paket für kleine Unternehmen beschlossen. Wie kann es helfen? MDR AKTUELL begleitet eine solche Unternehmerin für eine Woche und spricht mit ihr über ihre Sorgen und Nöte.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Kosmetikerin Beate Hertes in ihrem Studio in Leipzig
Beate Hertes führt ein Kosmetikstudio in Leipzig. Wegen der Corona-Krise musste sie es vorübergehend schließen. Aber sie bleibt optimistisch. Bildrechte: Ralf Geißler

Wer Beate Hertes besuchen will, muss zum Seiteneingang rein, denn ihre Ladentür ist geschlossen. Seit 30 Jahren gehört ihrer Familie ein Kosmetiksalon in Leipzig. Im "Bennissimo" pflegt die Unternehmerin Hände, Füße und Gesichter. Doch vergangene Woche untersagte die Stadt wegen der Corona-Pandemie vorsorglich jeden Kundenbesuch.

Beate Hertes sagt: "Ich sage es mal ganz ehrlich, das war für mich ganz besonders bitter, weil das der Geburtstag meiner Mutter war, die das Geschäft ja gegründet hat. Es war schlimm. Dennoch waren wir froh über diese Entscheidung, weil wir gesagt haben: Wir sind potenzielle Überträger und wir wollen diese italienischen Verhältnisse nicht."

Tochter soll Salon weiterführen

Hertes beschäftigt sechs Frauen. Im Flur hängt von jeder ein Foto. Das sei ihre Straße der Besten, sagt die Unternehmerin. Sie hat für alle Kurzarbeit beantragen müssen, auch für ihre eigene Tochter. Die ist bei ihr angestellt und soll den Salon in dritter Generation fortführen. Vorerst bekommt Henrike Hertes aber nur 60 Prozent ihres Lohns vom Staat als Kurzarbeitergeld. Zum Leben eigentlich zu wenig, findet Henrike Hertes:

"Mein Freund und ich wollen nächste Woche heiraten. Aktuell dürfen wir noch aufs Standesamt. Aber natürlich die ganzen Feierlichkeiten und so, Urlaub, Flitterwochen, das ist natürlich alles weggefallen, sage ich mal. Und da kann man jetzt sagen: Da haben wir das Geld, was man für die Feier genommen hätte, darüber könnte man noch, wenn es knapp wird, den Lebensunterhalt bestreiten."

Ein Kredit hift nicht

Angesichts der Situation klingt Henrike Hertes tapfer. Und auch ihre Mutter hat den Mut nicht verloren. Als Sachsen vergangene Woche ein Kreditprogramm für kleine Unternehmen auflegte, schaute sie sich die Anträge an. Abgeschickt hat Beate Hertes sie nicht. Denn eigentlich hilft ihr ein Kredit nicht weiter.

"Deswegen bin ich froh, dass das gestern entschieden worden ist, dass wir einen Schutzschirm bekommen, dass wir als Unternehmer Soforthilfe bekommen, die nicht zurückzuzahlen ist, sondern wirklich eine Hilfe ist. Und dass wir auch als Unternehmer eine Grundsicherung bekommen sollen."

Bis zu 15.000 Euro Soforthilfe

Bis zu 15.000 Euro, so hat es der Bundestag beschlossen, können kleine Unternehmen als Soforthilfe erhalten. Hertes hofft, dass das Geld unbürokratisch fließt. Mit ihrer Krankenkasse mache sie da gerade sehr gute Erfahrungen:

"Die habe ich angerufen, einfach nur ein einfaches Telefonat geführt. Und die haben mir sofort am Telefon gesagt, dass sie alle Versicherungsbeiträge sowohl für mich als auch für meine Kollegen bis einschließlich September stunden. Ohne dass wir den Versicherungsschutz verlieren."

Wenn die staatliche Hilfe auch so unkompliziert gewährt werde, sagt Hertes, halte sie schon ein paar Wochen durch. Ihre Stammkunden kämen nach der Krise wieder. Da ist sie sich sicher. Jetzt muss sie aber erst einmal herausfinden, ab wann man das Hilfsgeld beantragen kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. März 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2020, 05:00 Uhr

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