Berufsausbildung Auszubildende in der Corona-Krise

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Wer etwas lernen will, muss derzeit kreativ sein. Die Schulen sind zu, die Universitäten unterrichten nur noch digital. Und an Kurse in der Freizeit ist gleich gar nicht zu denken. Besonders hart trifft es aber einige Azubis. Sie wollten Friseur werden, Köchin oder Hotelfachangestellte. Und nun hat der Staat die Betriebe, in denen sie lernen sollen, zugemacht oder deren Geschäfte stark eingeschränkt. Was wird aus den Lehrlingen?

Wegen Pandemie vorübergehend geschlossen - Schild an der Ladentür
Weil viele Betriebe in der Corona-Krise geschlossen bleiben müssen, ruht auch die Ausbildung der Azubis. Bildrechte: imago images/Seeliger

Khalid Znaina darf heute mal auf dem Sessel seines Chefs Platz nehmen. Wenn der MDR dem Lehrling Fragen stellen will, soll er es bequem haben. Znaina will Restaurant-Facharbeiter werden im Hotel zur Henne in Naumburg.

Die Berufsschule hat der gebürtige Marokkaner allerdings schon wochenlang nicht mehr besucht: "Unsere Schule ist gerade geschlossen. Unsere Lehrerin schickt uns fast jede Woche neue Aufgaben. Und dann müssen wir selber lernen."

Gastlichkeit ohne Gäste

Zwei junge Köche arbeiten 2017 an ihren Speisen.
Vor allem in der Gastronomie ist die praktische Ausbildung zur Zeit kaum möglich. Bildrechte: dpa

Wegen der Corona-Pandemie läuft die Theorie-Ausbildung auf Sparflamme. Und die praktische Ausbildung auch. Znainas Chef, Michael Schmidt, hat insgesamt neun Lehrlinge – aus Deutschland, Marokko und Vietnam. Täglich steht der Hotelier vor der Frage: 'Wie lehre ich jungen Leuten Gastlichkeit – ohne Gäste?' Daher seien die Auszubildenden auch nicht immer im Hotel.

Das Bedienen am Gast, das Herstellen von Gerichten, das Servieren von Wein und die Beratung dazu. Das sind natürlich alles Aufgaben, die nicht möglich sind, weil die Gäste fehlen.

Michael Schmidt Hotelier

Seine Angestellten hat Schmidt in Kurzarbeit geschickt. Bei seinen Lehrlingen geht das nicht so leicht. Lehrlinge müssen mindestens sechs Wochen weiter ausgebildet werden, bevor Kurzarbeit auch für sie möglich wird.

Finanzielle Unterstützung für Ausbildungsbetriebe

Das ist eine hübsche Theorie bei Betrieben, in denen seit Wochen gar nichts mehr geht: Friseure, Kosmetiker, viele Händler. Sie belaste diese Regelung finanziell sehr, sagt Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig.

Eine Stadt habe dieses Problem erkannt. So habe Leipzig als erste deutsche Großstadt ein Programm zur Sicherung von Ausbildungsplätzen auf den Weg gebracht, erklärt Lux: "Die Stadt unterstützt Ausbildungsverhältnisse mit einer Einmalzahlung von 927 Euro, um die Kündigung von jungen Auszubildenden zu verhindern."

Gewerkschaft fordert landesweite Hilfe

Lux wünscht sich die Hilfe je Ausbildungsplatz landesweit. Auch der DGB Sachsen fände das sinnvoll, sagt die stellvertretende Landesvorsitzende Anne Neuendorf: "Wir finden aber schon, dass es an klare Bedingungen geknüpft sein muss. Also, dass klar ist, dass die Azubis weiterlernen können und nicht nur zu Hause sitzen. Und dass auch klar ist, dass das Geld bei den Azubis ankommt."

Neuendorf verweist darauf, dass sich Betriebe derzeit intensiver um ihre Azubis kümmern müssen. Die Berufsschulen seien ja zu. Das klappe mal besser, mal schlechter. So seien die Ausbilder in manchen Betrieben weiter ansprechbar, geben den Azubis Aufgaben, so dass die Ausbildung dort weiterlaufen kann.

Wir sehen aber auch, dass die Azubis einfach zu Hause sitzen oder Aufgaben erledigen, die mit ihrer Ausbildung nur am Rande was zu tun haben, wie klassischerweise die Halle fegen oder im Gaststättengewerbe tagelang Kartoffeln zu schälen.

Anne Neuendorf Landesvorsitzende DGB Sachsen

Michael Schmidt, Hotelier der Henne in Naumburg, versucht seinen Azubis weiterhin, Gastfreundschaft beizubringen. Manchmal kommt noch ein Geschäftsreisender, dem man das Bett aufschütteln oder eine kalte Platte machen muss.

Für seine Azubis gibt Schmidt monatlich mehr als 10.000 Euro aus. Eine Investition in die Zukunft. Eine Zukunft aber, die so unsicher erscheint wie lange nicht mehr.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2020 | 05:00 Uhr

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