MDR-Stichprobe In Mitteldeutschland haben 80 Prozent Handlungsbedarf bei privater Altersvorsorge

100 Personen haben an dem Altersvorsorge-Check der MDR-Sendungen "Umschau" und "MDR um 4" teilgenommen. Herausgekommen ist: Nur 20 Prozent ist ausreichend abgesichert. Der Großteil sollte jedoch mehr tun.

Themenbild - Plastikfiguren zeigen eine junge Familie mit Kinderwagen auf Euro Banknoten stehend.
Bildrechte: imago/Eibner

Sehr viele Menschen in Mitteldeutschland haben Handlungsbedarf bei der privaten Altersvorsorge. Diesen Schluss lässt der "Altersvorsorge-Check" mit 100 Teilnehmern zu, den das MDR-Magazin "Umschau" gemeinsam mit "MDR um 4" und den Verbraucherzentralen (VZ) in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen durchgeführt hat.

Fehlende Absicherung und unpassende Produkte

Bei 74 Prozent sind zwar grundsätzlich Produkte für die private Altersvorsorge vorhanden, aber entweder sind es nicht die passenden oder es fehlen notwendige Risiko-Absicherungen, zum Beispiel Versicherungen zu Berufsunfähigkeit oder Privathaftpflicht. Bei sechs Prozent der Teilnehmer sehen die Verbraucherschützer akuten Handlungsbedarf.

Nur 20 Prozent sind ausreichend abgesichert

Lediglich zwanzig Prozent der Teilnehmer sind nach Ansicht der Verbraucherzentralen ausreichend abgesichert. Bei dem Altersvorsorge-Check wurden 100 Personen aus Mitteldeutschland zu ihrer privaten Altersvorsorge befragt und beraten:

  • 34 Personen in Sachsen,
  • 33 in Sachsen-Anhalt und
  • 33 in Thüringen.

Die meisten setzen auf staatliche Förderung

Ein weiteres Ergebnis der Stichprobe ist, dass mit 73 Prozent bereits sehr viele Verbraucher Produkte mit staatlicher Förderung nutzen. Die Verbraucherzentralen bewerten dies generell als positiv. "Auf der anderen Seite muss man das differenziert betrachten. Denn oft waren es bei den Teilnehmern dann tatsächlich individuell nicht die passenden Produkte, weil sie beispielsweise zu teuer sind oder auch zu unrentabel", sagte Madlen Müller, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Leipzig, der "Umschau". Ihr Erfurter Kollege Andreas Behn ergänzt: "Es würde viel helfen, wenn der Staat bei der geförderten Altersvorsorge etwas mehr Ordnung reinbringen würde. Die Produkte sollten einfacher und übersichtlicher sein."

Existenzbedrohende Risiken zu wenig abgesichert

Die Stichprobe zeigte nicht nur Defizite bei der klassischen Altersvorsorge, sondern auch beim Risikoschutz, wie etwa Berufsunfähigkeit, Todesfall und Privathaftpflicht. Bei sechzig Prozent der Teilnehmer fehlte eine solche Absicherung. "Das kann existenzbedrohend werden. Denn wenn etwa durch Krankheit das Einkommen wegbricht, muss man in dieser Notlage wahrscheinlich seine Verträge zur Altersvorsorge auflösen und diese Gelder anderweitig nutzen. Die fehlen dann im Alter", erklärt Yvonne Röhling, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Halle. Verbraucherschützer raten deshalb, zuerst solche Risiken abzusichern, bevor man in die private Altersvorsorge investiert.

Check Altersvorsorge: Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Grafik zum Check Altersvorsorge
100 Personen wurden beim Altersvorsorge-Check befragt und beraten. 74 Prozent waren nicht vollständig abgesichert oder hatten nicht die passenden Produkte. Bei sechs Prozent besteht akuter Handlungsbedarf. Lediglich 20 Prozent sind ausreichend abgesichert, Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zum Check Altersvorsorge
100 Personen wurden beim Altersvorsorge-Check befragt und beraten. 74 Prozent waren nicht vollständig abgesichert oder hatten nicht die passenden Produkte. Bei sechs Prozent besteht akuter Handlungsbedarf. Lediglich 20 Prozent sind ausreichend abgesichert, Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zum Check Altersvorsorge
Vor der Altersvorsorge sollten erst einmal existenzbedrohende Risiken. abgesichert werden. Wichtig sind dabei vor allem eine private Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Das war bei 60 Prozent nicht gegeben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zum Check Altersvorsorge
Die einen können mehr zurücklegen, die anderen weniger. Der finanzielle Handlungsspielraum der Beteiligten bewegte sich zwischen 20 und 3.500 Euro. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zum Check Altersvorsorge
73 Prozent der Beteiligten setzen bei der privaten Altersvorsorge auf staatliche Förderung. Sie zählt damit neben ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zum Check Altersvorsorge
... Lebens- oder privaten Rentenversicherungen, Tagesgeld oder betrieblicher Altersvorsorge zu den häufig genutzen Produkten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zum Check Altersvorsorge
38 Prozent nutzten eine betriebliche Altersvorsorge. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zum Check Altersvorsorge
Auch Bausparverträge, Fonds und Immobilien waren häufig genutzte Vorsorgeformen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zum Check Altersvorsorge
Eher selten wurden ETF-Sparpläne, Gold oder auch Bitcoins zur Vorsorgezwecken genutzt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Grafik zum Check Altersvorsorge
48 Prozent haben bei ihren Altersvorsorge-Produkten keine ausreichende Risikostreuung. Das heißt, sie haben entweder zu wenige Produkte oder sie haben alles bei einem Anbieter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle (9) Bilder anzeigen

Wichtige Hinweise zur Methodik und Aktion

Im August hatten die "Umschau" und "MDR um 4" ihr Publikum dazu aufgerufen, sich für eine kostenlose Altersvorsorge-Beratung zu bewerben. Daraufhin gab es innerhalb weniger Tage knapp 1.200 Anmeldungen. Von dieser Grundgesamtheit gingen 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Stichprobe ein, welche nicht statistisch repräsentativ ist, aber dennoch wichtige Kernaussagen und Schlussfolgerungen liefert. Die ausgewählten Teilnehmer bekamen eine Beratung, wie sie die Verbraucherzentralen auch ganz regulär gegen Gebühr anbieten.

Dieses Thema im Programm MDR um 4 | MDR FERNSEHEN | 05.11.2019 | 16 Uhr
Umschau | MDR FERNSEHEN | 05.11.2019 | 20:15 Uhr