Interview | Rüdiger Erben Brandgefahr-Gutachten für den Harz gefordert

Wissenschaftler warnen vor einer großen Brandgefahr im Harz, die Nationalparkverwaltung sieht das Problem als nicht so gravierend. SPD-Innenexperte Rüdiger Erben fordert eine Lageeinschätzung von der Landesregierung.

Nationalpark Harz unterhalb des Brockens
Der Harz wird immer trockener – die Waldbrandgefahr steigt. Bildrechte: dpa

Der SPD-Innenexperte Rüdiger Erben hat die Landesregierung von Sachsen-Anhalt aufgefordert, eine realistische Lageeinschätzung zum Harz zu erarbeiten. Hintergrund ist die Warnung von Wissenschaftlern, dass angesichts des massiven Baumsterbens eine hohe Brandgefahr bestehe.

Erben sagte MDR AKTUELL, er erwarte eine Positionierung der Regierung. Wissenschaftler warnten vor einer riesigen Brandlast im Harz. Zurückgebaute Wege müssten wieder für die Feuerwehr befahrbar gemacht werden. Der beste Naturschutz nütze nichts, wenn Brandbekämpfung nicht mehr möglich sei.

Interview: Erben fordert Langeeinschätzung für Harz

Jan Bräuer (MDR AKTUELL): Herr Erben, mal angenommen, Sie würden von einem Waldbrand im Harz hören, wären Sie besorgt oder wären Sie eher entspannt?

Rüdiger Erben (SPD): Ich glaube, da müssen wir uns Sorgen machen. Der Harz in Sachsen-Anhalt war ja über Jahrzehnte kein Schwerpunkt von Waldbrandgefahren, denn im Gebirge ist es verhältnismäßig nass und es ist ausreichend Flüssigkeit im Boden. Die Waldbrandgefahr war also eher gering.

Die Situation ist er mittlerweile völlig anders. Wir haben Millionen abgestorbener Fichten im Harz stehen. Aus meiner Sicht ist das eine riesige Brandlast und wir sind gleichzeitig dort schlecht für eine Waldbrandbekämpfung vorbereitet.

Feuerwehr und Forstwirtschaft warnen auch, dass das Holz zu trocken ist. Es fehle außerdem an Feuerlöschteichen. Was kann man dagegen tun?

Zunächst einmal brauchen wir eine realistische Lageeinschätzung. Wir haben jetzt die Situation, dass Wissenschaftler ganz klar sagen, wir haben eine riesige Brandlast im Harz. Erschwerend kommt hinzu, dass Brandbekämpfung nur schwierig möglich ist, wir kleine Ortschaften in abgelegenen Tälern haben etc. Und auf der anderen Seite sagt der Chef der Nationalparkverwaltung, alles sei nicht so schlimm, in den Bäumen sei nur wenig Harz und das werde schon nicht brennen.

Ich neige dazu, der Einschätzung der Forstwissenschaftler, insbesondere aus dem Westteil, zu folgen. Allein, wenn man sich mal mit offenem Augen anschaut, mal in den Oberharz geht und sich die Hänge anschaut, wo soweit das Auge reicht abgestorbene Bäume stehen und man sich gleichzeitig den ausgetrockneten Boden anguckt. Da ist ja auch nur brennbares Material am Boden. Wenn es dort zu einem Brand kommt und der Wind ordentlich weht und der Brand die Hänge hochzieht ...

Aber warum glauben Sie, sagt man bei der Nationalparkverwaltung, das sei alles nicht so schlimm?

Das verstehe ich leider auch nicht. Aber wir brauchen eine klare Lageeinschätzung, nötigenfalls auch den Rat Dritter. Deswegen habe ich mich auch in der vergangenen Woche an die Landesregierung gewandt. Ich will jetzt mal eine Haltung der Landesregierung dazu haben. Stützt man die Haltung der Wissenschaftler oder des Nationalparkchefs im Oberharz?

Doch selbst, wenn man eine Lageeinschätzung hat, ist das Holz immer noch trocken und es fehlen immer noch Feuerlöschteiche. Was kann man tun?

Ich habe mir das im vergangenen Sommer in Hasselfelde angesehen. In den Bächen ist ja auch im Sommer überhaupt kein oder so gut wie kein Wasser mehr vorhanden.

Das heißt, irgendwo Saugstellen zu errichten, funktioniert nicht. Man muss über große Entfernungen Wasser transportieren. Das funktioniert im Harz auch nicht so, indem man, wie im Flachland, dort lange Schlauchleitung legt, denn Sie bekommen das Wasser nicht den Berg hoch gepumpt. Auch die leistungsfähigste Pumpe versagt dann irgendwann, wenn sie das ein paar hundert Höhenmeter hoch bringen muss.

Deswegen brauchen wir vor allem mehr Transportkapazitäten für Löschwasser, das schnell an Brandstellen gebracht werden kann, damit auch zügig Brandbekämpfung erfolgt, bevor sich der Brand über Gebühr ausgeweitet hat. Und als zweiter Punkt erscheint mir wichtig, dass bestimmte Zuwegungen auch wieder funktionieren müssen. Gerade im Nationalpark sind viele Wege zurück gebaut und sind heute von Brandbekämpfern nicht mehr befahrbar. Auch da muss sicherlich neu überlegt werden, welche Wege wieder für Feuerlöschfahrzeuge befahrbar gestaltet sein müssen. Uns nützt der beste Naturschutz – so wichtig der ist – nichts, wenn dort Brandbekämpfung nicht mehr möglich ist.

Tut die Landesregierung genug, um das Waldbrandrisiko im Harz zu minimieren?

Bislang noch nicht. Ich dringe aber jetzt erst mal auf die Lageeinschätzung und dann müssen dort auch Taten folgen, vor allem was die Löschwasserbereitstellung betrifft und was die Frage der Zuwegung betrifft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Januar 2020 | 17:00 Uhr

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