Schweigeminute Bundestag gedenkt der Opfer des Halle-Attentäters

Der Bundestag hat der Opfer des Attentäters von Halle gedacht. Dieser hatte nach seinem gescheiterten Attentat auf eine Synagoge eine Passantin und einen Imbiss-Gast erschossen und zwei Menschen schwer verletzt. Bundestagspräsident Schäuble sprach von "Opfern eines terroristischen Aktes". Zugleich beklagte er den alltäglichen Antisemitismus in Deutschland und forderte, den Kampf gegen Rechtsextremismus zu verstärken.

Die Abgeordneten haben sich in Gedenken an die Opfer des Terroranschlags von Halle von den Plätzen erhoben.
Die Abgeordneten des Bundestags gedachten in einer Schweigeminute der Opfer des Attentäters von Halle. Bildrechte: dpa

Der Deutsche Bundestag hat der Opfer des Attentäters von Halle gedacht. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble erklärte zum Beginn der Parlamentsdebatte am Donnerstag, der Anschlag habe das bedrohliche Ausmaß rechtsextremer Gewaltbereitschaft offenbart. "Die zufällig in die Schusslinie Geratenen sind Opfer eines terroristischen Aktes geworden." Die Tat sei dem klaren Ziel gefolgt, "möglichst viele Juden zu töten". Nur glückliche Umstände hätten weitere Opfer verhindert, sagte der CDU-Politiker.

Gescheitertes Attentat auf Synagoge

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble erinnert an die Opfer von Halle
Schäuble: "Bedrohliches Ausmaß rechtsextremer Gewaltbereitschaft". Bildrechte: dpa

Im sachsen-anhaltischen Halle hatte am Mittwoch vergangener Woche ein mit mehreren Waffen und Sprengmitteln ausgestatteter 27-jähriger Mann versucht, die Tür zum Grundstück der Synagoge im Paulus-Viertel aufzusprengen.

In dem Gotteshaus hatten sich zu diesem Zeitpunkt rund 50 Menschen zum jüdischen Feiertag Jom Kippur versammelt.

Zwei Tote und zwei Schwerverletzte

Blumen und Kerzen stehen neben der Tür zur Synagoge, vier Tage nach dem rechtsextremistischen Anschlag auf die Gemeinde
Die Eingangstür der Synagoge zu Halle. Bildrechte: dpa

Nachdem es ihm nicht gelungen war, die Eingangstür aufzusprengen, erschoss der Täter zuerst eine gerade zufällig vorbei laufende Anwohnerin. Kurz darauf tötete er in einem Döner-Imbiss einen 20-jährigen Maler, der gerade Mittagspause machte.

Auf seiner Flucht vor der Polizei verletzte er später zwei weitere Menschen schwer. Nach seiner Festnahme gestand der Attentäter die Taten. Dabei gab er rechtsextremistische sowie antisemitische Motive an.

Schäuble sprach in seiner Rede im Bundestag allen Opfern, Angehörigen und Zeugen des Terroranschlags sein Mitgefühl aus. Zugleich wies er auf den alltäglichen Antisemitismus sowie auf die Angst vieler Juden hin, ihren Glauben in Deutschland öffentlich auszuleben. Das sei "beschämend für unser Land".

Kampf gegen Rechtsextremismus verstärken

Der Bundestagspräsident forderte in dem Zusammenhang, die Versäumnisse im Kampf gegen Rechtsextremismus aufzuarbeiten und die bestehenden Rechtsgrundlagen bei der Verfolgung rechtsextremistischer Taten besser anzuwenden. Zudem müsse schnell und umfassend geprüft werden, welche zusätzlichen Mittel und Maßnahmen notwendig seien, um effektiv gegen grenzüberschreitende rechtsextreme Netzwerke vorgehen zu können.

Im Anschluss an Schäubles kurze Rede erhoben sich die Abgeordneten der Bundestags zu einer Schweigeminute.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Oktober 2019 | 11:00 Uhr