Nach Terroranschlag Täter-Video von Halle kursiert unter Schülern

Nach dem Terroranschlag von Halle verstört neben der Tat auch das Video, das der Täter live ins Netz gestreamt hat. Von seinem Helm aus hat er gefilmt, wie er zwei Menschen erschossen und weitere Menschen verletzt hat. Zwar wurde das Video schnell von den gängigen Plattformen gelöscht, dennoch hat es sich rasend schnell verbreitet. Unter anderem in Schüler-Whatsapp-Gruppen.

Amokschütze in Halle
Stephan B. übertrug seine Tat live ins Internet. Dort verbreitete sich das Video rasant. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neuntklässler Malte aus Halle hat es noch am selben Tag gesehen. Das Video vom Attentäter landete per Whatsapp-Nachricht auf seinem Handy: "Es wurde uns halt geschickt über den Klassenchat, manche Personen werden das auch noch auf dem Handy haben, auf jeden Fall hat es jeder gesehen. Also ich habs mir jetzt nicht oft angeguckt - ein, zwei Mal vielleicht. War schon sehr verstörend."

Der Absender, ein Klassenkamerad, habe jedenfalls keinen Ärger bekommen. Dafür sei viel geredet worden am neuen städtischen Gymnasium, wo Malte zur Schule geht. Gleich am ersten Tag nach den Herbstferien organisierte Schulleiter Jan Riedel in der Aula eine Gedenkveranstaltung. Die Klassenlehrer redeten mit ihren Schülern über die Tat und das Video.

Verbreitung lässt sich nicht verhindern

Schulleiter Jan Riedel ist klar: Das Verbreiten des Videos unter seinen Schülern kann er nur schwer verhindern: "Also Fakt ist: Viele Schüler haben das gesehen. Und das können wir auch gar nicht beeinflussen, weil das im privaten Bereich passiert. Natürlich haben die Kollegen davor gewarnt, sich so etwas anzuschauen." Mehr als Präventionsarbeit könnten er und seine Kollegen aber nicht leisten.

Albträume und Schlafstörungen

Was dieses Video bei Kindern und Jugendlichen auslöst, erlebt derzeit Sabine Ahrens-Eipper. Die Trauma-Therapeutin für Kinder und Jugendliche in Halle bekommt schon die ersten Rückmeldungen von besorgten Eltern und von Patienten, die das Video gesehen haben. Das werde in den nächsten Wochen und Monaten noch deutlich zunehmen, sagt Ahrens-Eipper:

Es ist wirklich wichtig, dass Eltern da auch mit ihren Kindern darüber ins Gespräch kommen. Und schauen ob sich in den nächsten Wochen Symptome entwickeln.

Sabine Ahrens-Eipper Psychotherapeutin

Schlafstörungen und Albträume könnten mögliche Symptome sein. Wenn das nach drei oder vier Wochen noch anhalten sollte, wäre es wichtig, einen Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche aufzusuchen, sagt die Psychotherapeutin.

Gespräche helfen

Malte, der Neuntklässler hat zwar keine Alpträume, aber er hat mit seinen Eltern über das Video gesprochen. Und nicht nur das, sie haben es sich gemeinsam angeguckt. Und danach hat Malte eine Entscheidung getroffen: Er hat das Video von seinem Handy gelöscht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Oktober 2019 | 07:09 Uhr

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