Lieferketten unterbrochen Coronavirus: Wirtschaftsvertreter warnt vor Medikamentenengpass

Während in China weiter das Coronavirus wütet, gibt es zunehmend Warnungen vor Folgen für Deutschland – etwa bei knapp werdenden Medikamenten. China selbst reagiert auch und setzt die Zölle auf US-Medizinprodukte erst einmal aus.

China, Wuhan: Patienten, die mit sich mit dem Coronavirus (COVID-19) infiziert haben, sind in einem provisorischen Krankenhaus
Ein provisorisches Krankenhaus für infizierte Patienten in Wuhan. Bildrechte: dpa

Angesichts der anhaltenden Coronavirus-Epidemie warnt der Präsident der EU-Handelskammer in China, Jörg Wuttke, vor einem weltweiten Engpass bei Antibiotika und anderen Medikamenten. Dazu könne es kommen, falls Probleme bei den Lieferketten wegen der Epidemie nicht bald gelöst würden.

Wuttke bezeichnet insbesondere die von den Pekinger Behörden angeordnete 14-tägige Quarantäne für alle Neuanreisenden aus dem Ausland als unvernünftig. Die Maßnahme mache es schwierig, Experten zur Unterstützung einzufliegen und habe die Probleme verschärft.

Folgen für deutsche Wirtschaft

Ähnliche Probleme sieht Wuttke zudem für die in Deutschland sehr wichtige Autoindustrie, die mit der Unterbrechung der Lieferungen in China und steigender Lagerbestände konfrontiert sei. Es sei klargeworden, dass man sich von China unabhängiger machen müsse und einen "Backup-Plan" benötige, sagte Wuttke.

Mehrere Autobauer hatten Werke in China wegen des Coronavirus vorübergehend schließen müssen. Zudem ist die Volksrepublik ein wichtiger Absatzmarkt für Produkte von deutschen Herstellern, bei Autos sogar der wichtigste Absatzmarkt der exportorientierten Wirtschaft der Bundesrepublik.

China selbst setzt im Kampf gegen die Folgen des Virus bestehende Zölle auf Medizinprodukte aus den USA ab dem kommenden Monat aus. Darunter fallen nach Angaben der Zollbehörden etwa Instrumente zur Blutdruckmessung, Monitore zur Überwachung von Patienten oder Ausrüstung für Bluttransfusionen.

Besserung erst Ende April?

Unterdessen erwarten chinesische Gesundheitsexperten möglicherweise erst Ende April ein merkliches Abflauen bei den Neuansteckungen. Mit einem Höhepunkt des Ausbruchs im ganzen Land sei voraussichtlich bis Ende Februar zu rechnen. Den Höchststand zu erreichen, bedeute aber nicht den Wendepunkt", sagte Professor Zhong Nanshan, Chef der Expertengruppe der chinesischen Regierung, zu dem Virus.

Am Dienstag fiel die Zahl der Neuansteckungen in China zwar erstmals seit Januar unter die Schwelle von 2.000, lag mit 1.886 bestätigten Neuansteckungen aber immer noch sehr hoch. Weitere 98 Menschen seien an der Viruserkrankung gestorben, teilte die nationale Gesundheitskommission mit. Seit Ausbruch der Krankheit starben damit insgesamt 1.868 Menschen.

Krankenhausdirektor gestorben

Für Aufsehen sorgte am Dienstag der Tod eines Krankenhausdirektors in der Millionenstadt Wuhan. Die Metropole gilt als Ausbruchsort der Krankheit und ist weitestgehend von der Außenwelt isoliert. Es ist der erste bekannte Fall eines Krankenhausdirektors, der an den Folgen der Ansteckung mit dem Virus starb.

Wiederholt gab es zuvor Berichte über katastrophale Zustände in den Kliniken, vor allem in der am stärksten betroffenen Region rund um Wuhan. Ärzte berichteten von überarbeitetem Personal und mangelnder Schutzausrüstung. Zuletzt hatte bereits der Tod eines Arztes, der als Entdecker des neuartigen Virus galt, für einen öffentlichen Aufschrei gesorgt.

Kreuzfahrtpassagiere könnten zurückgeholt werden

Die Bundesregierung denkt inzwischen über eine Rückholaktion der deutschen Passagiere auf dem unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" nach. Am Montagabend beriet ein Krisenstab darüber.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte, dass die Passagiere bei einer Rückkehr nach Deutschland zunächst unter Quarantäne gestellt werden müssten. Das müsse aber nicht unbedingt zentral geschehen, es sei auch eine "Quarantäne im häuslichen Umfeld" denkbar. Zwei deutsche Passagiere waren wegen einer Infektion mit dem Coronavirus in ein Krankenhaus gebracht worden.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Februar 2020 | 04:39 Uhr

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