Städtepartnerschaften Coronavirus: Chinesische Städte bitten mitteldeutsche Partner um Hilfe

Zwischen einigen mitteldeutschen und chinesischen Städten bestehen seit Jahren Partnerschaften. Im Kampf gegen das Coronavirus bitten die Chinesen nun die Partner in Mitteldeutschland um Hilfe.

Ein Vater geht mit seiner Tochter am Ufer des Jiangsu-Flusses in der chinesischen Stadt Nanjing entlang. Bei tragen einen Mundschutz.
Zwischen einigen mitteldeutschen Städten und chinesischen Städten bestehen seit Jahren Partnerschaften. Bildrechte: imago images/ZUMA Press

Erfurt, Dresden, Halle, Magdeburg und Zwickau sind von ihren chinesischen Partnerstädten um Hilfe im Kampf gegen die Coronavirus-Infektion gebeten worden. Das ergab eine Umfrage des MDR-Magazins "Umschau" bei den Stadtverwaltungen der zehn größten Städte Mitteldeutschlands. Die chinesischen Partner haben nach Auskunft der deutschen Stadtverwaltungen großen Bedarf an Atemmasken und Schutzbekleidung beschrieben. Die Bitten reichten von Hilfe bei der Beschaffung und Auskunft über Hersteller und Bezugsquellen bis hin zur Bitte um Spenden von Schutzmaterialien. In den Städten Chemnitz und Leipzig ist keine Anfrage eingegangen. Jena, Gera und Dessau-Roßlau haben keine Partnerstadt in China.

Magdeburger Firma spendet 10.000 Atemschutzmasken

Beleuchtetes Gebäude im Zentrum der Stadt Harbin im Nordosten Chinas
Harbin im Nordosten Chinas ist die Partnerstadt von Magdeburg. Bildrechte: imago images/ZUMA Press

Nach Auskunft der Stadtverwaltungen wurden vor allem Informationen zu Bezugsquellen für die angefragten Produktgruppen an die chinesischen Partner gegeben. Zu konkreten Spenden kam es nach eigenen Angaben bislang nur auf Initiative der Stadtverwaltung Magdeburg. Die Firma Fuchsberg Electric GmbH habe 10.000 Atemschutzmasken für die Partnerstadt Harbin gespendet, teilte die Büroleiterin des Oberbürgermeisters mit. Erfurt hat sich eigenen Aussagen zufolge mangels fehlender Ressourcen an sieben Institutionen und Firmen mit Bitte um Hilfe für Xuzhou gewandt. "Eine Reaktion steht noch aus", hieß es. Die Stadtverwaltung Zwickau konnte Schutzkittel vermitteln, jedoch mangels Angeboten keine Atemschutzmasken, so ein Sprecher der Stadtverwaltung. Halle konnte der Partnerstadt Jiaxing mit Verweis auf die Vorbereitung für eine Grippewelle und begrenzte Vorräte nicht mit gewünschten Atemschutzmasken helfen.

Schüleraustausch-Reisen gefährdet

Die Auswirkungen der gegenwärtigen Situation in China machen sich nach Auskunft der Stadtverwaltungen auch bei den Städtepartnerschaften bemerkbar. In Magdeburg wurde die Chinese Business Days für Ende April abgesagt. "Darüber hinaus sind alle offiziellen Reiseaktivitäten von Vertretern der Verwaltung, der Wirtschaft und wissenschaftlichen Lehr- und Forschungseinrichtungen bis auf weiteres eingestellt worden", teilte die Stadt mit. In Dresden mussten chinesische Gäste die Teilnahme an den Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des 13. Februars absagen. Zudem sei ein für Februar geplanter Jugendaustausch zwischen Dresden und Hangzhou ausgefallen, teilte die Stadtverwaltung mit. Eventuell finde die Reise im Herbst statt. Auch in Zwickau und Halle ist für diesen Sommer ein Schüleraustausch geplant. In Westsachsen ist derzeit unklar, ob die Reise nach Yandu angetreten werden kann. "Aufgrund der aktuellen Situation wurden auch noch keine Flüge gebucht", teilte die Stadtverwaltung mit.

Sachsen ist Partnerregion der am stärksten betroffen Provinz Hubei

Luftaufnahme von Wuhan der Hauptstadt der chinesischen Provinz Hubei am Jangtsekiang
Wuhan ist die Hauptstadt der sächsischen Partnerprovinz Hubei, die von der Coronavirus-Infektion am stärksten betroffen ist. Bildrechte: imago images/Xinhua

Neben den Städtepartnerschaften gibt es auch zwei Regionalpartnerschaften mit Mitteldeutschland. Thüringen ist Partner der Provinz Shaanxi. Sachsen ist die Partnerregion der Provinz Hubei, die von der Coronavirus-Infektion am stärksten betroffen ist. Nach Auskunft der Staatskanzlei ist keine Anfrage aus der Provinzhauptstadt Wuhan eingetroffen. Ministerpräsident Kretschmer habe jedoch in einem persönlichen Brief dem Gouverneur sein tiefes Mitgefühl ausgesprochen, teilte Regierungssprecher Ralph Schreiber mit. Zudem beteilige sich Sachsen im Rahmen seiner Möglichkeiten an Hilfslieferungen der Bundesregierung mit medizinischen Verbrauchsmaterialien. Auch der Freistaat Thüringen hat nach Auskunft von Regierungssprecher Günter Kolodziej keine Post aus der Provinzhauptstadt Xian erhalten. "Regionalpartnerschaft wird seit einigen Jahren ohnehin von beiden Seiten lediglich passiv gepflegt. Es gibt derzeit auch keine Pläne zur Kontaktaufnahme mit chinesischen Behörden", sagte er.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 20. Februar 2020 | 21:45 Uhr