Ein Baumkauf will gut überlegt sein Kirschbaum: Pflanzen, Pflegen & Schneiden

Früher wurden Kirschbäume oft auf Vogelkirschen veredelt. Der Baum wurde riesig – zum Klettern ideal, aber die süßen Früchte waren schwer erreichbar. Inzwischen gibt es auch kleine Bäume mit hohen Erträgen. Hier geben wir Tipps für den Baumkauf und die anschließende Pflege der Obstbäume. Im Juli, nach der Ernte, wird zurückgeschnitten.

In Stiegen werden verschiedene Süßkirschen gelagert. Einige Kirschen sind dunkelrot, andere gelb oder bunt.
Die halbe Welt der Kirschen auf einem Tisch: Sorten aus Tschechien, Ungarn oder  Kanada werden in der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Erfurt geprüft.
Bildrechte: Daniela Dufft

Sie sind süß, sie sind knackig und eine herrliche Erfrischung an heißen Sommertagen – die Süßkirschen. Früher wuchsen oft riesige Kirschbäume im Garten. Sie waren zum Klettern gerade recht, aber die süßesten Früchte in der Spitze kaum zu erreichen. Inzwischen gibt es auch gute, schwachwüchsige Unterlagen, auf denen Kirschen veredelt werden – also ideale Bäume für den kleinen Garten. Sie wachsen langsam, werden nicht höher als drei Meter und haben gute Erträge, die man ganz bequem abernten kann. Auch wer einen kleinen Garten hat, findet also den richtigen Baum, sagt Monika Möhler von der Lehr- und Versuchsanstalt in Erfurt. Sie leitet dort die Tests mit den unterschiedlichen Süßkirschenbäumen. Mehrere Sorten werden auf verschiedenen Unterlagen getestet. Wenn Monika Möhler durch die Plantage streift, nascht sie keine einzige Kirsche, selbst wenn sich die Äste unter der Last schon nach unten biegen. Denn nach der Ernte werden die Erträge gewogen und penibel aufgeschrieben, welcher Baum wie viele Früchte trägt, wenn er am Tag mit fünf Litern Wasser gegossen wird.

Pflanzzeit für Süßkirschen

Pflanzzeit für Süßkirschen ist der Herbst oder auch der Frühling. Wählen Sie für den Baum einen sonnigen Standort. Auch ein Platz im Halbschatten ist möglich, aber je sonniger desto besser. Erst durch die Sonner werden die Früchte schön süß und saftig. Das Pflanzloch kann mit etwas Kompost aufbereitet werden.

Welcher Baum passt in den eigenen Garten

Monika Möhler, Obstbauexpertin im Gespräch mit Moderatorin Diana Fritzsche Grimmig. Die beiden Frauen werden von einem Kameramann gefilmt.
Monika Möhler ist ein wandelndes Lexikon, wenn es um Obstbäume geht. Bildrechte: Daniela Dufft

Wichtig ist, sich schon vor dem Pflanzen genau zu überlegen, wofür der Kirschbaum gut sein soll. Soll er Schatten spenden und eine Bank zum Verweilen darunter stehen? Soll er einmal die Hängematte halten? Oder ist er einfach zum Abnaschen gedacht?

Monika Möhler | Expertin für Obstbäume

Auch sollte darüber nachgedacht werden, wann die Kirschen reif sein sollen. Acht Kirschwochen gibt es insgesamt, erklärt die Obstbaumexpertin. Sie liegen jedes Jahr - je nach Wetter - etwas anders. Wer also mehrere Bäume pflanzt, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Erntezeit kann gestaffelt werden und es gibt gleichzeitig einen Pollenspender. Denn viele Süßkirschenblüten müssen durch die Pollen einer anderen Kirsche bestäubt werden, sonst gibt es keine Früchte.

Sortentipps von Monika Möhler
  Merkmale Genussreife
Alte Sorten    
Altenburger Melonen (identisch mit Büttners Rote Knorpel) große bunte Knorpelkirsche, hellgelbes Fleisch , süß, aromatisch 5. Kirschwoche
Hedelfinger Riesen ganz schwarze Frucht, sehr ertragreich, aromatisch dunkles Fruchtfleisch (gutes Anbaugebiet: Mitteldeutschland) 4.-5. Kirschwoche
Schneiders späte Knorpel große feste Früchte, gutes Aroma, robust, platzt nicht bei Regen, zum Einkochen geeignet, guter Befruchter für andere Kirschbäume (Kordia), nicht so ertragreich, langes Erntefenster 5.- 6. Kirschwoche
Große Prinzessin bunte aber sehr spätreife Kirsche, süß, sehr alte Sorte, die verlorengeht wenn sie keiner pflanzt, auch bekannt unter dem Namen "Napoleon".   5.- 6. Kirschwoche
     
Frühe Sorten Werden auch Herzkirschen genannt, die Früchte sind kleiner, die Schalen sind nicht so fest und dadurch besser verdaulich  
Narana          Fruchtfarbe dunkelrot, sehr frühe Kirsche (Herkunft Dresden Pillnitz) 2. Kirschwoche
Maibigareau bunte Kirsche, gelb-rote Frucht, süß, aromatisch aber sehr druckempfindlich, Lagern und Transportieren schwierig, alte Thüringer Regionalsorte 2-3. Kirschwoche
Swing ganz neue Züchtung aus Dresden Pillnitz, schwarze Früchte, sehr ertragreich 3. Kirschwoche
     
Neue Sorten/ mittelfrüh    
Kordia große Frucht, stärkere Schale, schmeckt ausgesprochen aromatisch, Spätfrostempfindlich in der Blüte (kommt aus Tschechien) 5. Kirschwoche
Paulus Selbstfruchtbare Sorte, braucht keinen Bestäuber, schwarze, feste Frucht, langes Erntefenster (kann lange am Baum bleiben) 4. Kirschwoche
Regina Fleischige, dunkelrote Frucht, späte Reife, gut zu Lagern und zu verarbeiten, schwierig in der Befruchtung 6. Kirschwoche

Die richtige Unterlage für Süßkirschen

Kirschbaum = Kirschsorte + Kirschbaumunterlage Neben der Sorte ist die richtige Unterlage wichtig, denn sie bestimmt, wie groß der Baum wird und wie schnell er wächst. Das hat wiederum Auswirkungen auf den Ertrag. Fragen Sie in einer guten Baumschule Ihres Vertrauens nach der richtigen Kombination.

Kleiner Baum GiSelA 5  
Mittelgroßer Baum GiSelA 6  
Großer Baum Vogelkirsche (prunus avium)  
Pralle dunkelrote Süßkirschen hängen an einem Baum.
Den besten Ertrag bringen Bäume, wenn sie nicht so schnell wachsen. Bildrechte: Daniela Dufft

Diese Infos braucht die Baumschule Wo liegt ihr Garten, in welcher Region?

Wie ist der Boden?

Wie groß soll der Baum werden?

Wofür wollen Sie den Baum nutzen?

Soll er viele Früchte tragen oder ein starker Baum werden, der Schatten spendet?

Wann wollen Sie ernten?

Eine Hand zeigt an einem Kirschbaum, wo dieser zurückgeschnitten werden soll.
Die Veredlungsstelle eines Kirschbaums Bildrechte: Daniela Dufft

In der Lehr- und Versuchsanstalt wird auch darauf geschaut, ob die Unterlage hält, was sie verspricht, oder ob der Baum doch zu groß wird – und wie die Erträge sind. Bewährt hat sich die Unterlage "GiSelA 5" für kleine Bäume, die man gut abernten kann, sagt Monika Möhler. Sie wurde schon vor 30 Jahren von der Universität Gießen gezüchtet. Auch die GiSelA 6“ funktioniert gut für mittelgroße Bäume. Wer einen großen Baum sucht, sollte seine Lieblingssorte auf einer Vogelkirsche (Prunus avium) veredeln. Je nach Höhe der Veredlungsstelle (1,50 oder 1,80 Meter) erhält man damit einen Halbstamm oder auch einen stattlichen Baum zum Klettern. Je weniger der Baum wächst, desto Ertragreicher ist der Kirschbaum.

Warum werden Obstbäume veredelt, wachsen also auf anderen Unterlagen? Würde man einen Kirschkern in den Boden stecken, hätte der neue Baum nicht mehr die gleichen Merkmale wie die Mutterpflanze, da die Kirschblüte mit dem Pollen einer anderen Sorte bestäubt wurde. Man hätte also einen unbekannten Sämling, mit unbekannten Eigenschaften. Auch die Vermehrung über einen Steckling ist schlicht nicht möglich, da dieser keine Wurzeln bildet. Deswegen werden Obstbäume meist veredelt.

Nur durch die Veredlung können Ertrag und Wachstum kontrolliert werden. Die Unterlage bildet später die Wurzel des veredelten Obstbaums. Sie sind also dafür verantwortlich, wie der Baum mit Nährstoffen und Wasser versorgt wird, wie er wächst und wie die Qualität der Früchte ist.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 25. August 2019 | 08:30 Uhr

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