Obstbaumpflege Obstbäume zurückschneiden - so geht's

Die beste Zeit, Obstbäume zu schneiden, ist der Winter. Dann sind die Bäume in der Ruhephase und tragen kein Laub mehr. Die Äste sind also gut zu erkennen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Theorien, wie man Obstbäume beschneiden kann. Eine davon ist die Oeschbergschnitttechik aus den 1920er-Jahren.

Die Oeschbergschnitttechik aus den 1920er-Jahren ist eine Möglichkeit Bäume zu schneiden. Vorrausschauendes Schneiden und die Kenntnis der Wuchsgesetze sind dafür Voraussetzung.Bei ihr geht es grundsätzlich um folgende Punkte:

  • Während des Schnitts muss entschieden werden, welche Äste das Baumgerüst bilden sollen - diese müssen durch den Schnitt so gestärkt werden, dass sie möglichst ungehindert von Konkurrenztrieben wachsen können.
  • Durch den Schnitt und Tricks wie Brechen oder Knicken möglichst im unteren Bereich viel waagerecht wachsendes Fruchtholz zu erzeugen.

Warum ist der Schnitt notwendig?

Schema eines Erhaltungsschnitts bei Obstbäumen in der Seitansicht
Schema eines Erhaltungsschnitts bei Obstbäumen Bildrechte: Maya Heller / Thüringer Obstbaumschnittschule

Ein Apfelbaum würde auch ohne Schnitt Früchte tragen, aber weniger. Außerdem wäre er krankheitsanfälliger und die Früchte würden nicht vorrangig im unteren Erntebereich, sondern oben wachsen. Ziel ist es, den Baum so zu trimmen, dass er optimal fruchtet, einfach zu beernten ist und später nur noch selten geschnitten werden muss.

  • Die einfache, offene Kronenform sorgt für eine gute Belüftung und damit für weniger Pilzbefall.
  • In alle Kronenteile kommt mehr Licht. Dadurch wird das Absterben der unteren Äste verhindert und die Früchte im unteren Kronenbereich, wo es sich leicht ernten lässt, können voll ausreifen.
  • Der Baum entwickelt gut ansitzende, starke Leit- und Seitenäste, damit er seine Früchte auch in Vollertragsjahren ohne Stützen tragen kann.
  • Die Leitäste werden so ausgewählt, dass Leiter-Gassen zum einfachen Abernten entstehen und später die Unfallgefahr minimiert wird.
  • Nach Ende des Jungbaumschnittes soll der Erhaltungsschnitt (ab dem 12. Standjahr) möglichst wenig Arbeit verursachen.

Ziel ist es also, auch den Schnittaufwand durch gezielten jährlichen Jungbaumschnitt später so zu reduzieren, dass Altbäume nur noch alle vier bis fünf Jahre geschnitten werden müssen. Um einen Baum erziehen zu können, müssen die Wuchsgesetze beachtet und beim Schnitt bedacht werden.

Wann wird geschnitten?

Jungbäume werden grundsätzlich in der vegetationslosen Zeit (Ende Oktober bis Anfang April) geschnitten. Häufig werden junge Obstbäume gar nicht oder zu wenig geschnitten. Altbäume hingegen werden in der Regel zu stark geschnitten. Um einen stabilen und schnellen Kronenaufbau zu bekommen, müssen gerade Jungbäume in der Vegetationsruhe stark zurückgeschnitten werden. Ansonsten kann das ganz Jahr geschnitten werden. Aber nur im Winter kann das Astgerüst gut beurteilt werden.

Gibt es eine Unterscheid von Jung- und Altbaumschnitt?

Ein Jungbaum ist vital, er reagiert bei starkem Rückschnitt mit dem gewünschten starken Austrieb. Beim Altbaum hingegen sterben bei starkem Rückschnitt häufig die Wurzeln ab, weil dem Baum dann Blattmasse fehlt, um die Wurzeln zu versorgen.

Das System Baum kommt in den nächsten Jahren zum Absterben oder der Baum treibt so stark aus, dass er bald wieder geschnitten werden muss, um Licht in den Baum zu bekommen. Die Kraft geht dann ins Holz, weniger in die Früchte.

Der richtige Schnitt: Leitast, Seitenäste und Fruchtholz

Stellung der Leitäste in der Draufsicht
Stellung der Leitäste von oben betrachtet Bildrechte: Maya Heller / Thüringer Obstbaumschnittschule

Der ideale Baumaufbau ist eine leicht s-förmig wachsende Stammverlängerung - das bremst den Höhenwuchs - und maximal vier Leitäste rund herum. Diese Leitäste sollten so angeordnet sein, dass Platz dazwischen bleibt, um bequem eine Leiter anzustellen. An den Leitästen wachsen Seitenäste, an denen sich dann das Fruchtholz bildet. Die Haupttechnik einen Baum zu erziehen, ist das Anschneiden auf Blattknospe und das Ableiten auf schwaches kurzes Fruchtholz.

Grundsätzlich gilt: Zuerst wird der Baum von unten bis oben begutachtet. Die meisten fangen aus Bequemlichkeit unten in Stammnähe an zu schneiden, schneiden Äste, die nach innen wachsen weg, schneiden sich dabei aber auch zukünftige Seitenäste, die zum Aufbau einer optimale Krone geeignet sind, weg.

Der Baum wird von Außen nach Innen geschnitten. Hilfreich ist es, sich den optimalen Baum vor dem geistigen Auge vorzustellen, um die Schnittziele so auf den realen Baum anwenden zu können. Wesentlich ist dabei die Verteilung und Stellung der Leitäste. Ideal sind vier Leitäste, im gleichen Abstand zueinander, um die Stammverlängerung, weinglasförmig aufsteigend. Sie bilden das Gerüst des Baumes.

Wo bilden sich die Früchte?

Die Früchte bilden sich nicht an den hochwachsenden Leitästen und auch nicht an den Seitenästen, sondern nur an den waagerecht austreibenden kurzen Trieben, die dann hormonell so gesteuert werden, dass sie keine Blattknospen, sondern Fruchtknospen ausbilden.

Das steile Holz, das treibt, das macht Holz, das macht ein Astgerüst. Das waagerechte Holz, das treibt nicht, das macht kleine Kurztriebe und macht Früchte.

Michael Grolm

Fruchtknospen sind prall und rund, Blattknospen, aus denen auch neue Zweige wachsen, sitzen flach und spitzauslaufend an steil nach oben wachsenden Ästen. Grundsätzlich werden alle steil nach oben wachsenden Verlängerungen (Stamm-, Leitast-, Seitenastverlängerungen) angeschnitten, damit sie kräftig treiben. Das sollen sie, weil sie ja das Gerüst des Baumes bilden sollen. Andere Bereiche werden waagerecht abgeleitet, da dort Früchte entstehen sollen. Es wird immer auf Blattaußenknospe angeschnitten. (welche in die optimale Richtung zeigt, also nach außen, nicht nach innen zur Stammmitte) Niemals zu nah an der Knospe schneiden, da diese sonst vertrocknen kann.

Blattknospen brechen

Alle Knospen, die nach innen zeigen und über der Leitastmittelllinie sitzen, ausbrechen, damit im nächsten Jahr keine Konkurrenztriebe weggeschnitten werden müssen und außerdem die Kraft in die gewünschte Stammverlängerung geht. Das geht mit der Hand oder mit der Gartenschere. Das ist wichtig, nicht nur damit der Baum luftig bleibt, sondern auch um die Wuchsleistung des Leitastes zu stärken. Jeder später nutzlos nach innen wachsende Seitenast an den Leitästen nimmt Kraft weg.

Tricks um Fruchtäste zu erhalten oder die Wuchsrichtung zu ändern: Ableiten, Brechen und Knicken

Soll fruchttragendes kurzes Fruchtholz entstehen, wird abgeleitet. Also so geschnitten, dass ein waagerechter Ast wächst, an dem sich dann laut Wuchsgesetz des Apfelbaumes Fruchtknospen bilden. Wächst der Trieb unter die Waagerechte, geht die Kraft in die Bildung von Früchten und nicht mehr in das Triebwachstum. Mit Brechen oder Knicken lässt sich die Wuchsrichtung mit etwas Gewalt richten. Junge Äste wachsen problemlos wieder an. Der fertige Apfelbaum hat am Ende viel Astwerk verloren. Jährlich geschnitten nach dieser Methode, braucht ein alter Baum nur noch im Fünf-Jahres-Rhythmus die Schere, bleibt vital und fruchtet gut.

Was Sie für den Baumschnitt brauchen + handliche, nicht zu hohe Leiter
+ scharfe Schere
+ kleine und handliche Säge
+ Schnur zum Binden der Äste
+ Klammern zum Markieren

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 02. Februar 2020 | 08:30 Uhr

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