Blütenrausch im Bauerngarten Türkischer Mohn und Klatschmohn: Pflegen und vermehren

Türken-Mohn, Türkischer Mohn, Orientalischer Mohn (Papaver orientale); Klatschmohn, Mohnblume (Papaver rhoeas)

Türkischer Mohn ist dank seiner großen, leuchtend bunten Blüten ein Blickfang im Staudenbeet, vor sonnigen Mauern und in Bauerngärten. Im Juli können Sie die mehrjährige Staude vermehren. Eine andere Mohn-Art ist der Klatschmohn, ebenfalls ein Hingucker mit kleineren, verspielten Blüten, die auch wild in der Natur auf Blumenwiesen wachsen. Wie Sie Mohn - ob die Staude oder die Wiesenblume - im Garten kultivieren, lesen Sie hier.

Eine weit geöffnete, orangerote Blüte mit schwarzen Punkte im Inneren der Blütenblätter von einer Mohn-Pflanze
Die seidigen, leuchtend orangeroten Blüten des Türkischen Mohns zieren Bauerngärten und Staudenbeete. Bildrechte: MDR/Michael Wenkel

Wenn im Frühsommer der Türkische Mohn (Papaver orientale) seine weißen, orange- oder blutroten Blüten öffnet, stellt er andere Pflanzen im Staudenbeet locker in den Schatten. Daher braucht die Partnerwahl etwas Fingerspitzengefühl: Begleitpflanzen für den Mohn dürfen seinen großen, seidigen Blüten im Mai und Juni nicht die Schau stehlen. Sie sollten aber dafür sorgen, dass nach der Mohnblüte keine kahlen Stellen im Beet bleiben. Denn wenn die Prachtstaude verblüht, zieht sie ein.

Die üppig blühende Katzenminze oder der Sonnenhut zum Beispiel eignen sich deshalb gut als Mohn-Partner. Gärtnermeister Uwe Schachschal aus Erfurt rät außerdem zu Iris oder Rittersporn. Auch Astern oder die mehrjährigen Staudensonnenblumen helfen, Lücken im Beet zu schließen. Sie wachsen und blühen erst, wenn der Türkische Mohn seinen großen Auftritt hatte. Uwe Schachschal empfiehlt außerdem, nur eine bis drei Exemplare auf einem Fleck zu pflanzen. "So wird die Lücke nicht zu groß, wenn der Mohn verblüht ist", sagt der Gärtnermeister aus dem Egapark.

Mohnstauden vermehren

Zwei Stiele mit Kapseln eines bereits abgeblühten Türkischen Mohns in einem Staudenbeet im egapark in Erfurt
Wenn der Mohn verblüht ist, hinterlässt er eine Lücke im Staudenbeet. Daher sollte er mit Pflanzen kombiniert werden, die die kahle Stelle verdecken. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Türkischer Mohn wird am besten im Sommer über Wurzelschnittlinge vermehrt. Der Vorteil ist, dass auf die Art sortenechte Pflanzen entstehen. Bei der Vermehrung über Aussaat kann es passieren, dass sich die Sämlinge von den ursprünglichen Pflanzen sehr stark unterscheiden.

Der Juli ist die richtige Zeit, um Wurzelschnittlinge zu gewinnen. Dazu werden verblühte Mohnpflanzen aus der Erde gezogen oder ausgegraben, um an die Pfahlwurzeln zu gelangen. Von diesen werden zwei bis vier Zentimeter lange Stücke abgeschnitten und in lockere, nährstoffarme Erde gesetzt.

Ganz wichtig: Die Wurzelschnittlinge dürfen nicht verkehrt herum eingegraben werden. "Die Wurzelteile, die vorher nach oben gezeigt haben, müssen auch beim Einpflanzen wieder nach oben weisen", sagt Schachschal. Mit etwas Glück und bei entsprechender Pflege wachsen aus den Wurzelschnittlingen junge Mohn-Pflanzen, die dann im Herbst in den Garten gesetzt werden können.

Standort und Pflege für Türkischen Mohn

Am besten wächst und blüht Mohn in der vollen Sonne. Der Boden muss durchlässig sein, damit keine Staunässe entsteht. Bevor die großen, schweren Blüten umzukippen drohen, sollten sie im Frühsommer gestützt werden. Die Staude muss vor Schnecken geschützt werden, wenn die Tiere am jeweiligen Standort des Mohns ein Problem darstellen. Das welke Laub sollte im Sommer erst abgeschnitten werden, wenn es sich gelbbraun verfärbt hat. Eine günstige Zeit, um Türkischen Mohn zu pflanzen, ist der Herbst.

Schlafmohn: Anbau in Deutschland streng geregelt

Zwei Hände halten eine quer durchgeschnittene Kapsel von Türkischem Mohn und zeigen das Innere mit den dunklen Mohnsamen
Die Samen aus den Kapseln des Türkischen Mohns eignen sich nicht zum Backen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Die Samen aus den Kapseln des Türkischen Mohns sind nicht genießbar. Zum Backen kommen die Samen einer anderen Mohn-Art zum Einsatz, nämlich die des Schlafmohns (Papaver somniferum). Die dunklen, ölhaltigen, nussig schmeckenden Körner finden in Brötchen, Kuchen und Nachspeisen Verwendung.

Doch wer seinen eigenen Backmohn im Garten ziehen und herstellen möchte, braucht dafür eine Erlaubnis: Der Anbau von Schlafmohn muss in Deutschland durch die Bundesopiumstelle genehmigt werden. Solche Genehmigungen erteilt die Behörde im privaten Bereich für maximal zehn Quadratmeter und jeweils nur für drei Jahre. Es dürfen außerdem nur bestimmte, zugelassene Schafmohn-Sorten angebaut werden. Bei ihnen ist der Gehalt an berauschenden Inhaltsstoffen durch Züchtung niedriger gehalten.

Rote Blüten einer Mohn-Pflanze der Sorte Türkenlouis
Die Sorte 'Türkenlouis' zeichnet sich durch blutrote Blütenblätter aus, die an den Rändern ausgefranst sind. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Auf einen Blick
Heimat Iran, Türkei, Kaukasus
Pflanzenfamilie Mohngewächse (Papaveraceae)
Wuchs Die Prachtstaude wird bis einen Meter hoch und wächst in Büscheln mit borstig behaarten Stielen sowie graugrünen, fiederspaltigen Blättern.
Blüte je nach Sorte fast weiß, hellrosa, orangerot, tiefrot oder violett
Blütezeit je nach Sorte von Mitte Mai bis Anfang Juli
Standort volle Sonne
Boden durchlässig, humusreich, fruchtbar
Winterhart ja, im Winter ist eine Schutzschicht aus Reisig hilfreich
Mehrjährig ja
Besonderheiten der aus verletzten Pflanzenteilen austretende Milchsaft ist giftig
Mohn 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mohn ist dank seiner großen, leuchtend bunten Blüten ein Blickfang im Garten und versorgt Insekten mit Nahrung.

MDR FERNSEHEN So 07.06.2020 08:30Uhr 03:52 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/pflanzen/klatschmohn-ackerwildkraut-naturgarten-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Klatschmohn für den Garten

Eine andere Mohn-Art ist der Klatschmohn (Papaver rhoeas). Im Gegensatz zum mehrjährigen türkischen Mohn ist der Klatschmohn nur zweijährig und wird bis zu 90 Zentimeter hoch. Besonders wohl fühlt sich der Mohn in der Nähe von Getreide. In voller Blüte steht er von Mai bis Juni und wird dann zum Magneten für Bienen und Hummeln. Die bekommen hier zwar keinen Nektar - den hat der Klatschmohn nämlich nicht - aber dafür die grünen Pollen. Jede Mohnblüte produziert etwa 2,5 Millionen Pollenkörner. Früher leuchteten die Blüten des Klatschmohns von allen Feldrändern. Aber durch den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln sind dort nur noch wenige rote Blüten zu entdecken. Um auf den Rückgang der hübschen Ackerwildpflanze aufmerksam zu machen, wurde sie 2017 zur Blume des Jahres gewählt. Klatschmohn sucht sich seinen Platz auf Wiesen, in Parks und auf Brachen. Aber auch im Garten fühlt er sich an sonnigen Plätzen wohl und setzt hübsche rote Tupfer.

Klatschmohn säen

Mohnblüten zwischen hohen Getreidehalmen
Nur noch vereinzelt steht Mohn am Rand der Getreidefelder. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf

Wer Klatschmohn im Garten ansiedeln möchte, greift zu Samen. Zum Aussäen: die feinen Samen mit Sand mischen und in einen Salzstreuer füllen. Dann auf den vorbereiteten Boden streuen. Das war alles. Klatschmohn sollte möglichst dort ausgesät werden, wo er wachsen soll. Die langen Pfahlwurzeln des Mohn erschweren ein Umsetzen der kleinen Pflanzen.

Neben den klassischen roten Blüten gibt es im Gartenfachhandel auch Sorten mit farbigen Blüten. Diese werden als Seidenmohn angeboten. Einige tragen weiße Tupfer inmitten der Blüte, andere schwarze, manche gar keine. Die Palette reicht von rot gesprenkelten, über rosefarbene und gecrashte bis hin zu hellgeränderten Blüten. Sogar reinweiße gibt es.

Standort und Pflege für Klatschmohn

Der Klatschmohn ist anspruchslos. Die Wiesenblume wächst auch auf trockenen, wenig nährstoffreichen Böden, oft sogar am Feldrand oder aus Fugen zwischen Steinen heraus - hauptsache es ist sonnig. Größere Blüten entwickeln sich, wenn der Boden durchlässig und kalkhaltig ist. Auch der Wasserbedarf des Klatschmohns ist bescheiden, gegossen werden sollte er allerdings, wenn es über eine lange Zeit sehr trocken ist. Der Klatschmohn samt stark aus. Wer eine zu starke Ausbreitung vermeiden möchte, sollte Verblühtes regelmäßig entfernen.

Eine Wiese voller Mohnblüten
Wunderschön leuchten die vielen Blüten des Klatschmohns, die sich auf dieser Brache selber angesiedelt haben. Bildrechte: MDR/Annett Zündorf

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 07. Juni 2020 | 08:30 Uhr

Pflanzen fürs Staudenbeet