Vorsicht, hungrige Pflanze! Karnivoren: Faszinierende fleischfressende Pflanzen

Zahllose Menschen finden fleischfressende Pflanzen faszinierend, denn sie kehren das übliche Prinzip um. Nicht Tier frisst Pflanze, sondern es ist genau umgekehrt. Weltweit gibt es mehr als 1.000 Arten. Sie gedeihen vom Nordkap bis zu den Tropen. Zu Gast beim MDR Garten war der Karnivoren-Experte Thomas Carow. Er stellte einige Arten und Sorten vor und erklärte die verschiedenen Fangmechanismen.

Fleischfressende Pflanze mit Fliege 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Fleischfressende Pflanze mit Fliege 3 min
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Fleischfressende Pflanzen locken Tiere in die Falle. Einmal gefangen, gibt es kein Entkommen mehr. Die Pflanzen sondern Verdauungsenzyme ab, die das Fleisch zersetzen. Es sind übrigens die gleichen Enzyme wie bei uns Menschen. Die zersetzten Eiweißstoffe der Beute werden aufgeschlüsselt und der Pflanze als Stickstoff zugeführt. Deswegen kommen fleischfressende Pflanzen auch auf nährstoffarmen Böden gut zurecht. Sie versorgen sich als erfolgreiche Jäger sozusagen selbst.

Pflanzen von A bis Z | Ziergarten Karnivoren - Fleischfressende Pflanzen vorgestellt

Fleischfressende Pflanzen haben vier unterschiedliche Fangmechanismen. Es gibt sblühende Exemplare, die mit Hilfe von Bläschen an den Wurzeln Mikroorganismen aus dem Boden aufsaugen. Hier stellen wir die Pflanzen vor.

Zwei Männer stehen vor einem Tisch mit Pflanzen.
Karnivoren-Experte Thomas Carow stellte verschiedene fleischfressende Pflanzen beim MDR Garten vor und erklärte, wie sie ihre Beute fangen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Zwei Männer stehen vor einem Tisch mit Pflanzen.
Karnivoren-Experte Thomas Carow stellte verschiedene fleischfressende Pflanzen beim MDR Garten vor und erklärte, wie sie ihre Beute fangen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Fleischfressende Kannenpflanze.
Diese fleischfressende Kannenpflanze kommt aus Asien. Form, Farbe und Geruch der Kannen locken Beutetiere an. Beim Versuch, vom Nektar am Kannenrand zu naschen, können die Tiere leicht abrutschen und ins Kanneninnere fallen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Fleischfressende Kannenpflanze.
Einmal in die Kanne gefallen gibt es kein Entrinnen mehr. Die Wände sind zu glatt, um wieder emporzuklettern. Die Insekten ertrinken in der kanneneigenen mit Enzymen versetzten Flüssigkeit. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Fleischfressende Pflanze mit hellgrünen klebrigen Blättern.
Die Blätter des Fettkrauts besitzen auf den Blättern Drüsen, die einen klebrigen Fangschleim absondern. Kleine Insekten werden angelockt, gefangen und festgehalten. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Fleischfressende Pflanze. An den Blättern sind kleine Härchen mit einer klebrigen Flüssigkeit.
Der Sonnentau arbeitet nach demselben Prinzip. Durch die kleinen Härchen mit einer klebrigen Flüssigkeit werden Insekten festgehalten. Das Blatt rollt sich ein und beginnt die Tiere zu verdauen.   Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Carnivoren Sonnentau
An den Blättern dieses Sonnentaus befinden sich kleine Tentakeln, die ihre Beute regelrecht umschließen können. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Fleischfressende Schlauchpflanze.
Fleischfressende Pflanzen brauchen viel Licht und einen feuchten Standort. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Fleischfressende Schlauchpflanze.
Diese fleischfressende Schlauchpflanze wächst ursprünglich in Amerika. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Fleischfressende Pflanze mit Blättern, die auf Berührung reagieren und sich dann schließen.
Besonders faszinierend für Kinder ist die Venusfliegenfalle. Sie reagiert auf die zweite Berührung innerhalb von 40 Sekunden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 15. April 2018 | 08:30 Uhr

Fangmechanismen fleischfressender Pflanzen

Es gibt vier verschiedene Fangmechanismen, die sich fleischfressende Pflanzen zu Nutze machen.

Klappfalle

Die Klappfalle wird zum Beispiel von der Venusfliegenfalle genutzt. Sie zu beobachten ist faszinierend, vor allem für Kinder. Wird das Blatt innerhalb von 40 Sekunden zwei Mal berührt, schnappt die Falle zu. Die Pflanze zählt sozusagen mit und wartet auf einen zweiten Kontakt des Beutetiers mit der Pflanze. Damit kann sie ausschließen, dass ein heruntergefallenes Blatt als Opfertier angesehen wird. Beim zweiten Kontakt, beispielsweise mit einer kleinen Fliege, schließt sich das Blatt und hält die Beute fest. Der Verdauungsprozess beginnt.

Klebefallen

Auch mit kleinen, glitzernden Klebtropfen locken fleischfressende Pflanzen Tiere in die Falle. Der süße Nektar an den Blättern der fleischfressenden Pflanze „Sonnentau“ lockt Insekten an. Einmal gefangen rollt sich das Blatt über dem Tier ein und sondert das Verdauungsenzym ab. Bis zu 200 Insekten können gleichzeitig verdaut werden.

Fallgruben

Fallgruben gehören zu den größten Fallen fleischfressender Pflanzen. Im Gartencenter werden beispielsweise die Schlauchpflanzen aus Nordamerika angeboten oder die Kannenpflanze aus Asien. Kannen- und Schlauchpflanzen können sechs bis acht Meter in Bäumen hochranken und Fallen bis zu einem halben Meter Größe ausbilden. In solchen Fallen wurden auch schon Skelette von Mäusen und Ratten gefunden.

Saugfallen

Die vierte Variante, Tiere in die Falle zu locken, sind so genannte Saugfallen. Die hübschen, harmlos wirkenden Blühpflanzen gehören zu den Wasserschlauchgewächsen. Sie besitzen winzig kleine Saugfallen, die sich in der Erde befinden. Die sandkorngroßen Bläschen saugen innerhalb von Millisekunden Mikroorganismen aus dem Boden an.

Pflege fleischfressender Pflanzen

Grundsätzlich gehören Karnivoren zu den mediterranen Pflanzen, die einen Torfboden brauchen. Sie sind pflegeleicht, wenn man ein paar Grundregeln beachtet. Sie brauchen viel Licht, sollten also an einem Platz am Südfenster stehen. Auch ein eher feuchtes Klima ist wichtig,  denn die Pflanzen dürfen nicht austrocknen. Ein feuchtes Klima kann auch mit Hilfe eines Mini-Gewächshauses erzeugt werden. Zum Gießen sollte kalkfreies Wasser genutzt werden. Destilliertes Wasser oder Regenwasser eignen sich gut. Gedüngt werden müssen die Pflanzen nicht, alles was sie brauchen bekommen sie von der gefangenen Beute.

Standort für fleischfressende Pflanzen

Es gibt auch heimische winterharte Karnivorenarten, die sich beispielsweise für Moorbeete im Garten eignen, zum Beispiel der rundblättrige Sonnentau. Er braucht einen feuchten und sonnigen Standort.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Veranstaltungstipps für Ostthüringen | 14. Juni 2019 | 07:30 Uhr