Was ist erlaubt? Obst am Straßenrand pflücken und sammeln

(Quelle: Rechtsanwalt Volkmar Kölzsch)

Mit dem Pflücken und Auflesen von Obst auf Feldern oder am Straßenrand ist das so eine Sache. Viele gehen eher lax damit um, aber irgendjemandem gehört das Grundstück auf dem der Obstbaum steht und derjenige muss gefragt werden, bevor Obst aufgesammelt oder gar gepflückt werden darf. So ist die Rechtslage.

Apfelbäume an Wiese mit Schild Privat auf Holzpfahl
Jedes Grundstück hat einen Eigentümer. Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Früchte vom Straßenrand und von Streuobstwiesen ernten und mitnehmen

Wald, Felder, Wege – alles hat einen Besitzer, einen Mieter oder einen Pächter – jemanden, der für das Grundstück verantwortlich ist. Zwar gehen die Meisten mit dem Aufsammeln von Streuobst gelassen um, die Rechtslage ist aber eindeutig, sagt Rechtsanwalt Volkmar Kölzsch. Nur mit der Zustimmung von Besitzer oder Mieter dürfen Äpfel, Birnen oder Nüsse gesammelt werden.

Mundraub: Internetseite nennt Fundstellen und Bedingungen

Auf Mundraub-Tour in Leipzig
Wichtige Info: wem gehört der Baum? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Internetseite mundraub.org will Menschen mit Obstbäumen verbinden. Dafür informiert sie europaweit über Bäume und Sträucher, die nicht abgeerntet werden. Die Gründer haben jedoch Regeln aufgestellt: "Mundräuber" sollen sich bei den zuständigen Behörden erkundigen, ob die Obstbäume auf öffentlichem Grund stehen. Sie weisen darauf hin, dass die Bäume entlang einer Landstraße verpachtet sein können oder dass Obstwiesen in Privatbesitz sind. Eigentumsrechte sollen nicht verletzt werden, lautet die erste "Mundräuber-Regel". Denn Mundraub ist Diebstahl und damit eine Straftat.

Welche Regeln gibt es bei Mundraub zu beachten?

Ernten Sie nur Früchte, die sie kennen und die tatsächlich essbar sind. Vor allem bei Beeren und Kräutern ist die Verwechslungsgefahr groß. Beispielsweise werden Bärlauch und Maiglöckchen leicht verwechselt. Ernten Sie außerdem nur reife Früchte. Achten Sie an Straßen darauf, dass heruntergeschütteltes Obst nicht auf der Fahrbahn landet. Stellen Sie an Straßen außerdem sicher, dass sie den Verkehr nicht behindern.

Ein großer Baum mit grünen Blättern steht auf einer Plantage mit vielen anderen Bäumen.
Schade, wenn diesen Baum keiner aberntet. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Was ist Mundraub?

Zunächst wurde mit Mundraub juristisch die Entwendung von geringen Lebensmittelmengen für den baldigen Eigenverzehr bezeichnet. Ursprünglich wurde der Mundraub-Paragraph eingeführt, damit arme Menschen, die vor Hunger auf dem Markt mal Weintrauben oder beim Nachbarn einzelne Äpfel entwenden, nicht mit "echten" Dieben, die sich bereichern wollen, gleichgesetzt werden. Mundraub war also vom herkömmlichen Diebstahl zu unterscheiden – auch in der Bestrafung. Seit 1975 ist das anders: Der Mundraub-Paragraph wurde in diesem Jahr abgeschafft. Seitdem gibt es Mundraub als Straftat nicht mehr. Wer Obst und Gemüse vom Markthändler klaut, hat einen ganz normalen Diebstahl begangen und muss sich dafür verantworten. (Quelle: Kai Gildhorn von mundraub.org)

Der Artikel garantiert keine verbindliche Rechtsauskunft.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 24. November 2019 | 08:30 Uhr