Interview Wie Corona Museen zu schaffen macht

Das Kunstmuseum Moritzburg in Halle musste Mitte März im Zuge der Corona-Einschränkungen eine spektakuläre Karl-Lagerfeld-Ausstellung nach nur sechs Tagen schließen. Ursprünglich sollte sie bis zum 23. August dauern. Noch ist unklar, ob und wann die Schau wieder zu sehen ist. Und auch eine für Herbst geplante Toulouse-Lautrec-Ausstellung gerät in Gefahr. Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich spricht über die Schwierigkeiten von Museen in der Coronakrise.

Ausstellung Karl Lagerfeld Moritzburg Halle
Teile der Karl-Lagerfeld-Ausstellung sind im Innenhof der Moritzburg Halle frei zugänglich. Bildrechte: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

MDR KULTUR: Nach nur sechs Tagen Öffnung haben Sie die Karl-Lagerfeld-Retrospektive wieder zumachen müssen. Kann es das gewesen sein?

Thomas Bauer-Friedrich: Das kann es und soll es und darf es auch nicht gewesen sein. Die Ausstellung wartet ja im Prinzip nur, dass wir wieder aufmachen können. Seit wir geschlossen haben, seit 14. März, versuchen wir, die Ausstellung bei unserem Publikum im Bewusstsein zu halten über zahlreiche mediale, also digitale Angebote. Und das Schöne ist, es gibt ja auch einen Ausstellungsbereich open-air im Innenhof, der Innenhof ist frei zugänglich, also den kann man sich anschauen. Und die Ausstellung kann dann entsprechend verlängert werden, wenn wir wieder aufmachen und wissen, wie die weitere Jahresplanung laufen kann.

Fangen Sie dann mit der Werbung wieder von vorne an? Haben Sie das Geld dafür?

Das ist das große Problem und das Ärgerliche, Traurige, denn wir hatten am 7. März eröffnet. In der Woche darauf, die einzige Woche, die auf war, hatten wir eine große, deutschlandweite Werbekampagne, eine sehr große Summe Geldes in die Hand genommen, und im Prinzip muss das Geld jetzt nochmal in die Hand genommen werden – ungeplant natürlich. Das heißt wir werden schauen müssen, wie wir das Geld zusammentragen im Haushalt, damit wir dann neu wieder bekannt machen können, dass es die Ausstellung nach wie vor und wieder gibt.

Wie schätzen Sie das insgesamt ein, wird das Publikum glücklich strömen, endlich wieder offen – oder werden viele Museen auch erinnern müssen: Hallo, wir sind auch noch übrig von vorher?

Thomas Bauer-Friedrich
Thomas Bauer-Friedrich, Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Halle Bildrechte: imago/VIADATA

Wir kriegen schon mit, allein über die Reaktion auf unsere Social-Media-Posts, die wir täglich mehr oder weniger machen, dass ein großes Bedürfnis da ist, die Werke auch im Original zu sehen. Das Digitale Gott sei Dank ersetzt nicht alles. Wir werden abwarten müssen, wie die Reiselust und –laune und Zuversicht unseres Publikum ist. Denn gerade so eine Schau wie Lagerfeld hat natürlich auf nationales, internationales Publikum, das also von weit her anreist, geschaut.

Und was mich ein wenig sorgenvoll stimmt, ist, dass wir letztendlich eine einmalige Situation in der Geschichte von Museen und Ausstellungen künftig dann haben, dass wir alle zur gleichen Zeit wieder ans Netz gehen und alle letztendlich um die Aufmerksamkeit der Medien buhlen. Und das wird schon eine besondere Kraftanstrengung erzeugen.

Zur Zeit passiert wahnsinnig viel online, auch für die Museen. Wie sehr wird das die Museen für die Zukunft verändern?

Der eine Punkt, was mich zuversichtlich und freudig stimmt, das ist jetzt nochmal bewiesen, dass das Digitale das Original nicht ersetzt. Die Aura des Originals ist nach wie vor gegeben. Aber was wir vor allen Dingen auch hier im Haus merken, auch wir haben in der Vergangenheit, in Vor-Corona-Zeiten nicht so massiv auf Digitales gesetzt und merken jetzt, in den Zeiten, wo wir uns sehr stark darauf konzentrieren, wie viel Kraft, Technik und auch Personal dafür notwendig ist.

Und das wird alleine die Ausstattung, die Aufstellung der Museen, wenn sie das denn in qualitativ guter Form künftig fortführen wollen, wird also die Ausstattung der Museen nochmal ganz neu herausfordern.

Lagerfeld werden Sie also dann bald hoffentlich mit Abstand wieder aufmachen. Was ist mit dem nächsten großen Projekt, Toulouse-Lautrec, für Oktober geplant, da müssen Sie sich ja viel leihen. Wie geht das eigentlich mit dem internationalen Tauschverkehr in der Kunst gerade?

Das ist die große Schwierigkeit. Da natürlich der internationale Leihverkehr einen sehr großen Vorlauf hat – Ausstellungen werden mit zwei, drei, vier Jahren Vorlauf geplant, Leihgaben werden verabredet. Die Toulouse-Lautrec-Schau, die eigentlich ab 4. Oktober laufen sollte, schwebt im Moment. Es ist unklar, wie es damit weitergeht.

Ins nächste Jahr kann ich sie definitiv nicht verlegen, weil die Werke dann schon wieder für andere Projekte zugesagt sind. Das heißt, dass ist hier die große Unsicherheit, die wir Museen im Moment alle haben, weil wir nicht wissen, wann wir wieder öffnen dürfen und wie wir dann die zweite Jahreshälfte vom Programm gestalten können.

Das Interview führte MDR KULTUR-Moderator Carsten Tesch.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. April 2020 | 08:10 Uhr

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