Lesezeit | 06.01.–10.01.2020 Peter Handke: Die linkshändige Frau

Der Österreicher Peter Handke gehört zu den bedeutendsten und umstrittensten Autoren der Gegenwart. Für sein literarisches Gesamtwerk wurde er 2019 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Seine 1976 erschienene Erzählung "Die linkshändige Frau" handelt vom Ende einer Ehe und der Selbstsuche einer Frau. Es liest Maren Kroymann.

Peter Handke posiert für ein Foto.
Bildrechte: imago/Agencia EFE

Marianne, dreißig Jahre alt, und ihr Mann Bruno, ein leitender Angestellter, leben mit ihrem gemeinsamen achtjährigen Sohn Stefan in einer Bungalowsiedlung unweit einer größeren Stadt. Als Bruno von einer mehrwöchigen Geschäftsreise zurückkehrt, erzählt er seiner Frau, wie ihm durch die Erfahrung der Einsamkeit und Fremdheit in Finnland seine Verbundenheit mit ihr bewusst geworden sei. „auf Leben und Tod. ... und das Seltsame ist, daß ich sogar ohne euch sein könnte, nachdem ich das erlebt habe“.  Am Tag darauf beschließt Marianne, sich von Bruno zu trennen.

Sie schauten einander sehr lange an, erst unernst, dann nervös, erschreckt, schließlich gefaßt. Bruno: "So, jetzt sag es." Die Frau: "Ich hatte auf einmal die Erleuchtung“ – sie mußte auch über dieses Wort lachen - , daß du von mir weggehst; dass du mich allein lässt. Ja, das ist es: geh weg Bruno. Laß mich allein.

Peter Handke Die linkshändige Frau

Selbstsuche eines Menschen

Bruno akzeptiert die Trennung scheinbar widerspruchslos. Am Nachmittag holt er seine Koffer ab und zieht zu einer gemeinsamen Bekannten. Marianne bleibt allein mit ihrem Sohn im Bungalow zurück.

Sie beginnt wieder, wie bereits vor ihrer Ehe, als Übersetzerin zu arbeiten. Den Versuchen ihres Mannes, sie zurückzugewinnen, widersteht sie ebenso, wie dem wohlgemeinten Angebot ihrer Freundin, einer Frauengruppe beizutreten. Sie erträgt die selbstgewählte Einsamkeit und schöpft daraus neue Kraft.

Wenn mir in Zukunft jemand erklärt, wie ich bin – auch wenn mir jemand schmeicheln will oder mich bestärken will – werde ich mir diese Frechheit verbieten.

Peter Handke Die linkshändige Frau

Peter Handke schrieb "Die linkshändige Frau" 1976 parallel zum Drehbuch für den gleichnamigen Film, der 1977 fertigstellt wurde. Mit spröder Zartheit erzählt er vom Ende einer Beziehung und dem Selbstfindungsprozess einer Frau.

Der Schriftsteller Peter Handke

Peter Handke wurde am 6. Dezember 1942 in Griffen (Kärnten) geboren. Sein leiblicher Vater war ein verheirateter deutscher Bankangestellter, der als Soldat in Kärnten stationiert war. Seine Mutter gehörte zur slowenischen Minderheit. Noch vor Handkes Geburt heiratete sie den Berliner Straßenbahnschaffner und Wehrmachtssoldaten Bruno Handke.

Nach dem Abitur im Jahr 1961 begann Handke ein Jurastudium in Graz, dass er 1965 abbrach, nachdem der Suhrkamp Verlag das Manuskript für seinen Debütroman "Die Hornissen" angenommen hatte. 1966 gelang ihm der Durchbruch mit der Aufführung seines Sprechstücks "Publikumsbeschimpfungen". Zu seinen bekanntesten Prosawerken zählen "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" (1970), "Der kurze Brief zum langen Abschied" (1972), sowie "Versuch über die Jukebox" (1990) und "Versuch über den geglückten Tag" (1991).

Heftige öffentliche Kontroversen lösten in den neunziger Jahren Handkes Schriften zum Zerfall Jugoslawien aus, die bis heute andauern. 2019 wurde Peter Handke mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt, „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlichem Einfallsreichtum Randbereiche und die Spezifität menschlicher Erfahrungen ausgelotet hat." Der Schriftsteller lebt seit 1990 in Chaville bei Paris.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR-Lesezeit
"Die linkshändige Frau" (5 Folgen)
Von Peter Handke

Es liest: Maren Kroymann
Regie: Claus-Ulrich Bielefeld, Ralph Schäfer
Produktion: SFB 1986

Sendung:
06.01.–10.01.2020 | 09:05-09:35 Uhr

Wiederholung:
06.01.–10.01.2020 | 19:05-19:35 Uhr

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Peter Handke: Die linkshändige Frau
Bildrechte: Suhrkamp

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Suhrkamp 2002
ISBN: 978-3518399347
8,00 Euro

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