Debatte im Zeitgeschichtlichen Forum Axel Krause: "Wenn Kunst nicht gezeigt wird, ist sie nicht frei"

Im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig hat es am Mittwochabend eine Podiumsdiskussion über Kunstfreiheit gegeben. Anlass war der Streit um den Ausschluss des AfD-nahen Malers Axel Krause von der Leipziger Jahresausstellung, der im Juni bundesweit Diskussionen ausgelöst hatte. Krause war einer der Gäste auf dem Podium. Die übrigen Diskussionsteilnehmer waren weitere Künstler, Kuratoren und Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange.

Uwe Neumann (l-r), Leiter der Kunsthalle Rostock, Jürgen Reiche, Direktor Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Eva-Maria Stange (SPD), Kunstministerin von Sachsen, Axel Krause, Maler, Rüdiger Giebler, Maler und Grafiker, und Christoph Tannert, Leiter des Berliner Künstlerhauses Bethanien, stehen vor einer Podiumsdiskussion zusammen.
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion - von links: Uwe Neumann, Leiter Kunsthalle Rostock; Jürgen Reiche, Direktor Zeitgeschichtliches Forum Leipzig; Eva-Maria Stange (SPD), Kunstministerin von Sachsen; Axel Krause, Maler; Rüdiger Giebler, Maler und Grafiker und Christoph Tannert, Leiter des Berliner Künstlerhauses Bethanien. Bildrechte: dpa

Die Atmosphäre bei der Gesprächsrunde über die Freiheit der Kunst und den Ausschluss des Leipziger Malers Axel Krause war locker. Jürgen Reiche, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig, moderierte die Debatte, provozierte gar Lacher, kritisierte aber auch die Gesprächskultur, die mit der Krause-Debatte in Leipzig eingebrochen zu sein scheint: Man rede nicht mehr miteinander, sondern nur noch übereinander.

So hatte man sich in einem vorangegangenen Forum im Leipziger Museum der bildenden Künste entschieden, die Kontrahenten in verschiedenen Gesprächsrunden zu trennen. Ein Bärendienst für die Demokratie, so Reiche.

Das soll hier auch kein Tribunal werden, sondern es geht darum, sich hier auszutauschen über gegensätzliche Meinungen.

Jürgen Reiche, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig

Das taten die Diskutanten, wobei die Runde relativ schnell klärte, dass nicht die Kunst in unserem Land unfrei sei, sondern vielmehr die Institutionen, die sie befördern oder nicht befördern, die da sind Politik, Museen, Förderprogramme.

Uwe Neumann, Leiter der Kunsthalle Rostock, führte aus, es gehe ja nicht um die Freiheit der Kunst dabei: "Es geht einfach um kuratorische Konzepte. Die Kunst sehe ich da nicht gefährdet, die Kunst kann frei sein. Ob sie dann gezeigt wird, ist was anderes, aber die Kunst ist nach wie vor frei." Darauf warf der Maler Axel Krause ein: "Also, wenn sie nicht gezeigt wird, dann ist sie auch nicht frei. Und wenn die kleine 'Thérèse' von Balthus abgehängt wird, dann ist die Kunst nicht frei."

Freie Kunst braucht freie Kuratoren

Trotz Krauses Entgegnungen sah die Runde weniger die Freiheit der Kunst bedroht, sondern wie und ob sie ausgestellt wird. Der Druck der Debatte laste letztlich auf den Kuratoren. So forderte Uwe Neumann die Gesellschaft auf, starke Kuratoren zu fördern und sie auch vor Angriffen zu schützen, Kuratoren, die Kunst so präsentieren, wie sie es für richtig halten.

Kurator Christoph Tannert, der bereits selbst mit Anwürfen und Einmischung aufgrund seiner Ausstellungspraxis konfrontiert war, dem seine Kritiker, Zitat Tannert, "institutionellen Rassismus als nicht-schwarzer Kurator zum Thema Afro-Futurismus" vorwarfen, sieht denn auch eine permanente gesellschaftliche Debatte, die auch in Bezug auf die Meinungsfreiheit Regeln der Einschränkung formuliere:

"Wir haben es mit einer Debatte um Sittlichkeit zu tun. Aktuell wird diese Debatte befeuert durch eine internationale junge Crew von Künstlerinnen und Künstlern, die weltweit unterwegs sind und die natürlich auch bestimmte Entwicklungen, die aus den USA, Ostküste, Westküste, kommen, international auch zur Debatte stellt", so Tannert.

Er habe damit political correctness, gar Einschränkungen, im Blick, etwa, wenn Bilder in Museen verhängt werden, beispielsweise nach Päderastie-Vorwürfen gegen den Maler Balthus, oder aber indizierte Musik wegen expliziter Texte.

Finanzielle Mittel als "eine Art Zensur"

Andererseits stehen die Ausstellungs-Häuser unter finanziellem Rechtfertigungsdruck. Das liebe Geld sei manchmal eben auch eine Art von Zensur, wenn die Politik es verteilt, räumte Eva-Maria Stange, Sachsens Kunst- und Wissenschaftsministerin, ein: "Die Grenzen setzten wir in der Politik dadurch, indem wir sagen: Wieviel Geld geben wir aus? Und wofür geben wir das Geld aus?"

Diese Diskussion sei in der Wissenschaft schon viel früher geführt worden, so Stange. So seien nach dem Ausstieg aus der Kernenergie kaum noch öffentliche Gelder für Kernforschung ausgegeben worden, obwohl das aus ihrer Sicht dringend notwendig gewesen wäre.

Die Gesprächsrunde verhandelte nicht nur die Freiheit von Wissenschaft und Kunst, Politik und Ausstellungskuratoren, sondern auch ganz konkret den Ausschluss des Malers Axel Krause aus der Leipziger Jahresausstellung. Krause stellte sich kritischen Stimmen - etwa der Hallesche Maler Rüdiger Giebler kritisierte ihn scharf - ob seines despektierlichen Sprachgebrauchs im Internet.

Krause wirft Veranstaltern "Einknicken" vor

Aber auch die Organisatoren der Jahresausstellung mussten sich noch einmal von Axel Krause fragen lassen, warum sie ihn, da sie ihn für die Jahresausstellung nominiert hatten, wieder ausluden.

"Hintenherum habe ich erfahren: Letzen Endes scheinen Galeristen und Künstler Druck auf den Verein ausgeführt zu haben, so dass die letzten Endes eingeknickt sind", so Krause. Er betonte, er ordne es "außerordentlich positiv" ein, dass er überhaupt für die Ausstellung vorgeschlagen worden sei – "denn das ist momentan in unserem Land nicht mehr ganz selbstverständlich", so Krause.

Die Runde im Zeitgeschichtlichen Forum bemühte sich redlich, zwischen den verhärteten Polen in der Causa Krause zu vermitteln. Dass man von Haus mit politischen Fragestellungen vertraut ist, machte sich in der Debatte wohltuend bemerkbar. Denn letztlich geht es zwar um die Freiheit der Kunst, aber eben auch um Politik und Moral.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. August 2019 | 13:10 Uhr

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