Erinnerung zum 80. Geburtstag "Alien" – Wie HR Giger das Filmmonster erfand

Dass Ridley Scotts "Alien" in die Filmgeschichte einging, liegt auch an ihm: HR Giger, Schöpfer des Filmmonsters. Am 5. Februar 1940 wurde er als Hans Ruedi Giger im schweizerischen Chur geboren. Ein Kaff, wie er sagte. Zum Glück gab es dort aber ein ägyptisches Museum mit Mumie und einen Totenschädel aus der Apotheke des Vaters. Der Junge, der am liebsten in einem dunklen, fensterlosen Raum spielte, kreierte bald selbst dunkle Wesen – und irgendwann kamen die Leute aus Hollywood ...

Alien in einer Fimszene, 1979
Szene aus "Alien", 1979. Seine Arbeit für den Film brachte HR Giger einen Oscar ein. Bildrechte: imago images / Mary Evans

Ridley Scotts "Alien" ist unverwüstlich: Sechs Spielfilme gibt’s, ein siebter ist geplant, im letzten Jahr gönnte man der Fangemeinde eine Reihe von Kurzfilmen.

Aliens Ellen Ripley im Film Alien 1986
Sigourney Weaver alias Ellen Ripley in "Alien", 1986 Bildrechte: IMAGO

Sigourney Weaver, der Hauptdarstellerin der ersten vier Filme, brachte die Rolle als Ellen Ripley großen Ruhm. Den Look der Außerirdischen kreierte HR Giger, dafür wurde ihm gleich 1979 ein Oscar zuerkannt. 

Dabei kam der Schweizer, der am 5. Februar 1940 in Chur geboren wurde, zunächst mit einem Plattencover für Debbie Harry zu Ruhm.

"Koo Koo" – Cover für Debbie Harry-Album sorgt für Aufsehen

Im Video zum Song "Now I Know You Know" bewegt sich die auf Solopfaden wandelnde Blondie-Sängerin durch den finsteren Kunstkosmos HR Gigers, tritt als Wesen auf, das dieser seltsamen Welt entsprungen zu sein scheint. Zum eigentlichen Aufreger avancieren indes weder Song noch Video, sondern das "Koo Koo"-Plattencover, ebenfalls eine Giger-Produktion.

HR Giger, 2011
HR Giger, 2011 Bildrechte: IMAGO

"Als Debbie anrief, sah ich sie als die Königin der Punks. Die Sicherheitsnadeln sind auf dem "Koo Koo"-Cover zu Akkupunkturnadeln geworden, welche Stimulation, Elektrizität und Macht, die aus der Luft kommen, versinnbildlichen. Also habe ich die Nadeln durch Debbies Kopf gesteckt und erst nachher herausgefunden, dass die Nadel bei den Augen das Feuer ist, die bei der Nase die Luft, die beim Mund das Wasser und die beim Hals die Erde. Ich habe 'surrealistisch' gearbeitet, ohne zu überlegen."

 Surreale Mischwesen bevölkern seine Welt von Kindheit an

Surrealismus – dieser Begriff fällt im Zusammenhang mit Gigers Kunst häufig. Allerdings – verglichen mit dem Universum des Schweizers herrscht in dem des berühmtesten Surrealisten, Salvador Dali, eitel Freud und Sonnenschein.

Zwei Männer arbeiten an einem "Alien"-Modell.
HR Giger und Ridley Scott arbeiten am "Alien"-Modell. Bildrechte: imago images / Prod.DB

Giger erschafft Mischwesen, geformt aus Biologischem und Technischem; Gewalt, Tod und Sex bestimmen sein Werk. Das Düstere fasziniert ihn. Schon als Kind, wie Giger erzählt. Am liebsten habe er an der dunkelsten Stelle im Haus gespielt, unter einem Tisch in einem fensterlosen Raum:

Ich wurde in Chur, dem Kaff, wo ich geboren wurde, beeinflusst durch ein paar Sachen, wie zum Beispiel die ägyptische Kunst. Da war im Museum ein Sarkophag mit einer Prinzessin, einer Mumie, das hat mich unheimlich beeindruckt. Dann bekam ich einen Totenschädel aus der Apotheke meines Vaters, den hab' ich sofort beschlagnahmt.

HR Giger
In einer Retrospektive 2011 in Wien Bildrechte: dpa

Seine künstlerische Laufbahn beginnt ebenfalls schon im Kindesalter: "Meine Mutter glaubte diesbezüglich an mich und und deckte mich mit Malutensilien und Knetmasse ein." Eine weitblickende Frau. Schon Anfang der 1960er-Jahre stellt Giger aus, für seine horriblen "Atomkinder" oder ein Selbstporträt, auf dem ein kopfloser Körper einen abgetrennten Schädel fotografiert, findet sich durchaus ein Publikum. Bereits Ende des Jahrzehnts kann sich der ausgebildete Innenarchitekt und Industriedesigner voll auf seine Kunst konzentrieren. Zum Star steigt er dann durch sein Alien aus dem gleichnamigen Film von 1979 auf:

Die Leute kamen extra von Los Angeles zu mir, Ridley Scott und zwei andere Produzenten. Sie sagten, wir möchten, dass Sie das Monster designen für diesen Film.

Kunst, die Alpträume bannt

HR Giger hat einmal gesagt, seine Kunst banne seine Phantasien und Alpträume, sie bewahre ihn davor, wahnsinnig zu werden. In seinem Fall hat die Kunst nicht nur seinen Verstand geschützt, sie hat sich als ausgesprochen lukratives Schutzschild erwiesen. HR Giger, der in Zürich lebte und arbeitete, starb am 12. Mai 2014 an den Folgen eines Sturzes.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Februar 2020 | 06:40 Uhr

Abonnieren