Spielbetrieb eingestellt Bühnenverein fordert trotz Corona klare Perspektiven für Theaterhäuser

Die Corona-Krise hat in den Theater- und Opernhäusern den Spielbetrieb stillgelegt. Jetzt fordert der Deutsche Bühnenverein von der Politik klare Perspektiven und Planungssicherheit für die Häuser. Auch der interne Betrieb soll in den Theatern und Orchestern wieder aufgenommen werden, um Proben zu können und das Niveau zu halten. Zur nächsten Spielzeit solle wieder Programm geben. MDR KULTUR hat mit Marc Grandmontagne, dem geschäftsführenden Direktor des Deutschen Bühnenvereins gesprochen.

Zuschauerraum im Theater
Auf Deutschlands Bühnen herrscht wegen der Corona-Krise Stillstand. Bildrechte: Colourbox

MDR KULTUR: Herr Grandmontagne, die Kulturschaffenden in Deutschland haben wegen der Corona-Pandemie schon einiges ertragen müssen. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation der Orchester und Theater in Deutschland ein?

Marc Grandmontagne: Die Lage ist die, dass wir vor einem Monat sehr plötzlich zu einem totalen Stillstand gekommen sind. Erst ist der Vorstellungsbetrieb geschlossen worden, dann die Häuser. Das Gefühl ist ein bisschen als würde man die Erdrotation plötzlich anhalten und durch die Zentrifugalkraft fliegt einem irgendwie alles um die Ohren.

Wir waren die letzten Wochen vor allen Dingen damit beschäftigt, die Folgen dieses Stillstandes aufzufangen: Produktionen können nicht zu Ende geführt werden, Verträge müssen geregelt werden, das Haus muss geräumt werden. Jetzt wissen wir, dass wir mit der Perspektive leben, dass dieses Virus uns noch länger begleiten wird und suchen jetzt aktiv Wege aus diesem Stillstand.

Wo sehen Sie die Rolle der Kommunen?

Die Kommunen als Rechtsträger sind für uns die ersten Ansprechpartner und auch die Verantwortlichen, die gemeinsam mit Bund und Ländern klare Rahmenbedingungen schaffen müssen.

Alles, was am 19. April durch die Bundeskanzlerin und durch die Ministerpräsidenten an Klarheit vermittelt wurde, ist, das Großveranstaltungen bis 31. August abgesagt sind. Was eine Großveranstaltung ist, müssen die Länder regeln. Insofern fehlt uns erst mal die rechtliche Seite und auch die Perspektive. Die brauchen wir aber auch in den Häusern. Wenn man das künstlerische Niveau halten will, müssen die Menschen wieder ins Proben kommen. Die Orchester müssen wieder anfangen, in Gemeinschaft zu musizieren. Die Tänzer brauchen die Räume, um fit zu bleiben. Die Schauspieler müssen auf der Bühne proben. Man kann nicht irgendwann sagen, jetzt geht es wieder los auf Knopfdruck.

Marc Grandmontagne
Marc Grandmontagne, geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins Bildrechte: Paul Leclaire/Deutscher Bühnenverein/dpa

Zum anderen haben wir auch den Wunsch, in dieser Zeit der Gesellschaft etwas geben zu können. Dieser Räume der Begegnung sind gerade in diesen Zeiten irgendwie wichtig. Wir würden gerne zusammen mit Hygieneexperten – immer vor dem Hintergrund, dass diese Pandemie kontrollierbar sein muss - Möglichkeiten finden, wieder etwas der Gesellschaft zurückzugeben und kleinere Formate mit Publikum anbieten zu können. Das muss konzeptionell erarbeitet werden.

Derzeit ist eher ab der nächsten Spielzeit mit einem realistischen Publikumsbetrieb zu rechnen. Welche Perspektiven nach Corona werden diskutiert?

Wir als Bühnenverein gehen in direktem Kontakt mit Hygieneexperten oder mit Virologen daran, die verschiedenen Bereiche des Theaters aufzuschlüsseln. Erstens der Bereich Mitarbeiter: Die müssen wieder ins Haus und da gelten dann Abstandsregelung, Maskenpflicht, Desinfektionsmittel, etc. Dann die Frage: Wie können Proben stattfinden? Das wird für Schauspieler wahrscheinlich leichter sein als für den Bereich Orchester, Tanz oder Chor. Die können nicht mit Mundschutz singen. Sie können auch nicht nah beieinander stehen. Trotzdem müssen sie wieder eine Möglichkeit haben, im Ensemble etwas zu machen.

Der dritte Teil ist der: Wenn wir über eine Publikumsöffnung nachdenken, müssen ganz klar Regeln her, um Infektionen zu vermeiden: Es muss Einlasskontrollen geben. Die Gastronomie muss geschlossen bleiben. Die Toiletten dürften nicht benutzt werden. In den Reihen muss genug Platz sein. Aber das ist von Spielstätte zu Spielstätte eben anders. Das ist alles etwas, mit dem wir uns noch nie beschäftigt haben. Deswegen muss das auf jeden Fall sauber mit Experten erarbeitet werden. Und dann muss man ganz vorsichtig Schritt für Schritt der probieren.

Das Gespräch für MDR KULTUR führte Julia Hemmerling.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. April 2020 | 08:40 Uhr

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