Empfehlung Das Ausnahmetalent Fiona Apple – ein Porträt in sechs Songs

Die Singer-Songwriterin Fiona Apple ist aktuell in in aller Munde. Ihr jüngstes Album "Fetch The Bolt Cutters" wird von Kritikern und Kennern gefeiert. Davor war es acht Jahre lang ziemlich still um die 42-jährige Musikerin, sodass viele sie kaum kennen. Wir stellen die Künstlerin und ihre Karriere in sechs Songs vor.

Fiona Apple
Fiona Apple spielte 2012 in Miami. Bildrechte: imago/UPI Photo

Bereits 1996 überzeugte Fiona Apple mit ihrem ersten Album mit einem eigenen Stil und tiefgründigen Texten. Vor allem der lyrische Stil prägt die Musik der Künstlerin, doch die musikalischen Mittel sind vielfältiger und komplexer geworden. Acht Jahre nach ihrem vieren Studioalbum legt Fiona Apple mit "Fetch the Bolt Cutters" ihr bisher kompromisslosestes Album vor. Ein guter Zeitpunkt, um das Werk und den Werdegang dieser Künstlerin kennenzulernen.

Ein Früher Höhepunkt: "Shadowboxer"

"Shadowboxer" ist ein Höhepunkt auf Fiona Apples erstem Album "Tidal". Das erschien 1996 und schon damals überzeugte die 18-jährige Sängerin mit cleveren, ausdrucksstarken Texten und einem großen Gesangstalent. Für das Album einer jungen Musikerin klang es erstaunlich ausgereift. Es schien, als hätte Fiona ihre eigene Stimme bereits gefunden. Die erste Zeile der dramatischen Ballade singt sie mit einer jazzigen, tiefen Stimme: "Once my lover, now my friend. What a cruel thing to pretend". Das Lied ist ein gutes Beispiel für das Talent der jungen Sängerin. Die starken Melodien und tiefgründigen Texte über komplizierte, zwischenmenschliche Beziehungen deuten bereits an, was die Sängerin ihren Hörern im Laufe ihrer Karriere bieten wird.

Melancholisch und humorvoll: "Paper Bag"

1999 erschien Fionas zweites Album, dessen Titel so lang ist, dass es meist nur mit "When The Pawn..." abgekürzt wird. Es war ein großartiges Gesamtkunstwerk. Der Song "Paper Bag" ist nicht nur eine gute Einführung in das Album, sondern auch ein Beispiel für Fiona auf dem Höhepunkt ihres Könnens. Eine ihrer größten Stärken ist es, ihre komplexe Persönlichkeit in anspruchsvollen, aber auch eingängigen Liedern einzufangen. Das schafft sie bei "Paper Bags" über einen cleveren und verletzlichen Text, dem es auch an Humor nicht fehlt.

Die verliebte Fiona singt über einen Mann, den sie nicht haben kann. Sie meint, sie sei ihm zu kompliziert: "Hunger hurts, and I want him so bad, oh it kills. Cause I know I'm a mess he don't wanna clean up.” (Hunger tut weh, und ich will ihn so sehr, oh es bringt mich um. Denn ich weiß, ich bin ein Chaos, dass er nicht aufräumen will). Doch nach all dem sehnsüchtigen Verlangen und vielen selbstzweifelnden Metaphern baut die Singer-Songwriterin eine lustige Wende ein. Denn am Ende ist dieser Mann gar nicht so begehrenswert, wie sie dachte: "He said, 'It's all in your head'. And I said, 'So's everything'. But he didn't get it. I thought he was a man, but he was just a little boy." (Er sagt: "Es ist alles nur in deinem Kopf". Und ich sagte: "Alles andere auch". Aber er hat es nicht verstanden. Ich dachte, er wäre ein Mann, doch er war nur ein kleines Junge).

Cover mit ganz eigener Stimme: "Across The Universe"

Fiona Apples Coverversion des Beatles-Klassikers "Across The Universe" beweist, dass sie eine ganz eigene Stimme hat und mit dem Können der größten Musiklegenden mithalten kann. Entspannt singt die Amerikanerin John Lennons friedliches Lied. Besonders in Verbindung mit dem Musikvideo, welches von Fionas damaligen Partner, Paul Thomas Anderson, gefilmt wurde, fängt ihre Coverversion die Seelenruhe des Liedes mindestens genauso gut ein wie das Original.

Musikalich vielseitig: "Waltz (Better Than Fine)"

Fiona Apple
Fiona Apple ist in New York geboren und aufgewachsen. Bildrechte: SONY Music

"Waltz (Better Than Fine)" ist das große Finale auf Fionas drittem und vielleicht musikalisch vielfältigstem Album "Extraordinary Machine" von 2005. Das Lied ist aufwendiger arrangiert und instrumentiert als all ihre anderen Titel und allein deswegen eine echte Besonderheit. Das Orchester-Arrangement erinnert an die Leichtigkeit und Romantik alter Hollywood-Musicals. Die Sängerin fängt mit nur wenigen Zeilen eine unbeschwerte, sorgenfreie Stimmung ein, die sofort ansteckt. "If you don’t have a date, celebrate" (Wenn du kein Date hast, freu dich).

Experimentierfreudig: "Hot Knife"

"Hot Knife" zeigt die experimentierfreudige Seite Fiona Apples. Das letzte Lied ihres Albums "The Idler Wheel Is Wiser Than the Driver of the Screw and Whipping Cords Will Serve You More Than Ropes Will Ever Do", das 2012 erschien, ist ein sparsam produziertes Lied, in dem unterschiedlichste Gesangszeilen über Paukenschläge gelooped werden. Es entsteht ein komplexes, rhythmisches Gerüst aus Stimmen, zu dem hin und wieder dissonante Klaviermotive dazukommen. Das Stück hat einen kreativen und einzigartigen Aufbau. Zudem erzeugt das geschickte Überlagern der Gesangsspuren einen interessanten Effekt, der ein Highlight in ihrem Schaffen darstellt.

Ein guter Einstieg: "Ladies"

"Ladies" vermittelt einen angenehmen ersten Eindruck von Fionas neuestem Album "Fetch The Bolt Cutters". Das jüngste Album ist wegen seiner rustikalen, percussiven Klänge und der ständigen Rhythmuswechsel eine Herausforderung. "Ladies" ist ein sanfter Song und einer der schlichtesten des kompromisslosen Albums. Ein langsamer Schlagzeug-Groove wird von einen warmen Kontrabass, sphärischen Gesangmelodien und Fionas jazzigen Klavierakkorden ergänzt.

Die inzwischen 42-jährige Künstlerin präsentiert hier einen Ihrer reifsten Texte. Sie erzählt, wie sie versucht, nicht eifersüchtig auf die neue Partnerin ihres Ex-Freundes zu sein. Auch wenn dieser versucht, die beiden gegeneinander auszuspielen. Schlichtend wiederholt sie die Zeilen "And no love is like any other love. So, it would be insane to make a comparison with you" (Und keine Liebe ist wie eine andere. Deswegen wäre es wahnsinnig, dich zu vergleichen). "Ladies" bietet also einen guten Einstieg in Fionas neues, von der Kritik gelobtes Album.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Mai 2020 | 20:05 Uhr