Vielseitiger Künstler Wo Ernst Barlachs Werke heute noch zu sehen sind

Das Grauen Ernst Barlach (1870-1938) 1923, getönter Gips, 44 x 21,2 x 18 cm 44 min
Bildrechte: Ernst Barlach Stiftung Güstrow/Uwe Seemann, Barlachstadt Güstrow

Vor 150 Jahren wurde der Künstler Ernst Barlach in Wedel geboren. Viele verbinden mit ihm eines seiner plastischen Kunstwerke, den "Schwebenden Engel" im Güstrower Dom. Aber Barlach war nicht nur ein Bildhauer, dessen Figuren heute zu den Ikonen des 20. Jahrhunderts gehören. Er war auch Grafiker, Zeichner und Dramatiker: Seine Stücke wurden in Leipzig, Berlin und Gera uraufgeführt.

Barlach starb 1938, mehr als 400 seiner Werke wurden im Nationalsozialismus als "Entartete Kunst" aus Sammlungen herausgenommen, seine Skulpturen wurden aus dem öffentlichen Raum entfernt. Heute aber kann man viele von ihnen (wieder) entdecken.

"Der Schwebende" in Güstrow

Im Inneren des Doms von Guestrow - 'Der Schwebende' , Bronzedrittguss von Ernst Barlach 1927
Von der Skulptur existieren heute drei Bronze-Nachgüsse und ein Gipsabguss. Bildrechte: dpa

Die Bronzeskulptur "Der Schwebende" schuf Barlach im Jahr 1927, für den Güstrower Dom zur 700-Jahr-Feier des Bauwerks. Das Original wurde 1937 als "Entartete Kunst" aus dem Dom entfernt, nach Schwerin gebracht und eingeschmolzen. Heute hängt in Güstrow ein Nachguss. Barlach sagte einmal selbst, in den Engel sei ihm "das Gesicht von Käthe Kollwitz hineingekommen, ohne dass ich es mir vorgenommen hatte. Hätte ich sowas gewollt, wäre es mir wahrscheinlich missglückt."

"Das Magdeburger Ehrenmal"

Eine Frau stellt im Magdeburger Dom (Sachsen-Anhalt) eine angezündete Kerze vor das Denkmal des Krieges.
Das Ehrenmal steht heute am östlichen Ende des nördlichen Seitenschiffes. Bildrechte: dpa

Das Magdeburger Ehrenmal ist eine Holzplastik von Barlach im Magdeburger Dom. Er schuf sie zwischen 1927 und 1929 im Auftrag des preußischen Staates, dem damaligen Eigentümer des Doms. Die Kirchengemeinde jedoch kritisierte die Plastik von Beginn an, sodass sie 1934 wieder entfernt und in die Berliner Nationalgalerie gebracht wurde. Dort wurde das Ehrenmal 1937 beschlagnahmt und kam später in den Besitz von Barlachs Freund Bernhard A. Boehmer. Am 19. September 1955 wurde es im Dom erneut aufgestellt.

Das Hamburger Ehrenmal

Kleine Alster und das Ehrenmal (Stele) für Kriegstote , offizielles Denkmal Hamburgs für die Gefallenen der Weltkriege , von Ernst Barlach 1929
Das Mahnmal ist das offizielle Denkmal Hamburgs für die Gefallenen der Weltkriege. Bildrechte: imago images / Hoch Zwei Stock/Angerer

Das Hamburger Ehrenmal ("Denkmal für die Gefallenen beider Weltkriege") ist eine Stele mit dem Relief "Trauernde Mutter mit Kind". Es steht an der Kleinen Alster am östlichen Ende des Rathausmarkts. Das Relief wurde 1931 von Ernst Barlach zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs geschaffen, Architekt des Mahnmals war Klaus Hoffmann. Das Relief wurde 1938 von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" entfernt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es durch den Steinmetz Friedrich Bursch rekonstruiert und das Ehrenmal zur Erinnerung an beide Weltkriege umgewidmet.

Ernst-Barlach-Stiftung in Güstrow

Magdalena Schulz-Ohm, Geschäftsführerin, steht in der Ernst-Barlach-Stiftung im Atelierhaus zwischen den Plastiken 'Frierende Alte' (l-r, 1937) und 'Magdeburger Ehrenmal' (1928/29).
Fast 30 Jahre lebte Ernst Barlach in Güstrow. Bildrechte: dpa

Die Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow bewahrt und pflegt seit 1994 wesentliche Teile des Barlach-Nachlasses. Mittlerweile verfügt sie über die Häuser Gertrudenkapelle und Atelierhaus mit Ausstellungsforum-Graphikkabinett, in denen Werke von Barlach ausgestellt werden. Zum 150. Geburtstag Barlachs wurde die Dauerausstelllung neu konzipiert.

Weitere Barlach-Museen befinden sich in Ratzeburg, Wedel und Hamburg.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Diskurs | 28. Dezember 2019 | 22:05 Uhr