Corona-Shutdown Thüringen und Sachsen-Anhalt uneinig bei Öffnung des Kulturbetriebes

In Sachsen-Anhalt öffnen Kultureinrichtungen ab dem 4. Mai, eine Woche nach Thüringen. Sachsen-Anhalts Kulturminister Robra kritisiert seinen Amtskollegen Hoff fürs Vorpreschen. Der wiederum rechtfertigt die Entscheidung – und fordert langfristige Hilfen. Die Debatte im Überblick.

Rainer Robra und Benjamin-Immanuel Hoff
Die Kulturminister von Sachsen-Anhalt und Thüringen, Rainer Robra (links) und Benjamin-Immanuel Hoff Bildrechte: Collage: imago/Christian Schroedter / Benjamin-Immanuel Hoff

In Sachsen-Anhalt sollen Museen und Bibliotheken ab dem 4. Mai wieder öffnen dürfen. Das hat Kulturminister Rainer Robra am Freitag bei MDR KULTUR angekündigt. "Ich will gar nicht verhehlen, dass Sachsen-Anhalt schon jetzt die Museen und Ausstellungshäuser und die Bibliotheken hätte öffnen wollen." Das sei zunächst auch in dem Beschluss der Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Merkel vorgesehen gewesen.

Dann sei die Öffnung der Kultureinrichtungen aber "in einer sehr langen und kontroversen Diskussion" zu seinem Bedauern zurückgestellt worden. Ausschlaggebend sei letztlich die Sicht großer Städte wie Hamburg gewesen, deren Museen größere Besucherströme zu erwarten hätten.

Staatsminister und Chef der Staatskanzlei Rainer Robra
Rainer Robra (CDU) Bildrechte: IMAGO

Die Wertschätzung der Kultur, gerade auch der Theater und Opern und Orchester, wird in jeder Umfrage, die zurzeit durchgeführt wird, deutlich.

Rainer Robra, Sachsen-Anhalts Kulturminister

Zunächst Voraussetzungen für Öffnung schaffen

Robra erklärte, die Einrichtungen sollten nun die hygienischen Voraussetzungen schaffen und sich auf die Öffnung vorbereiten. "Ich habe die Museen, Bibliotheken, Theater, Orchester im Lande schon informiert, dass sie sich auch Gedanken darüber machen müssen, welche Formate geeignet sind", so Robra.

Eine Wiedereröffnung der Karl-Lagerfeld-Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg in Halle etwa sei nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich: "Das wird wohl nur dann gehen, wenn ausschließlich Slots übers Internet gebucht werden können, damit wir nicht wieder die Situation haben, dass sich draußen lange Schlangen bilden", so Robra.

Robra wirft Thüringen "Strebermentalität" vor

Der CDU-Politiker kritisierte zugleich die Entscheidung der Landesregierung in Thüringen, Kultureinrichtungen schon am 27. April zu öffnen. Damit verlasse der Freistaat die gemeinsame Linie der 16 Bundesländer. Robra warf Thüringen in dem Punkt "Strebermentalität" vor. Um die Öffentlichkeit nicht noch mehr zu verwirren, sei gerade jetzt ein gemeinsames Vorgehen der Länder wichtig.

Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff
Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke) Bildrechte: Benjamin-Immanuel Hoff

Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff wies die Kritik zurück. Der Linken-Politiker sagte am Freitag MDR KULTUR, es gehe nicht um Strebermentalität. Zwar hätten die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin bundesweit einheitliche Maßstäbe vereinbart. Andererseits gebe es "nach dem Infektionsgeschehen regional differenziertes Vorgehen."

Das gelte für die Kultur genauso wie für den Einzelhandel. Beispielsweise lasse Thüringen Geschäfte länger geschlossen als andere Bundesländer. "Das Wichtige ist, und da bin ich mit Rainer Robra völlig einig: Der Infektionsschutz steht im Vordergrund und nicht der Wettbewerb, wer als Erster jetzt am meisten aufmacht", so Hoff.

Wir haben gelernt, dass die Kultur der Hoffnungsanker für die Menschen in dieser Krisensituation war.

Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringens Kulturminister

Hoff stellt für Kultur langfristige strukturelle Hilfe in Aussicht

Für übernächste Woche kündigte Hoff eine Videokonferenz mit den Intendanten Thüringer Theater und Orchester an. Dabei solle es um die Vorbereitung der nächsten Spielzeit gehen – um praktische Fragen wie räumliche Bedingungen, Kurzarbeit oder Probenarbeit mit Mund-Nasen-Schutz.

Hoff stellte langfristige finanzielle Unterstützung für die Kulturszene in Aussicht. Es sei klar, dass die Kommunen wegen der bevorstehenden Rezession in eine sehr schwierige finanzielle Lage kämen. "Und eins darf nicht passieren: dass die Kultur unter die Räder kommt in dieser Rezession", so Hoff. "Wir haben gelernt, dass die Kultur der Hoffnungsanker für die Menschen in dieser Krisensituation war." Deshalb müssten die bestehenden Soforthilfen für die Kultur "in strukturelle, langfristig wirksame Hilfen überführt werden". Wichtig sei etwa, dass Tarifverträge gehalten würden.

Benjamin-Immanuel Hoff 9 min
Bildrechte: Benjamin-Immanuel Hoff
Benjamin-Immanuel Hoff 9 min
Bildrechte: Benjamin-Immanuel Hoff

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. April 2020 | 08:40 Uhr

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