Umsatzeinbußen durch Corona-Krise Existenzangst: Musikbranche schlägt Alarm

Abbau der Bühne.
Auf vielen Konzertbühnen könnten die Lichter wegen der Corona-Pandemie bald für immer ausgehen. Bildrechte: imago/Manngold

Die deutsche Musikbranche sieht durch die Corona-Pandemie den gesamten Wirtschaftszweig in seiner Existenz bedroht. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung von zehn Verbänden und Organisationen der Musikwirtschaft hervor. Darin heißt es, ohne weitere staatliche Hilfen würden Weihnachten 2020 weder neue Tonträger, noch Instrumente oder Konzertkarten unter den Weihnachtsbäumen liegen – denn dann sei "ein Wirtschaftszweig, der wie kein anderer für die kulturelle Vielfalt steht, verschwunden".

Grund seien die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens: abgesagte Konzerte und Festivals, geschlossene Klubs, Einbrüche beim Verkauf von Tonträgern, Noten und Instrumenten, langfristiger Ausfall von Instrumentalunterricht.

Viele Bereiche der Musikwirtschaft fürchten das Aus

Um ihren Hilferuf zu untermauern, haben die Verbände die voraussichtlichen Umsatzeinbußen berechnet, die entstehen, falls die derzeitigen Einschränkungen ein halbes Jahr andauern. Insgesamt kommen sie auf ein Umsatz-Minus von rund 5,5 Milliarden Euro für die gesamte Branche.

Die größten Einbußen hätten demnach Konzert- und Tourneeveranstalter mit knapp 3,7 Milliarden Euro. Aber auch große und kleinere Festivals (451 Millionen bzw. 233 Millionen Euro), Musikverlage und Urheber (363 Millionen Euro) sowie die Musikinstrumentenindustrie (300 Millionen Euro) befürchten massive Umsatz-Einbrüche.

Der Staat soll einspringen

Grundsätzlich begrüßen die Verbände in ihrem Papier das Soforthilfepaket der Bundesregierung für kleine Unternehmen, Solo-Selbständige und Angehörige der freien Berufe. Für viele Unternehmen der Musikwirtschaft kämen die Maßnahmen aber nicht in Frage, heißt es darin. Steuerliche Erleichterungen oder Kurzarbeitergeld könnten Musikschaffenden oder Musikwirtschaft nur in Ausnahmefällen helfen.

Auch Kredite seien meist keine Lösung: Die entstehenden Ausfälle könnten in der Regel nicht nachgeholt werden, um Kredite später abzuzahlen. Deshalb fordern die Verbände "schnelle staatliche, nicht rückzahlbare Soforthilfen". Diese dürften nicht an einschränkende Bedingungen geknüpft sein, wie etwa unmittelbare Betroffenheit von gesundheitspolitischen Maßnahmen.

Unterzeichnet wurde das Papier unter anderem vom Bundesverband der Musikindustrie, der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, dem Musikverleger-Verband und den Verwertungsgesellschaften Gema und GVL.

Mehr über Corona und die Folgen

Kultur für zu Hause

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. März 2020 | 17:10 Uhr

Abonnieren