Nachruf Zum Tod des "Malerpoeten" Christoph Meckel

Für seine Lyrik wurde der "Malerpoet" Christoph Meckel vielfach ausgezeichnet, doch sein Schaffen als Grafiker wird noch immer unterschätzt, findet sein ehemaliger Verleger Michael Krüger. Am Mittwoch starb Meckel im Alter von 84 Jahren. Ein Nachruf.

Christoph Meckel
Der Schriftsteller und Grafiker Christoph Meckel Bildrechte: dpa

Der Verleger Michael Krüger hat den am Mittwoch gestorbenen Schriftsteller und Grafiker Christoph Meckel gewürdigt. Der frühere Leiter des Hanser-Verlags sagte MDR KULTUR, Meckel habe als Dichter alle großen Preise bekommen. Als bildender Künstler dagegen habe er nicht die Anerkennung gefunden, die er verdient gehabt hätte: "Ich war von Anfang an immer ein großer Fan seiner malerischen Zyklen, seiner Radier-Arbeiten." Es handle sich um hunderte Blätter und "unendliche viele, sehr schöne" Zeichnungen, die zusammen mit der Lyrik ein Komplementär-Werk bildeten.

Der 1935 in Berlin geborene Meckel war am Mittwoch im Alter von 84 Jahren in Freiburg gestorben. Neben 29 Gedichtbänden hatte er unter anderem Kinderbücher und Hörspiele veröffentlicht. Sein Durchbruch in Prosa gelang ihm 1978 mit der Liebesgeschichte "Licht".

"Ein vollkommen unabhängiger Kopf"

Krüger bezeichnete Meckel als vollkommen unabhängigen Kopf: "Er lebte in Südfrankreich jahrelang in einer alten Hütte und schrieb und malte mit den billigsten Bedingungen, nur um nicht in irgendeiner Weise abhängig zu werden." Meckel sei zwar ein politischer Kopf gewesen, "aber er wollte sich nie in irgendeiner ideologischen Weise gängeln lassen. Das war die Lehre, die er aus seinem Vater gezogen hat" – einem Nazi-Mitläufer, über den Meckel 1980 den autobiografischen Roman "Suchbild. Über meinen Vater" geschrieben hatte.

Krüger hob auch die frühen DDR-Kontakte Meckels hervor, etwa zu Dichtern wie Johannes Bobrowski und Peter Huchel: "Christoph war eben ein zutiefst auch politisch um Ausgleich bemühter Mensch", so Krüger. Meckels letztes Buch soll nach Angaben des Verlages Carl Hanser am 27. April erscheinen. Es trägt den Titel "Eine Tür aus Glas, ganz offen. Gesammelte Prosa".

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. Januar 2020 | 17:30 Uhr

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