"Future Food" Hygiene-Museum Dresden zeigt Ausstellung zum Essen der Zukunft

Essen gehört in unserer Gesellschaft inzwischen zum Lifestyle, volle Teller zählen zu den beliebtesten Motiven in sozialen Netzwerken. Die Ausstellung "Future Food" im Deutschen Hygiene-Museum Dresden befasst sich mit vielen Aspekten des Essens und seiner gesellschaftlichen Rolle. Vor allem aber geht es um die Frage, wie sich unser Essverhalten in Zukunft ändern könnte – oder ändern müsste, damit die wachsende Weltbevölkerung ernährt werden kann.

Symmetry Breakfast von Michael Zee
Die Ausstellung "Future Food" zeigt auch Kunstwerke, die sich mit Essen auseinandersetzen. Hier: "Symmetry Breakfast" von Michael Zee Bildrechte: Michael Zee

Der Schmaus ist vorbei, der Bauch voll, die Teller abgegessen. So beginnt die Ausstellung "Future Food" im Deutschen Hygiene-Museum. Und stellt damit die erste Frage: Was eigentlich bedeutet Essen heute? Nahrungsaufnahme ist längst nicht mehr nur lebensnotwendig. Essen ist individuell, Essen ist ein Statement. Im Internet wird um die Wette gebloggt und gekocht. Vegan, vegetarisch, mit Fisch, aber ohne Fleisch, Gluten- und Lactosefrei.

Wissenschaftsjournalist Jan Grossarth spricht in dem Zusammenhang von einem "Lebensstilaspekt": Viele Menschen identifizierten sich mit ihrem Essstil, "und sie kommunizieren nach draußen ihre Identität über ihr Essverhalten."

Die Ausstellung "Future Food" im Hygiene-Museum Dresden

Symmetry Breakfast von Michael Zee
Symmetry Breakfast von Michael Zee Bildrechte: Michael Zee
Symmetry Breakfast von Michael Zee
Symmetry Breakfast von Michael Zee Bildrechte: Michael Zee
Symmetry Breakfast von Michael Zee
Symmetry Breakfast von Michael Zee Bildrechte: Michael Zee
Ernteroboter, Lehrstuhl für Angewandte Mechanik der TU München im Rahmen des Europäischen Projekts CROPS (Clever Robots for Crops)
Ernteroboter, Lehrstuhl für Angewandte Mechanik der TU München im Rahmen des Europäischen Projekts CROPS (Clever Robots for Crops) Bildrechte: Uli Benz / TU München
Sojawurst (Nachbildung)
Sojawurst (Nachbildung) Bildrechte: Archiv der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus
Ruthner-Turm von Langenlois, Innenansicht: Fritz Weigl, 1964, Fotografie
Ruthner-Turm von Langenlois, Innenansicht: Fritz Weigl, 1964, Fotografie Bildrechte: Gartenbauschule Langenlois
Ingrid Pollard – Foto aus der Serie Self evident, C-Type Print, 1995, printed 2013
Ingrid Pollard – Foto aus der Serie Self evident, C-Type Print, 1995, printed 2013 Bildrechte: Victoria and Albert Museum, London. Supported by the National Lottery Heritage Fund. © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Sugar Cane: The gradual abolition off the slave trade. Or leaving of sugar by degrees, Isaac Cruikshank, Radierung
Sugar Cane: The gradual abolition off the slave trade. Or leaving of sugar by degrees, Isaac Cruikshank, Radierung Bildrechte: The Trustees of the British Museum
Eat Ghana chicken
Eat Ghana chicken Bildrechte: Eat Ghana chicken
Block Bird's. The World's Most Transparent Chicken, Rückseite
Block Bird's. The World's Most Transparent Chicken, Rückseite Bildrechte: The Future Market
Block Bird's. The World's Most Transparent Chicken, Rückseite
Block Bird's. The World's Most Transparent Chicken, Vorderseite Bildrechte: The Future Market
Insektenkasten Seidenspinner, Lepidoptera: Saturnica cecopia, S. pery, Bombyx mori, Linnaeus, 1758, Forstzoologische Sammlung der TU Dresden, Institut für Forstbotanik und Forstzoologie, Professur für Forstzoologie, Tharandt
Insektenkasten Seidenspinner, Lepidoptera: Saturnica cecopia, S. pery, Bombyx mori, Linnaeus, 1758, Forstzoologische Sammlung der TU Dresden, Institut für Forstbotanik und Forstzoologie, Professur für Forstzoologie, Tharandt Bildrechte: Lothar Sprenger
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Was ist das richtige Essen?

Wir wissen heute eine Menge über den Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit. Das schlichte Satt-Werden ist möglich. Kalorien gibt es im Überfluss. Anerkennung bekommt in der Gesellschaft aber heute nur der, dem das "richtige Essen" gelingt. Wer einfach nur futtert, verdient keinen Respekt.

Die Fotos aus der Serie "Wait Watchers" von Haley Morris-Cafiero zeigen unseren Blick, mit dem wir Menschen, die zu dick sind, anschauen. Victoria Krason, Kuratorin der Ausstellung "Future Food", sagt: "Warum bewerten wir einen Menschen, der Übergewicht hat, auf eine bestimmte Art und Weise? Liegt es daran, dass wir die medizinischen Erkenntnisse haben, oder liegt es daran, dass wir geprägt sind von unserer Art zu denken, wie sie heute vorhanden ist?" Das sei oft schwer auseinanderzuhalten.

Fleisch gilt heute als fragwürdig

Essen ist längst auch politisch. Einst galt der Schinken als Wohlstandssymbol, heute ist das Fleisch fragwürdig. Die Massentierhaltung bringt billiges Fleisch, ist aber umweltschädlich, ungesund und ethisch umstritten. Ist das Tier nicht auch ein Individuum? Wie der Hahn Heinrich, dem der Künstler Andreas Greiner als "lebende Skulptur" ein Leben auf einem Kinderbauernhof ermöglicht.

Das Fleisch sei "auf dem Weg, ein problematisches Produkt zu werden", glaubt Jan Grossarth, Co-Autor des Begleitbuchs zur Ausstellung. "Das heißt, dass dem konventionell erzeugten Fleisch eine Karriere in der Wahrnehmung der Menschen bevorsteht, der mit der Zigarette vergleichbar ist", so Grossarth. Von einem Genussmittel und kulturell breit akzeptierten Lebensmittel entwickle Fleisch sich zu einem als problematisch empfundenen Lebensmittel.

Auch wenn man über Fleisch-Alternativen nachdenken muss – es müssen nicht alle Menschen Vegetarier werden. Insekten sind auch sehr proteinhaltig und angeblich unglaublich lecker. In Asien, Afrika oder Lateinamerika stehen Käfer, Schaben und Würmer schon längst auf dem Speiseplan. Die Ökobilanz ist verblüffend. Die Tierchen lieben Massentierhaltung und sind effiziente Futterverwerter.

Vernunft oft kein erfolgreiches Argument für Fleischverzicht

Sojawurst (Nachbildung)
Eine Sojawurst, zu sehen in der Ausstellung "Future Food". Bildrechte: Archiv der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus

Auf der Suche nach Fleisch-Alternativen hat schon 1915 Konrad Adenauer eine Sojawurst erfunden, um die Bevölkerung in Zeiten des Mangels zu versorgen. Erfolgreich war der Wurstersatz aber nicht.

Die Ausstellung solle auch zeigen, welche Gründe fürs Anbieten von Fleischersatz in der Vergangenheit akzeptiert worden seien, sagt Kuratorin Krason. Daraus könne man Rückschlüsse ziehen in Bezug auf die Insekten, "ob das jetzt erfolgreich ist oder nicht". Allein mit dem Argument der Vernunft sei es in der Vergangenheit aber relativ selten gelungen, Fleisch zu ersetzen.

In der Mitte des Jahrhunderts wird die Weltbevölkerung auf zehn Milliarden Menschen angewachsen sein. Wenn alle satt werden sollen, ist das Nachdenken über Alternativen unerlässlich. Ob die Mode, sich essend und schmatzend ins Netz zu stellen, dabei helfen wird, wissen wir nicht. Aber sich grundsätzlich gern mit Essen zu beschäftigen, ist schon mal ein Anfang.

Eine Ausstellung mit Blick über den Tellerrand

"Ein veränderter und emotional auch positiv aufgeladener Bezug zum Essen kann ja überhaupt nicht schaden", glaubt Wissenschaftsjournalist Jan Grossarth: "Das ist natürlich gut, das wird uns auch erstmal in die Lage versetzen, dass wir Verzicht als etwas Positives vielleicht empfinden."

Die Ausstellung "Future Food – Essen für die Welt von Morgen" im Hygiene-Museum Dresden versucht einen sehr weiten Blick über den Tellerrand hinaus zu werfen. Von den großen Fragen der Welternährung bis zu aktuellen Food-Trends – alles kommt auf den Tisch. Und was ist nun das Essen der Zukunft? Wir können es nur ausprobieren. Schade nur, dass ein Essen es ganz sicher nicht in die Zukunft schaffen wird: der Hackepeterigel.

Informationen zur Ausstellung "Future Food. Essen für die Welt von morgen"
30. Mai 2020 bis 21. Februar 2021 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 28. Mai 2020 | 22:10 Uhr