Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste Rückgabe von Beutekunst aus Russland stockt

Der russische Präsident Wladimir Putin (l) und Bundeskanzler Gerhard Schröder (2.v.l.) posieren am 10.4.2001 in Puschkin  für die Fotografen, während der Moskauer Bauunternehmer Timur Timerbulatow (M) und Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (r) das Gemälde des Malers Christoffer Paudiß (um 1625-1666) "Bildnis eines Heyducken mit hoher Mütze" in Händen halten.
Im Jahr 2001 übergibt ein russischer Unternehmer ein Gemälde, dass aus dem Bestand der Dresdner Gemäldegalerie stammte. Bildrechte: dpa

Die Rückgabe von Beutekunst aus Russland ist in den vergangenen zwanzig Jahren praktisch zum Erliegen gekommen. Das sagte Uwe Hartmann MDR KULTUR. Er leitet die Fachgruppe Provenienzforschung am Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg.

Der Sitz des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste in Magdeburg
Der Sitz des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste in Magdeburg. Bildrechte: dpa

Am 28. April 2000 hatte Russland zum ersten Mal verschleppte Kunstwerke an die Bundesrepublik zurückgegeben. Der Jahrestag sei zwar historisch bedeutsam, so Hartmann: "Danach gab es aber leider so gut wie gar keine Rückführungen mehr von kriegsbedingt verlagertem Kulturgut."

Der Hauptgrund ist Hartmann zufolge ein russisches Gesetz aus dem Jahr 1997. Es habe festgelegt, dass Kunst- und Kulturgut ehemaliger Feinde im Zweiten Weltkrieg in das Staatseigentum Russlands übergehe: "Damit war für russische Museen Rechtssicherheit geschaffen. Denn vorher hatte man die Existenz dieser Trophäen geleugnet."

Das sieht die russische Seite anders.

Uwe Hartmann, Provenienzforscher

Die deutsche Regierung habe dieses Gesetz aber nie anerkannt, erklärt Hartmann. Denn es stehe im Widerspruch zu gültigem Völkerrecht, insbesondere der Haager Landkriegsordnung und der späteren Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten. Demnach dürfe Kulturgut nicht zerstört oder als Geisel genommen werden und auch nicht als Reparation herhalten. "Das sieht die russische Seite anders. Sie hat immer wieder betont, ein Aggressor muss mit seinem Kulturgut haften, wenn er einen Angriffskrieg begonnen hat."

Spannungen zwischen Deutschland und Russland

Diese beiden Positionen blockierten jeglichen Fortschritt in den Verhandlungen, resümiert Hartmann und ergänzt, dass die Diskussion angesichts der politischen Spannungen zwischen Deutschland und Russland noch komplizierter geworden sei. Er nennt als Beispiel die einst regelmäßigen Verhandlungen zwischen Museen in Aachen und Simferopol auf der Krim. Mit der russischen Annexion der Krim seien diese Gespräche abgebrochen, so Hartmann.

Gegenseitiges Entgegenkommen

Die Rückgabe vor 20 Jahren beruhte auf gegenseitigem Entgegenkommen: Russland genehmigte die Ausfuhr von gut 100 Zeichnungen und Druckgrafiken, die einst der Bremer Kunsthalle gehörten. Ein sowjetischer Offizier hatte sie nach dem Zweiten Weltkrieg eigenhändig mitgenommen. Im Gegenzug gab Deutschland ein Mosaik und eine Kommode aus dem legendären Bernsteinzimmer zurück.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. April 2020 | 07:40 Uhr