Neues Album "Hermitage" von Ron Sexsmith – Musik für den Sonntagsbrunch

Ron Sexsmith ist in seiner Heimat Kanada hochangesehen, hier jedoch ist noch immer viel zu wenigen Musikfans bekannt. Sein neues Album hat er erstmals weitgehend selbst eingespielt, alle Instrumente bis auf das Schlagzeug. Die Inspiration zog er aus seinem Umzug aus der Millionenstadt Toronto ins Ländliche. Sexsmiths Album "Hermitage" hat unsere Musikkritikerin überzeugt. Es belegt für sie, dass er aktuell einer der besten Popsongwriter ist.

Ron Sexsmith
Ron Sexsmith hat mittlerweile 16 Alben veröffentlicht Bildrechte: Ron Sexsmith, Ferryhouse

Nach drei Jahren legt Ron Sexsmith sein neues Album "Hermitage" vor. Der Albumtitel hat nichts mit dem berühmten Museum ist St. Petersburg zu tun, sondern ist ein Wortspiel: Die Verbindung von "Hermit", also "Eremit" und "Age" – "Alter". Denn so fühlt sich der Mittfünfziger mittlerweile, als hätte er genau das richtige Alter, um als Einsiedler zu leben.

Stadtflucht als Inspirationsquelle

Sexsmith ist einer der erfolgreichsten und anerkanntesten Musiker Kanadas. Von Kollegen und Kritikern gelobt und verehrt, bei uns in Deutschland ist ihm jedoch nie der große Durchbruch gelungen.

Ron Sexsmith
Ron Sexsmith Bildrechte: Ron Sexsmith, Ferryhouse

Nach 30 Jahren in Kanadas Millionenstadt Toronto ist Sexsmith ins ländliche Stratford gezogen. Benannt nach der britischen Heimatstadt William Shakespeares, Stratford-Upon-Avon, scheint der kanadische Städtenamensvetter die perfekte Inspirationsquelle für Sexsmith.

Nach seinem letzten Album "The Last Rider" vor drei Jahren meinte er noch: dies könne durchaus sein letztes Album gewesen sein. Doch dann kam der Umzug und damit jede Menge Ideen. Für ein Musical, für ein Buch und eben für dieses Album "Hermitage". Sexsmith bemerkt dazu: "Auf diesem Album geht es vor allem um meine Erfahrungen in meiner neuen Heimatstadt. Es passiert ja schließlich nicht allzu oft, dass man in seinen Fünfzigern noch mal ganz neu anfängt. Aber ich glaube, all diese Veränderungen haben meinem Kopf gut getan. Ich bin sicher, dass dieses Album deshalb auch so upbeat und positiv klingt."

Musik für den Sonntagsbrunch

Ron Sexsmith, Hermitage, Cover
Das Cover des Albums "Hermitage" von Ron Sexsmith Bildrechte: Cooking Vinyl

Das Wort Upbeat sollte man bei Sexsmith nicht allzu wörtlich nehmen, seine Musik war noch nie für die große Tanzfläche gemacht, eher für den Sonntagsbrunch. Daran hat sich in den fast 30 Jahren seit seinem Debütalbum kaum etwas geändert. Sein Gesang wurde über die Jahre besser und sein Talent für große Popmelodien hat er perfektioniert. Da klingt Nick Drake durch, genauso wie Rufus Wainwright und sogar die Beatles, wie in dem Song "Lo and Behold".

Alle Instrumente selbst eingespielt – bis auf eines

Auch wenn sich sein Klang über die Jahre nicht wesentlich verändert hat, hat Sexsmith mit diesem Album doch Neues ausprobiert. Der Vorschlag dazu kam von seinem Produzenten Don Kerr, Sexsmith könnte doch alle Instrumente selbst einspielen. Kerr nannte es ein "Paul McCartney-Album", weil auch der Ex-Beatle seine Alben so aufnimmt. Sexsmith nahm die Idee dankbar an und spielte alles selbst ein – bis auf das Schlagzeug, bei dem er passen musste und das von Kerr gespielt wurde.

Als erstes hab ich die Klavier Teile eingespielt und meinen Gesang aufgenommen. Dann hab ich mit dem Bass herumexperimentiert. Danach hab ich überlegt, wie ich Keyboard und E-Gitarre in die Songs einbaue. Ich hab mich wie ein Kind im Süßigkeitenladen gefühlt mit all den endlosen Möglichkeiten. Und gleichzeitig passt diese Art der Aufnahme zur aktuellen Zeit: ich hab es quasi in Selbstisolation aufgenommen.

Ron Sexsmith

Als Außenstehender hört man das nicht, aber ganz sicher hatte diese Art der Produktion Einfluss auf die Stimmung des Albums.

Ein Musiker, der angekommen ist

Sexsmith klingt auf "Hermitage" angekommen – ein Mann, Mitte 50, der sich wohlfühlt. Mit einem Leben, mit sich und seiner Musik. Er besingt den beindruckenden Sternenhimmel über Stratford, die grüne Landschaft, die Morgenstimmung und den Zug, der jeden Tag durch die Kleinstadt fährt. Die Themen, die musikalische Umsetzung: alles harmonisch, idyllisch, zum Wohlfühlen. Sexsmith' neues Album "Hermitage" belegt einmal mehr, dass er aktuell einer der besten Popsongwriter ist.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Mai 2020 | 07:40 Uhr