Briefe, Skizzen, Aufnahmen Richard Strauss ist jetzt digital

Musiknoten, Texte, Fotos und auch Tonaufnahmen von Richards Strauss sind jetzt weltweit digital verfügbar. Die Sächsische Landesbibliothek (SLUB) in Dresden hat dafür fast 30.000 Seiten eingescannt. Möglich wurde das unter anderem, weil 70 Jahre nach dem Tod des Komponisten der Urheberrechtsschutz auf seine Werke ausgelaufen ist.

Strauss digital / Projekt der  SLUB
Die Aufgabe der Digitalisierung war sehr umfangreich. Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Skizzen, Textbücher und Aufnahmen des Komponisten Richard Strauss gibt es jetzt auch umfassend digital. Die Musikabteilung der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) hat dafür insgesamt fast 30.000 Seiten eingescannt, so Chefin Barbara Wiermann. Die digitale Richard-Strauss-Kollektion umfasst Materialien von der SLUB selbst, aber auch von der Notenbibliothek der Staatskapelle Dresden.

Skizzen, Briefe, Textbücher, Tonaufnahmen

Die Sammlung enthält bisher kaum beachtete autographe Skizzen, unter anderem zu den Bühnenwerken "Intermezzo", "Die Ägyptische Helena" und "Die Schweigsame Frau". "Die Skizzen sagen viel aus über die Entstehungsgeschichte der Werke", sagt Wiermann bei der Vorstellung des Materials in Dresden. "Wie hat Strauss seine Gedanken geformt und welche Schwierigkeiten hatte er im Kompositionsprozess?" Diese Fragen würden durch das Material beantwortet.

Strauss digital / Projekt der  SLUB
Die Strauss-Opern "Salome" und "Elektra" Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Einsehbar seien nun auch Briefe, die Strauss an den Generalmusikdirektor der Oper, Ernst von Schuch, und den Kapellmeister Hermann Kutzschbach geschrieben hat. An den Briefen lasse sich besonders sein strategisches Verhandlungsgeschick erkennen, sagt der Musikwissenschaftler Walter Werbeck von der Universität Greifswald. Dabei ging es häufig darum, in welcher Form seine Werke aufgeführt werden sollten. Zudem sei er nicht davor zurückgeschreckt, "auch mal Personen gegeneinander auszuspielen und Honorarforderungen möglichst durchzusetzen", so Werbeck. Dass gehöre untrennbar zur Person Richard Strauss und sei nun durch die Originale online nachvollziehbar.

70 Jahre nach dem Tod wird Strauss' Werk gemeinfrei

Zudem sollen 320 historische Tonaufnahmen einen Höreindruck der frühen Strauss-Interpretationen schaffen. Darunter zum Beispiel auch Aufnahmen aus dem Jahr 1925, die auf alten Schellackplatten festgehalten wurden. Das ist ein Vergnügen für die Ohren, nicht nur, weil das Knistern der Platten ein besonderes Hörerlebnis ist, sondern auch, weil die Aufnahmen bis dato nicht online nachgehört werden konnten.

Richard Strauss
Richard Strauss (1864-1949) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das hängt damit zusammen, dass das Werk des Komponisten Richard Strauss erst 70 Jahre nach seinem Tod gemeinfrei wurde. Das bedeutet, dass der Urheberrechtsschutz auf seine Werke zum 1. Januar 2020 ausgelaufen ist.

Ob das für den Komponisten Strauss eine Freude wäre, ist fraglich, denn Strauss hat sich zeit seines Lebens für die Rechte von Künstlern engagiert. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts setzte er sich dafür ein, eine Komponistengenossenschaft zu gründen. Am 1. Juli 1903 war es dann soweit. Er gründete gemeinsam mit Mitstreitern als Verwertungsgesellschaft die Anstalt für musikalisches Aufführungsrecht (AFMA), eine Vorläufergesellschaft der GEMA.

Strauss digital / Projekt der  SLUB
Man kann nun auch am heimischen Computer die handschriftlichen Anmerkungen erforschen. Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Fortschritt für die Forschung weltweit

Dass die Werke nun für jedermann und vor allem auch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt zugänglich sind, könnte die Forschung zu Richard Strauss neu befördern. Das hofft Barbara Wiermann, die Leiterin der Musikabteilung der SLUB. Auch der Strauss-Experte Walter Werbeck pflichtet bei, dass die Materialien für die Strauss-Forschung ein großer Gewinn seien. "Vor allen Dingen für alle Leute, die sich mit den Quellen zu Strauss‘ Werken beschäftigen. Hier sind Aufführungsquellen versammelt, die es in dieser Form nirgendwo anders gibt", so Werbeck.

Bei genauerem Hinsehen zeige sich, dass Strauss selbst in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Dirigenten an der Dresdner Oper noch Streichungen und Korrekturen vornahm. Weitere Eintragungen dokumentierten zudem die lange Dresdner Aufführungsgeschichte der Strauss-Opern.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Januar 2020 | 06:30 Uhr

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