Diskussion im Museum der bildenden Künste Debatte um Axel Krause: Mehr Fragen als Antworten

Wer sich für Kunst in der Region interessiert, dem ist im Juni sicher nicht die Debatte um die Leipziger Jahresausstellung entgangen, in deren Ergebnis der Maler Axel Krause – aufgrund seiner AfD-nahen Äußerungen im Internet – von der Kunstschau ausgeschlossen wurde. Ist das bereits Zensur oder ist das legitim? Darf ein Künstler für seine Privatmeinung mit seiner Kunst in Haftung genommen werden, auch wenn auf seinen Bildern von all dem nichts zu sehen ist? Viele Fragen stellen sich im Nachfeld der Debatte, die letztlich weniger eine um die Kunst- als um die Meinungsfreiheit ist. Ihr nimmt sich jetzt eine dreiteilige Diskussionsrunde im Leipziger Bildermuseum an. Dienstagabend war Auftakt mit Teil Eins.

Museum der bildenden Künste Leipzig
Museum der bildenden Künste Leipzig fand eine Diskussion zum Ausschluss des Künstlers Axel Krause von der Leipziger Jahresausstellung 2019 statt. Bildrechte: IMAGO

Was darf Kunst? Nun ist das Lager derer sicher groß, die ergeben antworten "alles" – oder um es mit einem derzeit beliebten Wort des Künstlers Jonathan Meese zu sagen: "Nur Kunst ist Chef!" Im Leipziger Bildermuseum versammelte sich am Dienstagabend indessen eine Gesprächsrunde, die der Kunst ihre Selbstgenügsamkeit, ihr "l’art pour l’art" absprach und stattdessen eine soziale und auch politische Verantwortung einforderte. Auch, was die veröffentlichten Privatmeinungen von bildenden Künstlern betrifft. So formulierte Patrice Poutrus, Zeithistoriker und Migrationsforscher der Uni Erfurt als einer der drei Diskutanten: "Es muss möglich sein, in einer kontroversen Debatte in einer offenen Gesellschaft, eine Auseinandersetzung darüber zu führen, was Inhalt, Form und die öffentliche Wirkung eines Künstlers ist."

Bildermuseum als Vermittler

Alfred Weidinger
Alfred Weidinger, Direktor des MdbK Leipzig Bildrechte: imago images / Christian Grube

Anlass für jene dreiteilige Gesprächsrunde, deren Auftakt nun unter dem Titel "Um des lieben Friedens willen" im Leipziger Bildermuseum stattfand, gaben die Vorgänge im Juni auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei, Sitz einflussreicher Galerien.

Die dort stattfindende Jahresausstellung hatte den Maler Axel Krause, einen ihrer nominierten Künstler, von der Schau ausgeschlossen, weil dessen AfD-nahe Privatmeinungen im Internet auch den Unwillen von Galeristen und Künstlern provozierten. Das Leipziger Bildermuseum möchte nun in der Debatte als Vermittler auftreten, mit den Gesprächsrunden, die die verschiedenen Lager in der Krause-Debatte bewusst trennen.  

"Das ist für mich die einzige Möglichkeit, eine seriöse Veranstaltung zu machen", sagte Museumsdirektor Alfred Weidinger. "Ich bin kein Theaterproduzent."

Mein Weg ist, dass ich so eine Informationsveranstaltung anbiete auf einer weitgehend neutralen Ebene.

Museumsdirektor Alfred Weidinger

Gleiche Meinungen statt Diskussion

Damit führt das Leipziger Bildermuseum eine eher unübliche Kommunikationskultur ein, lebt doch jedes Streitgespräch von These und Anti-These. So war es an Moderator Thomas Bille, angenehm-entspannt, den Advocatus Diaboli zu geben, sonst hätte diese erste Gesprächsrunde der Krause-Kritiker sich nur gegenseitig in ihren Meinungen bestätigt. So kritisierte etwa Diskutantin Britt Schlehan, Kunstredakteurin des Stadtmagazins "Kreuzer", dass man in Jury und Vorstand der Leipziger Jahresausstellung die Personalie Krause zu leicht gewogen habe, zu wenig  informiert war, sonst hätte man den Künstler zur Schau womöglich gar nicht erst nicht eingeladen. "Es geht mir ja nicht darum, dass man eine Zentralzensur einführt", sagte Schlehan.

Wenn ich etwas mache (eine Ausstellung, Anmerkung d. R.), ist das kein Spaß und man muss sich dann langwierig damit auseinandersetzen und sich eben auch informieren.

Britt Schlehahn, Kreuzer-Redakteurin
Britta Schulze neben ihrem Bild "Warten vor dem Tor" (2004)
Malerin Britta Schulze (Im Jahr 2004 vor ihrem Bild "Warten vor dem Tor") Bildrechte: MDR/Elena Kramer

Der Vorstand der Leipziger Jahresausstellung widersprach dem leider nicht, obwohl mit Rainer und Sylvia Schade zwei wichtige Vertreter in der ersten Reihe saßen. Auch sonst fanden sich keine Gegenstimmen, die ja erst in der 2. oder 3. Diskussionsrunde zu Wort kommen sollen.

Weiterhin blieb man die Antwort schuldig, wie Forderungen nach einer sozial-politischen Verantwortung von Künstlern in ihr laufendes Geschäft umzusetzen seien. Dies fragte sich auch die praktizierende Leipziger Künstlerin Britta Schulze, frühere Lebensgefährtin des unbotmäßigen DDR-Künstlers Klaus Hähner-Springmühl, im überraschend - trotz Sommerlochs - gut gefüllten, Saal. "Es ist eine Frage, die ich auch für mich nicht beantworten kann: Ist das Kunstwerk eine losgelöste Form oder hat der Mensch eine gesellschaftliche Verantwortlichkeit mit dem Prozess, in dem er sich befindet", fragte sie.

Mehr Fragen als Antworten

So warf diese erste Gesprächsrunde im Leipziger Bildermuseum viele Fragen auf, als dass sie Antworten gab. Etwa: Wie geht man mit politisch-unliebsamen Äußerungen von Künstlern um? Müssen sie sich verleugnen? Ist das dann Selbstzensur? Wie nennt sich ein Ausschluss aus einer Kunstschau eines privaten Vereins aufgrund von unliebsamen Überzeugungen? Zensur? Ein Wort, das man in der Debatte nicht gern in den Mund nehmen mochte. Oder greift das Wort Zensur erst, wenn auch die öffentlichen Museen im Lebenslauf den Nachweis der politischen Korrektheit von ihren ausgestellten Künstlern einfordern? Oder eben nicht fordern und Besagte gar nicht erst zu einer Schau einladen?

Bleibt zu hoffen, dass mancher tatsächlich die Zeit findet, zu allen drei Runden im Bildermuseum zu kommen, um auch Antworten für sich zu finden. Divergierende Meinungen auf einem Podium vereint, besitzen zwar explosive Kräfte, beschleunigen indessen aber auch den Erkenntnisgewinn. 

Wie geht es weiter? Bis zur Landtagswahl in Sachsen soll die dreiteilige Gesprächsrunde im Leipziger Museum der bildenden Künste abgeschlossen sein. Für Teil 2 und 3 gibt es indessen noch keine festen Termine; auch die Teilnehmer sind noch nicht bekannt. Bislang existiert nur die Zusage von Museumsdirektor Weidinger, die drei Foren insgesamt – politisch und in den Meinungen – ausgewogen zu besetzen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Juli 2019 | 17:10 Uhr

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