Ecosia-Gründer Christian Kroll steht auf einem Balkon zwischen grünen Pflanzen und roten Backsteinmauern und lächelt.
Gründer Christian Kroll steht hinter der ökologischen Suchmaschine Ecosia. Bildrechte: dpa

Gründerszene in Mitteldeutschland Idealismus als Geschäftsidee: Ecosia, Nextbike & Co.

Die Gründerszene in Mitteldeutschland ist bunt, kreativ und entwickelt immer neue Geschäftsideen. Das hat viel mit Selbstverwirklichung zu tun. Aber auch mit Haltung – und Idealismus. Deshalb wird in manchem Start-up in ganz großen Dimensionen gedacht. Gründer, denen es um ein neues gesellschaftliches Zusammenleben geht, entwickeln nachhaltige Produkte oder legen Wert auf besonders ökologisches und soziales Wirtschaften. Zum Start der Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen am Montag in Spaniens Hauptstadt Madrid stellen wir Gründer aus der Region vor.

Ecosia-Gründer Christian Kroll steht auf einem Balkon zwischen grünen Pflanzen und roten Backsteinmauern und lächelt.
Gründer Christian Kroll steht hinter der ökologischen Suchmaschine Ecosia. Bildrechte: dpa

Ecosia: Suchmaschine pflanzt Bäume

Mit dem Gewinn der Suchmaschine Ecosia werden Bäume gepflanzt – laut dem Firmenchef Christian Kroll millionenfach: "Momentan pflanzen wir jede Sekunde einen Baum. Da kommen mehrere Millionen Bäume pro Monat inzwischen zusammen." Finanziert wird das Aufforsten aus Werbung. Je häufiger Nutzer auf eine Werbeanzeige klicken, desto mehr Geld fließt in die Kasse. Die Gewinne investiert das Internet-Unternehmen in Pflanzprojekte auf der ganzen Welt, erklärt Christian Kroll, etwa in Madagaskar, Burkina Faso oder Peru. Ein großer Sprung für den Mann aus Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Die Geschäftsidee kam Christian Kroll nach einer Weltreise. Danach wollte er sein technisches Interesse mit dem Klimaschutz zusammenbringen. Bei der Suche im Internet kooperiert seine Suchmaschine mit dem IT-Giganten Microsoft. Dessen Suchmaschine Bing läuft im Hintergrund, ist für den Nutzer aber nicht auf den ersten Blick zu erkennen.

Ecosia-Gründer Christian Kroll steht auf einem Balkon zwischen grünen Pflanzen und roten Backsteinmauern und lächelt. 4 min
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Mit dem Gewinn der Suchmaschine Ecosia werden Bäume gepflanzt – laut dem Firmenchef Christian Kroll jede Sekunde einer. Kroll kommt aus Wittenberg und arbeitet von dort mit Pflanzprojekten auf der ganzen Welt zusammen.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 28.08.2019 08:52Uhr 03:34 min

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Mein BioRind: Rindfleisch zum Leasen

Mein BioRind setzt auf persönliche Kundenbeziehungen und will damit eine bewusste Ernährung fördern. Die Geschäftsgrundlage steht auf einer Weide in der Altmark, wo die Rinder grasen, die Unternehmer Kevin Schulze verkauft. Er ist kein Landwirt, sondern Fleischvermarkter. Für die artgerechte Haltung bürgen Öko-Höfe, mit denen er kooperiert. Deren Rinder werden von ihm fotografiert und in seinen Online-Shop für Rindfleisch gestellt. Aus dem anonymen Fleischverkauf am Kühlregal wird plötzlich eine persönliche Beziehung. Wer sich darauf einlässt, bekommt einen anderen Blick auf tierische Lebensmittel, glaubt der Jungunternehmer. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Kunde das Rind zum Beispiel least, wie beim Autokauf. Er sucht sich ein Kalb aus und zahlt dafür dann eine monatliche Rate, um die Kosten des Bauern für die Aufzucht zu decken. Oder aber der Kunde entscheidet sich für das Rinder-Sharing und teilt sich ein Tier mit anderen. Ein halbes Weiderind kostet zum Beispiel knapp 1.000 Euro. Dafür gibt es dann rund 60 Kilogramm Fleisch.

Kopf eines Rindes 4 min
Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Mein BioRind will eine bewusste Ernährung fördern. Von Rinder-Sharing bis Leasing: Aus dem anonymen Fleischverkauf wird eine persönliche Beziehung. Für die artgerechte Haltung bürgen Öko-Höfe.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 28.08.2019 08:54Uhr 03:42 min

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Nextbike: Fahrräder für die Städte der Welt

Der Fahrradverleiher Nextbike aus Leipzig ist inzwischen weltweit unterwegs und setzt umweltschonende Mobilitätskonzepte um. Die Ausleihe funktioniert dabei über eine App. Mit der Einfachheit der Anwendung sieht sich Gründer und Geschäftsführer Ralf Kalupner im Trend: "Durch die neue Technik, durch die Apps macht es immer mehr Spaß, Fahrräder auszuleihen. Und insofern entwickeln mehr und mehr Menschen eine richtige Leidenschaft, mal schnell auf das Fahrrad zu springen, wo sie vielleicht früher gelaufen wären, sich ein Taxi geholt hätten oder mit der Bahn gefahren wären." Das Leihrad verändert die Mobilität in den Städten, es ist schnell verfügbar und kostengünstig. Eine halbe Stunde kostet einen Euro. Die Monatsgebühr liegt bei zehn Euro. Um möglichst viele Kunden ansprechen zu können, hat Nextbike neue Netzwerke geknüpft, arbeitet mit Universitäten zusammen, mit Behörden, Verkehrsbetrieben oder Hotels.

Ein Leihfahrrad der Firma Nextbike wurde an einer Kreuzung in Leipzig abgestellt. 4 min
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Lignum Messer: Holz ist stärker als das Schwert

Lignum Messer aus Magdeburg ist aus einem Universitätsprojekt heraus entstanden. Die Idee: Ein Messer, das fast vollständig aus Holz besteht. Und damit aus einem nachwachsenden Rohstoff. Als Sven Regner Industriedesign an der Otto-von-Guericke Universität studierte, designte er ein Messer. Das war elegant, leicht und bestand zu 97 Prozent aus einem nachwachsenden Rohstoff: Holz. Dass daraus vor gut drei Jahren eine echte Geschäftsidee wurde, ist allerdings seinem Professor zu verdanken, der den Hinweis gab, ein Patent anzumelden. Wo bei normalen Messern eine breite silberne Klinge schimmert, strahlt bei Lignum die auf Hochglanz polierte Holzmaserung. Die Holzkorpusse hierfür werden in einem Stück gefräst. 16 verschiedene Arbeitsschritte braucht es, um ein Messer herzustellen. Fast alle werden von Hand in der eigenen Werkstatt ausgeführt. Die befindet sich im Keller des Magdeburger "Forum Gestalten". Die extrem schmale Spezialklinge aus Solingen wird mit Harz befestigt. Das besondere Design und heimische Hölzer kosten: Das günstigste Messer liegt bei 290 Euro. Das Teuerste bei 1.300 Euro.

Ein Holzstapel 4 min
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Lignum Messer aus Magdeburg ist aus einem Universitätsprojekt heraus entstanden. Die Idee: Ein Messer, das fast vollständig aus Holz besteht. Und damit aus einem nachwachsenden Rohstoff.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 28.08.2019 08:53Uhr 04:07 min

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AgrarInsekt: Ägyptische Heuschrecke statt Kobe-Rind

Proteine sind lebenswichtig – und stecken vor allem in Fleisch. Weil Massentierhaltung schädliche Treibhausgase verursacht, setzt AgrarInsekt aus Gröbzig in Sachsen-Anhalt auf Insekten als Proteinlieferanten. Dafür züchten Cornelia Häfner und Thorsten Breitschuh unter dem Dach der ausgebauten Scheune ägyptische Wanderheuschrecken. In vielen Ländern der Welt gehören Insekten standardmäßig auf den Tellern. Die Idee, auch in Deutschland Heuschrecken für den Lebensmittelbereich zu züchten, haben die Gründer von AgrarInsekt im Rahmen des Förderprogramms "Europäische Innovationspartnerschaft" entwickelt. Heuschrecken erschienen als ideale Lösung: Sie fressen Heu, sind eiweißreich und vermehren sich schnell. Sie können zermahlen werden oder direkt am Stück gegessen. Einfach auftauen, Flügel und Beine entfernen. Knackpunkt ist allerdings der Preis. Cornelia Häfner erklärt, dass ein Kilo 100 Euro kosten könne – im Vergleich zu zwei Euro für ein Kilo Schweinefleisch: "Dann wissen wir, wo wir uns bewegen – und zwar im hochpreisigen Segment. Deshalb denken wir darüber nach, Kochevents zu machen." Bis 2022 wird AgrarInsekt noch von der EU gefördert. Dann wird sich zeigen, ob die Insekten aus Gröbzig für den Markt freigegeben werden – und dort bestehen können.

Heuschrecke, auf einem Blatt sitzend 4 min
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Weil Massentierhaltung schädliche Treibhausgase verursacht, setzt AgrarInsekt aus Gröbzig in Sachsen-Anhalt auf Insekten als Proteinlieferanten. Dafür züchten sie in einer Scheune ägyptische Wanderheuschrecken.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 28.08.2019 08:53Uhr 04:02 min

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Wisefood: Trinkhalm aus Apfelresten

Trinkhalme gibt es mittlerweile aus Metall, Bambus, Glas oder einem Maisstärke-Zucker-Gemisch – alles umweltfreundliche Alternativen zum Klassiker aus Plastik, der ab 2021 EU-weit verboten wird. Vom sächsischen Langenbernsdorf aus hat auch das Start-up Wisefood einen essbaren Trinkhalm entwickelt. Eine ungewöhnliche Idee, die so gut ankommt, dass Wisefood mittlerweile nach München umgezogen ist. Die Halme riechen nass ein klein wenig nach Heu, schmecken aber nach Apfel – und werden nachhaltig produziert. Maximilian Lemke ist bei Wisefood für das operative Geschäft zuständig und erklärt: "Die Überlegung war: Was fällt ganz viel als Reststoff an? Und da kam man halt ziemlich schnell auf Apfelreste, also den Reststoff aus der Apfelsaftproduktion. Das, was außer dem Apfelsaft übrig bleibt." Wo genau die Halme hergestellt werden, ist ein Betriebsgeheimnis. Die ersten verkaufsfähigen Trinkhalme wurden im März 2018 verschickt. Mittlerweile werden pro Tag Millionen hergestellt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. August 2019 | 06:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2019, 09:21 Uhr

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