Filmstart: "Jeder stirbt für sich allein" "Kitschig, grell und fantasielos"

Szene aus dem Film "Jeder stirbt für sich allein" von Regisseur Vincent Pérez
Das Berliner Ehepaar Hampel protestiert nach dem Kriegstod ihres Sohnes mit Postkarten gegen das NS-Regime. Bildrechte: Marcel Hartmann/ X-Verleih

Schon zum vierten Mal wurde dieser Roman von Hans Fallada verfilmt, der 2002 durch Neuauflage und Neuübersetzung überraschend zu einem Welterfolg aufstieg. Der Autor hatte die Geschichte des Berliner Ehepaars Hampel, das nach dem Kriegstod ihres Sohnes mit Postkarten gegen die Nazis protestierte, 1946/47 mit großem inneren Druck geschrieben. Der Schweizer Regisseur Vincent Pérez hat offensichtlich keinerlei Fantasie und vor allem kein Gespür für das Leben in einer Diktatur, für die Ängste, das Misstrauen, den dauerhaften, allgegenwärtigen Wahnsinn. Das ist für ihn persönlich natürlich erfreulich, aber dadurch empfiehlt er sich nicht gerade für die Verfilmung eines Romans, der genau davon erzählt.

Seinem kitschigen, grellen Film fehlt das Gefühl der Bedrückung, der Furcht. Über weite Strecken verliert Pérez die Geschichte ganz aus den Augen, das durch die Gestapo-Ermittlungen heranrollende Unheil erscheint nur noch als schwaches Hintergrundrauschen. Das sorglos rekonstruierte Berlin hat so viel Metropolen-Atmosphäre wie eine mecklenburgische Kleinstadt und die wunderbaren englischen Stars wirken völlig deplatziert. So sieht Emma Thompson als Mutter Hampel leider aus, als hätte sie sich kurz mal eine proletarische Schürze umgebunden, um in einem Käthe-Kollwitz-Musical mitzuspielen.

Genre: Drama/Kriegsfilm  
Regie: Vincent Pérez  
Darsteller: Brendan Gleeson, Emma Thompson, Daniel Brühl, Jürgen Tarrach u.a.  
Im deutschen Kino ab: 17.11.2016  
Produktionsland: Deutschland  
Bewertung: ★ ☆ ☆ ☆ ☆ (1 von 5 Sternen)  

Meistgelesen bei MDR KULTUR