Fünf Fakten George Orwell – Elite-Schüler, Anarchist und Prophet der totalen Überwachung

Mit seinem Roman "1984", der düsteren Zukunftsvision eines totalitären Überwachungsstaates, wurde George Orwell bekannt, ebenso für seine Parabel "Farm der Tiere". Vor 70 Jahren starb der Schriftsteller - am 21. Januar 1950 in London – sein Werk ist aktueller denn je, sein Leben ist vielen nicht so präsent. Was hat ihn geprägt und warum hat er unter Pseudonym geschrieben? Fünf Fakten:

George Orwell
Das schriftstellerische Werk von George Orwell fasziniert bis heute Bildrechte: dpa

1. Orwells Vater war – ganz legal – im Drogenhandel tätig

George Orwell
George Orwell als Baby in den Armen seiner Mutter Ida Mabel Blair Bildrechte: imago/United Archives International

Der Vater von George Orwell, Richard Walmesley Blair, war in Britisch-Indien als Beamter im legalen Opiumhandel tätig. 1880 wurde der Opiumhandel mit China unter Regierungsmonopol legalisiert. Von seinem Vater hatte der am 25. Juni 1903 als Eric Arthur Blair geborene Junge allerdings nicht viel, er kehrte mit seiner Mutter 1904 nach England zurück und sah seinen Vater bis zu dessen Pensionierung 1912 nur ein einziges Mal.

2. Zwei Visionäre am Elite-College

Aldous Huxley, Autor von "Brave New World" .
Aldous Huxley um das Jahr 1923 Bildrechte: imago/United Archives International

Neben "1984" von George Orwell gehört auch Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" (1932) zu den bekanntesten Dystopien. Als Orwell an der Eliteschule Eton Schüler war, gehörte der nur neun Jahre ältere Schriftsteller Huxley zu seinen Lehrern. Huxley wurden zwar hervorragende Sprachkenntnisse nachgesagt – jedoch soll er als Lehrer nicht im Stande gewesen sein, eine Klasse im Zaum zu halten. Er unterrichtete nur ein Jahr lang in Eton.

3. Vom Polizeioffizier zum Imperialismuskritiker

Als er etwa 20 war, kehrte George Orwell in sein Geburtsland Britisch-Indien zurück und ließ sich dort zum Polizeioffizier bei der India Imperial Police in Mandalay (heute Burma) ausbilden. Durch seine Tätigkeit im Dienst der Kolonialmacht wurde ihm jedoch das Maß der Unterdrückung der Einheimischen bewusst. Das sollte Orwells Weltsicht massiv ändern. Er wurde zu einem massiven Kritiker des britischen Imperialismus.

Szene aus dem Film 1984
Szene aus der Romanverfilmung von "1984" Bildrechte: imago images/Mary Evans

4. George Orwell ist ein Pseudonym

Orwell wollte das Leben von armen Menschen nicht nur beschreiben, er sammelte auch selbst Erfahrungen am Rande der Existenz. So zog er eine Zeit lang als Tramp durchs Land, verdiente sein Geld als Tellerwäscher oder Hilfslehrer. In Büchern wie "Erledigt in Paris und London" (1933) schildert er seine Erfahrungen. Um seine Familie mit der Veröffentlichung seiner prekären Erfahrungen nicht zu belasten, wählt er für die Veröffentlichung das Pseudonym George Orwell.

Bronzefigur des britischen Schriftstellers George Orwell
Bronzefigur von George Orwell vor dem Broadcasting House in London mit dem Spruch: "Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen." Bildrechte: dpa

5. Kämpfer im Spanischen Bürgerkrieg

Ende 1936 zog Orwell als Freiwilliger der republikanischen Kräfte in den Spanischen Bürgerkrieg. Es sollte sein Verhältnis zum Totalitarismus grundlegend ändern. Orwell sah sich als Anarchist und Sozialist, kämpfte in einer Einheit der Arbeiterpartei der Marxistischen Einheit (P.O.U.M). Doch die Gefahr drohte nicht nur von den Bürgerkriegsgegnern – stalintreue Kommunisten haben seine Einheit als "trotzkistisch" gebrandmarkt und verfolgten sie. Paradoxerweise rettete ein lebensbedrohlicher Halsdurchschuss sein Leben, denn als er im Lazarett lag, töteten Kommunisten zahlreiche P.O.U.M.-Anhänger bei Säuberungsaktionen. Orwell floh und wurde aufgrund seiner Erfahrungen zum unerbittlichen Gegner des Sowjetregimes.

George Orwell
George Orwell mit anderen P.O.U.M-Kämpfern im Spanischen Bürgerkrieg Bildrechte: imago/United Archives International

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Januar 2020 | 12:40 Uhr

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