Album-Tipp "The Holiday Sounds of Josh Rouse": Ein Weihnachtsalbum fürs ganze Jahr

An Weihnachtsalben scheiden sich oft die Geister. Der aus Nebraska stammende Singer-Songwriter Josh Rouse hatte eigentlich nie vor, eins zu machen. Sein Repertoire erinnert sonst an Bands wie "The Smiths" oder "The Cure" und weist ihn eher nicht als Spezialisten für Weihnachten aus. Umso überraschender, dass er mit "The Holiday Sounds of Josh Rouse" nun doch ein Weihnachtsalbum vorlegt – ein durchaus gelungenes, findet MDR KULTUR-Kritikerin Heidi Eichenberg.

Sänger Josh Rouse im Anzug mit einer Weihnachtsmannmütze auf dem Kopf und einem Sektglas in der Hand
Wollte nie ein Weihnachtsalbum machen, hat es dann aber doch getan: Singer-Songwriter Josh Rouse Bildrechte: Manolo Millan

Seit Bing Crosby mit Irving Berlins "White Christmas" 1947 das bis heute erfolgreichste Weihnachtslied aller Zeiten veröffentlichte, scheint der "Sound of Christmas" kollektiv festgetackert zu sein. Der Singer-Songwriter Josh Rouse wollte für sein erstes Weihnachtsalbum Songs schreiben, die die Festtagsdekoration überleben und der Tradition einen eigenen Stempel aufdrücken. Wie schwierig das ist, beweisen unzählige jährlich als Rock-Swing-Blues- oder Soul-Klone veröffentlichte Kompilationen immer derselben Klassiker. Die Stärke des Albums "The Holiday Sounds of Josh Rouse" liegt in der Verweigerung der Klischees und in der Feier all jener erhabenen Momente, die es auch sonst das ganze Jahr über zu entdecken gibt: Mitgefühl, Sehnsucht, Freude und Humor.

Weihnachtsmusik ohne Kinderchor und Glöckchengebimmel

Verblüffend konsequent löst Rouse das wie in einem alten Traditionsstollen festgebackene Rezept von sentimentaler Schwere in heiter-besinnlicher Leichtigkeit auf. Luftig-jazzige Gitarren statt schmalziger Geigen, lässig-beherzter Gesang statt Crooner-Attitüde. Für seinen Holiday-Sound braucht der Singer-Songwriter Rouse weder einen Kinderchor noch Glöckchengebimmel, wie er selbst sagt:

Es geht auch locker ohne diese Dinge, es muss einfach festlich klingen und ein gutes Gefühl machen, Leben rüberbringen und Wärme erzeugen. Mehr braucht es nicht.

Josh Rouse, Musiker
The Holiday Sounds Of Josh Rouse
Cover des neuen Albums von Josh Rouse Bildrechte: Yep Roc Records

So funktionieren die neun Lieder des neuen Albums allesamt wie kleine Holiday-Szenen eines Weihnachtsfilms, der an verschiedensten Orten spielt, zum Beispiel im Winter Wonderland des New Yorker Big Apple. In fast allen Liedern spielt der Weihnachtsfilm weit weg von zu Hause: Der Protagonist wärmt sich im Unterwegssein an der Erinnerung an die gesungenen Lieder und manchmal beschert das Fest weitab von der Familie auch akute Einsamkeit wie im Song "Letters in the Mailbox".

In der Rolle des gestrandeten Reisenden kennt sich Rouse aus. Er hat Weihnachten in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren selbst meist in der Fremde verbracht. Die Geschichten, die er während seiner Roadtrips einsammelte und zu stimmungsvollen Folk-Pop-Songs verarbeitete, strahlen Intimität und Wärme aus.

Rouse galt als Geheimtipp

Josh Rouse, der aus Nebraska stammt, startete seine Karriere in Nashville, wo 1998 sein Debütalbum "Dressed Up Like Nebraska" entstand. Es kursierte als Geheimtipp. Sein 2005 erschienenes Album "Nashville" bewertete das Musikmagazin "Rolling Stone" bereits als Meilenstein. 2014 gewann Rouse einen Goya, die spanische Version des Oscars, für den Song "Do You Really Want to Be in Love". Auch für sein Album "The Embers of Time" von 2015 gab es gute Kritiken, danach ging er gemeinsam mit dem englischen Singer-Songwriter Nick Lowe auf Tour. Dessen 2013 erschienenes Weihnachtsalbum öffnete Rouse die Augen.

Porträt des Sängers Josh Rouse
Josh Rouse, Singer-Songerwriter Bildrechte: York Wilson

Das Nick-Lowe-Album hat mich inspiriert, es war etwas ganz Eigenes, eigentlich ein R&B-Album. Und natürlich liebe ich Vince Guaraldis "Charlie Browne-Christmas-Album" mit all seinen tollen Jazznummern.

Josh Rouse

Nick Lowes Album "Quality Street" hatte Rouse auf die Idee gebracht, ein Album zu produzieren, das musikalisch das ganze Jahr über funktioniert, dessen Texte sich aber rund um Weihnachten drehen. Eine Art cozy, jazzy, cool Christmas ohne Verfallsdatum. Eingespielt hat er das Ganze mit der Band, die ihn schon auf dem Album "1972" begleitet hat.

Weihnachten mit Flip-Flops am Strand

Gleich das erste Stück des Albums ist ein Hit. "Mediterranean Christmas" erinnert an die zurückgelehnte Coolness eines Jimmy Buffett und entfernt an den Sound der Beach Boys. Mit Flip-Flops am Strand sendet der Erzähler im Highschool-Spanisch fröhliche Grüße und malt Weihnachtsengel in den Sand. Seit einigen Jahren hat Rouse das spanische Valencia zur zweiten Heimat erkoren. Das Weihnachtsfest wird er dort aber nicht feiern: "Weihnachten verbringe ich dieses Jahr in Nashville mit meiner Familie, meinen zwei Kindern und meiner Frau und bestimmt schauen auch ein paar Verwandte vorbei."

Informationen zum Album Album: The Holiday Sounds of Josh Rouse
Interpret: Josh Rouse
Label: Yep Roc Records / H’Art

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Dezember 2019 | 07:10 Uhr

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