Start der 2. Staffel auf Arte "Top of the Lake - China Girl" ist ein verstörendes Meisterstück

Die Neuseeländerin Jane Campion gehört zu den renommiertesten Regisseurinnen. In den 90er-Jahren schaffte sie mit Filmen wie "Ein Engel an meiner Tafel" und "Das Piano" den Durchbruch und drehte 2009 bis dato ihren letzten Kinofilm "Bright Star". Vor vier Jahren überzeugte Campion mit der düsteren Miniserie "Top of the Lake", die viele vorschnell als die neuseeländische, feministische Antwort auf David Lynchs "Twin Peaks" bezeichneten. Nun zeigt Arte die Fortsetzung der erfolgreichen Serie, die keine wirkliche Fortsetzung oder 2. Staffel ist.

Ein blauer Rollkoffer wird nachts in Sydney im Meer versenkt. Am nächsten Morgen eckt die Polizistin Robin gleich an, als sie junge, männliche Rekruten, die sich albern benehmen, zu hart und autoritär angeht. Ihr Chef Adrian ist alles andere als zufrieden mit diesem Neuanfang, nachdem Robin vier Jahre lang in Neuseeland wie verschollen war.

Meine Mutter ist gestorben und ich hatte eine heftige Liebesbeziehung.

Polizistin Robin, Protagonistin der Serie "Top of the Lake"

Elisabeth Moss bekannt als Peggy Olsen aus "Mad Men" ist die Schauspielerin der Stunde für Qualitätsserien. Unlängst gewann sie für "The Handmaid’s Tale" den Emmy, und auch diesmal in der zweiten Ausgabe von "Top of the Lake" verkörpert sie Robin als eine von inneren Dämonen, Schuldgefühlen und Ehrgeiz getriebene Polizistin, die es sich und ihren Mitmenschen nie wirklich leicht macht.

Mutterschaft in allen Facetten

Am Strand von Sydney ist der Rollkoffer wieder aufgetaucht. In ihm liegt die Leiche einer jungen Asiatin. Der Pathologe, auch ein Mann, der Robin irgendwie mag, nennt die Tote einfach nur China Girl.

China Girl. Die Leiche ist weiblich. Haare etwa 50 Zentimeter lang, von asiatischem Typus. Das Alter lässt sich auf Anfang 20 schätzen.

Szene aus der Miniserie "Top of The Lake"

Neben der Krimigeschichte um eine tote Prostituierte spielt das Thema Mutterschaft diesmal facettenreich eine Rolle. Die Tote war Leihmutter. Und Polizistin Robin, die mit 16 vergewaltigt wurde, gab ihre Tochter nach der Geburt zur Adoption frei. Auch die hünenhafte Kollegin und Partnerin von Robin, gespielt von Gwendoline Christie, die man aus "Game of Thrones" kennt, ist schwanger. Und Nicole Kidman spielt Julia, die Adoptivmutter von Robins biologischer Tochter Mary, die nun 17 ist. In einer schönen Szene treffen sich Robin und ihre Tochter Mary zum ersten Mal.

Jetzt bist du da. Bist du mir mit dem Wagen gefolgt? Nicht schlimm, gefällt mir. Bin ich dir zu heftig, zu fordernd, zu direkt, zu intensiv - sag es ruhig. Macht mir nichts.

Mary, Robins Tochter in der Serie "Top of the Lake"

Irdischer als "Twin Peaks"

Jane Campion hatte die Idee zur Serie, schrieb am Drehbuch mit und fungierte als Showrunner, führte also meist nicht selbst Regie, sondern verantwortete das gesamte Projekt kreativ. Sie vermag es auch diesmal, den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Campion hinterfragt erneut die sexuell aufgeladenen Beziehungen zwischen Männern und Frauen, schaut dabei in Abgründe, thematisiert Abhängigkeiten, Pornowahn und Sexsucht. Und doch bleiben ihre Figuren dabei immer zutiefst menschlich, leiden meist unter den eigenen Dämonen. Das ist alles sehr viel irdischer als bei "Twin Peaks" und ein weiteres verstörend-schmerzliches Meisterstück der ebenso sensiblen wie taffen Jane Campion.

Informationen zur Serie Die zweite Staffel von "Top of the Lake" sendet Arte wöchentlich in Doppelfolgen am 7.12., 14.12. und 21.12., jeweils ab 20:15 Uhr.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Nachmittag | 07. Dezember 2017 | 16:20 Uhr