Filmkritik "Systemsprenger" – preisgekröntes Drama über ein zutiefst verletztes Mädchen

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Wie geht man mit Kindern um, die gefährlich für sich und andere sind und pädagogische Grenzen sprengen? Dieser Debüt-Spielfilm von Nora Fingscheidt wurde auf der Berlinale gefeiert und hat Chancen auf einen Oscar als "Bester fremdsprachiger Film". Hervorragend spielt Helena Zengel die neunjährige Benni, die in ihrer Emotionalität zwischen Wut und Hilflosigkeit wechselt und die Erwachsenen bis zur Resignation fordert. Unser Kritiker ist begeistert.

Filmstill, ein Kind in roter Jacke schreit.
Die neunjährige Benni kann ihre Wut nicht zügeln Bildrechte: kineo Film, Wydemann Bros., Yunus Roy Imer

Benni, ein neunjähriges Mädchen, hat einen langen Weg durch Gastfamilien und erfolglose Untersuchungen und Therapien hinter sich. Mit seiner unbändigen, unbeherrschbaren Wut, seinen heftigen, zerstörerischen Anfällen ist es eine Gefahr für andere und für sich selbst. Sie fällt durch alle Raster der sozialen Fürsorge. Benni ist ein "Systemsprenger", weil ihr im herkömmlichen pädagogischen Rahmen nicht zu helfen ist.

Filmstill, ein Mann wartet auf einem Waldweg auf eine Person in einer roten Jacke, die auf ihn zugeht.
Es gibt auch Momente des Glücks und der Hoffnung für Benni und die anderen. Bildrechte: kineo Film, Wydemann Bros., Yunus Roy Imer

Nora Fingscheidts hervorragender Debüt-Spielfilm, die deutsche Oscar-Nominierung, wurde zu Recht schon auf der Berlinale gefeiert, nicht zuletzt wegen seiner Hauptdarstellerin. Helena Zengel spielt dieses Mädchen nicht nur als tickende Zeitbombe, die jederzeit explodieren kann, sondern als hilfebedürftiges, zerbrechliches Wesen, das jede Unterstützung verdient.

"Systemsprenger" vermeidet dabei oberflächliche Anklagen gegen die sozialen Mechanismen: Gabriela Maria Schmeide und Albrecht Schuch spielen überforderte, aber sehr engagierte Sozialarbeiter, die sich für das Kind aufopfern und doch an ihre Grenzen stoßen. Der Film ist auch eine Würdigung solcher engagierter Menschen.

Nora Fingscheidt, die für ihren Dokumentarfilm "Ohne diese Welt" den First Steps-Award gewann, verwendet auch hier dokumentarische, sehr direkt wirkende Mittel, um uns in Bennis Welt mitzunehmen und Verständnis für diese kindliche Naturgewalt zu erzeugen.

Genre: Drama
Regie: Nora Fingscheidt
Darsteller: Helena Zengel, Gabriela Maria Schmeide, Albrecht Schuch u.a.
Im deutschen Kino ab: 19.09.2019
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ★ (5 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Filmstarts der Woche | 19. September 2019 | 08:10 Uhr

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