Filmstart "Spuren": berührende Doku über Angehörige der NSU-Opfer

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Die Namen der NSU-Täter haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Über die Ermordeten dagegen ist wenig bekannt. In der Doku "Spuren – Die Opfer des NSU" zeigt Regisseurin Aysun Bademsoy eindringliche Porträts Hinterbliebener, die mit ihrer Trauer allein gelassen wurden.

Eine Familie in einem Flugzeug
Eine Szene aus der Doku "Spuren – Die Opfer des NSU" Bildrechte: Salzgeber

Wir kennen die Namen der Täter, ihre Gesichter, der Prozess gegen Beate Zschäpe zog sich fünf Jahre hin und konnte längst nicht alle Fragen zum Terrornetzwerk des NSU beantworten. Aus dem Blickfeld gerieten dabei die zehn Opfer und ihre Angehörigen, der Schmerz und die Trauer der Hinterbliebenen, die sich lange Zeit demütigende Verdächtigungen der Behörden gefallen lassen mussten.

Einfühlsame Gespräche mit verzweifelten Angehörigen

Die Berliner Regisseurin mit türkischen Wurzeln Aysun Bademsoy war beim Münchner Prozess dabei, sie hat die Fassungslosigkeit der Angehörigen angesichts der milden Urteile für Zschäpes Komplizen erlebt. Für ihren berührenden Film machte sie sich auf den Weg zu den Opfern, sprach mit Kindern, Geschwistern und Ehepartnern über den schrecklichen Verlust der geliebten Menschen, aber auch über den Verlust des Vertrauens in den deutschen Rechtsstaat.

In einfühlsamen Gesprächen in der Nachbarschaft, an den früheren Lebensorten der Ermordeten oder am Grab in der Türkei gelingen der Regisseurin eindringliche Porträts der Angehörigen, die mit ihrer Trauer und Verzweiflung allein gelassen wurden.

Genre: Dokumentation
Regie: Aysun Bandemsoy
Im deutschen Kino ab: 13.02.2020
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Juli 2019 | 08:10 Uhr

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