Albumkritik Nathaniel Rateliff singt auf neuem Album gegen das Schicksal

Der Singer-Songwriter Nathaniel Rateliff und seine Band die Night Sweats sind bekannt für ihre preisgekrönte Single "S.O.B.". Blues, Folk, Soul und Gospel fließen bei Rateliff harmonisch zusammen. "And It's Still Alright" ist jetzt ein wunderschönes Album geworden, findet unser Kritiker.

Nathaniel Rateliff
Sein neues Album "And It's Still Alright" erinnert an Harry Nilsson. Bildrechte: Bavaria Entertainment GmbH

Manche neue Alben werden komponiert und produziert mit viel Zeit und Enthusiasmus, mit der Arbeit am Detail und vor allem – aus einem entspannten Geist heraus. Und dann wird manchmal Kunst geboren aus Schmerzen. Weil es Schicksalsschläge zu verkraften gilt. Weil jemand, der eine tragende Rolle bei diesem Kunstwerk spielen sollte, stirbt. Und trotzdem, vielleicht auch gerade deswegen kann so ein Album – entstanden aus widrigen Umständen – wunderschön werden. Nathaniel Rateliffs neues Album "And It's Still Alright" ist so ein Album.

Nathaniel Rateliff: And It's Still Alright
Das Albumcover zu Nathaniel Rateliffs "And It's Still Alright" Bildrechte: Caroline International Germany

Nathaniel Rateliff aus Missouri ist Singer-Songwriter und Sänger, hat in mehreren auch international erfolgreichen Bands gespielt, mit der letzten – den Night Sweats – ist er noch immer eng verbunden. Musiker der Night Sweats sind auch auf seinem neuen Soloalbum " And It's Still Alright " zu hören. Nicht dabei ist sein Produzent und enger Freund Richard Swift, der während der Arbeiten am Album an den Folgen seiner Alkoholsucht starb. Lieder wie "All or Nothing" bekommen durch diesen Schicksalsschlag neue Bedeutung: "Ich habe dieses Lied für Richard Swift gespielt, meinen Freund und Produzenten", erzählt Rateliff. Und weiter: "Wir wollten den Song auf dem Album zusammen singen. Er liebte 'All or Nothing'. Er meinte, er würde wie ein Harry Nilsson-Song klingen. Was schon ein wunderbares Kompliment ist."

Vielleicht ist das ein letzter Wink des Freundes Richard Swift aus dem Jenseits, sich dieses Album von Nathaniel Rateliff mit Harry Nilsson im Ohr anzuhören. Jener Harry Nielsen, der Klassiker wie "Everybody's Talkin'" schrieb und einer der größten Songschreiber der USA war. In der Tat, es gibt diese Lyrik, die Poesie, der süße Schmerz, die wunderbaren Harmonien, die das alles einfassen auch bei Nathaniel Rateliff, einem Musiker in den Fußstapfen eines Harry Nilsson.

Nach dem Schmerz kommt die Hoffnung

Nathaniel Rateliff
Nathaniel Rateliff Bildrechte: Danny Clinch

Für ihn habe es etwas sehr Reinigendes und Klärendes gehabt, das Album aufzunehmen, erzählt der Musiker: "Schon der Albumtitel "And It's Still Alright" setzt sich mit dem Thema auseinander. Wie es ist, zu kämpfen, wie sich Schmerzen anfühlen, wie man mit Verlust klarkommt, und trotzdem weiter Ausschau hält nach der Hoffnung, der Zuversicht und der Freude am Leben."

"And It's Still Alright". Und es ist dennoch alles gut. Nathaniel Rateliff stemmt sich auf dem Album gegen das Schicksal. Auch gegen die Ehe, die zerbrach. Man spricht noch nicht einmal mehr miteinander. Trotzdem. Und dennoch. Oder gerade deswegen. Auf "And It's Still Alright" fließt alles harmonisch zusammen. Der Blues, Country, Soul und vor allem Gospel. Denn schließlich hat Rateliff von klein auf im Gospelchor gesungen.

"And It's Still Alright" ist ein wunderbares Album geworden. Offen für viele, thematisch wie musikalisch. Und der Gewissheit, dass man, wenn man das Tal der Tränen durchschritten hat, auch wieder sonnigere Tage kommen.

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Nathaniel Rateliff sucht auf seinem neuen Album "And It's Still Alright" nach sonnigen Tagen. Bildrechte: Rett Rogers

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Februar 2020 | 07:40 Uhr

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