MDR KULTUR-Studiosession Heather Nova: "Vergebung macht uns frei"

Heather Nova ist zurück. Mit ihrem neuen Album "Pearl" tourt sie gerade durch Europa. MDR KULTUR traf die Singer-Songwriterin im Leipziger Haus Auensee zur Studiosession. Im Gespräch mit MDR KULTUR-Musikredakteur Jan Kubon verrät sie, wie bei den Sessions plötzlich der alte Band-Sound zurückkam; wie sie mit den Jahren zu vergeben lernte – und entdeckte, dass sie in ihrem Haus einfach überall malen kann.

Dass sie so unverkennbar zu ihren musikalischen Anfängen zurückgekehrt ist, scheint Heather Nova selbst zu überraschen. In nur 14 Tagen nahm sie die elf Songs von "Pearl" auf, erzählt sie in der Studiosession von MDR KULTUR: "Frisch und nicht überproduziert" sollte das neue, zehnte Album klingen. Anders als die eine oder andere Platte zuvor. Ein bisschen vielleicht wie ihr gefeiertes Debüt "Oyster" vor 25 Jahren, aber keinesfalls wie eine Jubiläumsausgabe.

A pearl is hopefully what forms inside an Oyster after all the years, the accumulation of experience, the saltwater, the sand.

Heather Nova

Während der Sessions stellte sie fest, dass der alte Band-Sound wieder kommt, große Gitarren, treibende Rhythmen. Elegant und roh zugleich. Darüber flirrt ihre Stimme, die von Kritikern oft als sirenengleich beschrieben wurde. Dass scheinbar alle Spaß bei den Aufnahmen hatten, zeigt das Online-Videotagebuch auf ihrer Website. Kein Wunder, schließlich trafen sich gute, alte Bekannte, zudem engagierte Heather Nova für "Pearl" auch ihren ersten Produzenten Youth: "Musik solltest du zusammen machen mit Leuten, die du schätzt und magst", kommentiert sie.

Von der Kraft und Macht der Worte

"The Wounds We Bled" heißt der erste Song auf dem neuen Album, "Over the Fields" der letzte. In der Studiosession von MDR KULTUR spielt sie beide und erzählt, dass sich ihre Lieder nach wie vor aus sehr persönlichen Geschichten speisen. Mit "Over the Fields" knüpft sie an eine düstere vom Debüt-Album an: Auf 'Oyster' erzählt sie im Song "Island", "wie mich ein wesentlich älterer Mann missbraucht hat." Als sie nun hörte, dass er im Sterben liege, schrieb sie ihm. Zu vergeben, das habe sie erst mit den Jahren gelernt, sagt Heather Nova. Das sei wichtig für den anderen, aber vor allem für einen selber, bemerkt sie:

Heather Nova mit MDR KULTUR-Musikredakteur Jan Kubon. 26 min
Bildrechte: Jan Kubon / MDR KULTUR

Vor 25 Jahren erregte Heather Nova mit ihrem Debüt "Oyster" große Aufmerksamkeit. Aktuell ist sie mit ihrem neuen Album Pearl auf Tour.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 19.10.2019 16:05Uhr 25:30 min

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Vergebung macht uns frei, von Ärger und Verbitterung.

Heather Nova

In ihren Texten geht Heather Nova noch einen Schritt weiter als früher. Von der Kraft und Macht der Worte, die aufbauen, aber auch verletzen und erniedrigen können, handelt bereits einer ihrer früheren Titel: "Your Words". Mit Worten müsse man achtsam sein, sagt sie, den alten Titel hat sie für die Studiosession ausgesucht, denn der scheint überaus aktuell.

Aus tiefstem Inneren

Derzeit tourt Heather Nova mit "Pearl" durch Europa, demnächst können die Fans sie möglicherweise als bildende Künstlerin erleben, verrät sie bei MDR KULTUR. Die Cover einiger ihrer Alben hat sie selber gestaltet. Archaisch, großflächig und in kräftigen Farben erinnern ihre Bilder fast an Höhlenzeichnungen. Malen und Zeichnen sei dem Songwriting ähnlich, findet sie. Sie erkunde darin die Beziehungen zwischen Mensch und Natur. Doch auf Bild-Interpretationen hat sie eigentlich keine rechte Lust. Kreativität komme aus dem tiefsten Inneren, sagt sie. Und: Sie möchte nicht alles beurteilen, was sie tue, sondern frei zu Werke gehen. Wie zuletzt, als ihr auffiel, dass das ja ihr Haus sei, in dem sie lebe: Wer sollte sie daran hindern, Wände und Türen wild zu bemalen, wenn ihr danach sei. Also legte sie los ...

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Oktober 2019 | 16:05 Uhr

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